
Chronische Rupturen der distalen Bizepssehne stellen aufgrund von Sehnenretraktion, Vernarbung und degenerativer Sehnentransformation eine operative Herausforderung dar. Eine einheitliche Definition existiert nicht; orientierend wird ein Zeitraum von vier bis sechs Wochen nach Verletzung verwendet. Mit dieser Arbeit möchten wir die operativen Ergebnisse chronischer und akuter distaler Bizepssehnenrupturen vergleichen sowie die Möglichkeit eines primär konservativen Vorgehens mit zweizeitiger operativer Versorgung bei Therapieversagen diskutieren. Die vorliegende Arbeit ist als deskriptives Review konzipiert und stützt sich auf eine selektive Literaturrecherche publizierter systematischer Reviews sowie klinischer Studien zu chronischen distalen Bizepssehnenrupturen. Chronische Rupturen können sowohl durch primäre Refixierung als auch durch Rekonstruktion mit Sehnentransplantat erfolgreich operativ versorgt werden. Funktionelle Ergebnisse (Mayo Elbow Performance Score [MEPS] 86–100, „disability of shoulder, arms and hand questionnaire“ [DASH] 3–15) sind mit denen der akuten Versorgung weitgehend vergleichbar. Kraftdefizite fallen nach chronischer Versorgung etwas deutlicher aus, insbesondere in der Supination. Die Komplikationsraten beider Gruppen liegen auf ähnlichem Niveau, wobei bei einer autogenen Sehnentransplantation eine relevante Morbidität der Entnahmestellen zu berücksichtigen ist. Für gering aktive Patienten ohne relevanten Bedarf der vollen Supinationskraft ist ein primär konservativer Therapieversuch mit sekundärer operativer Option vertretbar. Aktive Patienten mit funktionellem Kraftanspruch profitieren von einer anatomischen Rekonstruktion, die aber auch nach mehrmonatiger Latenz noch exzellente Ergebnisse erzielen kann.
Irreparable posterosuperiore Rotatorenmanschettenrupturen können zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Schulterfunktion mit Verlust von Abduktion und Außenrotation führen. Bei jüngeren, funktionell anspruchsvollen Patienten ohne relevante glenohumerale Arthrose sind gelenkerhaltende Rekonstruktionsverfahren gegenüber der inversen Schulterprothese zu bevorzugen. Sehnentransfers stellen hierbei eine etablierte Option dar. Ziel dieses Übersichtsartikels ist die Darstellung des Lower-Trapezius-Transfers (LTT), mit besonderem Fokus auf biomechanischen Grundlagen, klinischen Ergebnissen, Differenzialindikation, sowie der operativen Technik des LTT und der Vergleich zum herkömmlichen Latissimus-dorsi-Transfer („latissimus dorsi tendon transfer“, LDTT). Während der LDTT über eine langjährige klinische Evidenz verfügt, zeigt der LTT in biomechanischen und klinischen Studien eine überlegene Rekonstruktion der physiologischen Kraftvektoren der posterosuperioren Rotatorenmanschette. Insbesondere die Wiederherstellung der aktiven Außenrotation gelingt mit dem LTT zuverlässiger. Elektromyographische Untersuchungen belegen eine aktive neuromuskuläre Integration des transferierten unteren Trapezius. Der LTT stellt heute bei irreparablen posterosuperioren Rotatorenmanschettenrupturen ohne fortgeschrittene Arthrose das bevorzugte Transferverfahren der Autoren dar. Die korrekte Patientenselektion und eine strukturierte postoperative Rehabilitation sind entscheidend für den klinischen Erfolg.