
Im zweiten Teil der Serie über den Konsensusreport zu Gingiva- und Parodontalerkrankungen liegt der Schwerpunkt auf den gesunden Kindern und Jugendlichen mit Parodontitis. Bei der Patientengruppe wurden v. a. die Schwierigkeiten bei der Diagnose gesehen, da mit Einschränkungen der parodontalen Sondierung im Milch- und Wechselgebiss zu rechnen ist. Die wichtigste Schlussfolgerung ist, dass der parodontalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aufgrund der hohen Prävalenz durch Plaque induzierter Gingivitis oder aufgrund des Schweregrads (z. B. bei nekrotisierenden Parodontalerkrankungen) mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Darüber hinaus sollten künftige Studien gerade bei jüngeren Patienten durchgeführt werden, um die besonderen prädisponierenden und modifizierenden Faktoren zu klären, die sich auf Diagnose, Prognose und Behandlung auswirken.
Pflanzliche Arzneidrogen, Extrakte und Pflanzeninhaltsstoffe werden auch bei oralen Beschwerden von Kindern eingesetzt. Die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern ist jedoch präparatespezifisch und deutlich begrenzter als bei Erwachsenen. Praxisrelevant sind Untersuchungen zur Biofilmmanifestation und Gingivitis, Papain-basierte Verfahren zur chemomechanischen Kariesexkavation, Kamille bei therapiebedingter Mukositis sowie Propolis in der Pulpotomie. Ergebnisse zu Aufguss, Tinktur, ätherischem Öl, Gel oder standardisiertem Extrakt sind nicht auf andere Zubereitungen übertragbar. Der Beitrag ordnet Nutzen und Grenzen ein und bietet einen Sicherheits- und Entscheidungscheck. Pflanzenbasierte Verfahren ergänzen, ersetzen aber keine etablierte Prävention, Diagnostik oder Therapie.
Der heutige Zuckerkonsum in Industrienationen übersteigt die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation deutlich und stellt einen der wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren für orale und allgemeine Gesundheit dar. Die menschliche Evolution verlief über nahezu 300.000 Jahre unter Bedingungen einer zuckerarmen, ballaststoffreichen Ernährung. Erst Ackerbau und insbesondere industrielle Lebensmittelproduktion führten zu einer massiven Verfügbarkeit freier Zucker, auf die der menschliche Stoffwechsel und das orale Ökosystem evolutionär nicht angepasst sind. Freie Zucker fördern Karies, gingivale Entzündungen und möglicherweise Parodontitis über Veränderungen der Biofilmökologie sowie systemisch-metabolische Entzündungsmechanismen. Darüber hinaus besteht eine Assoziation mit Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weiteren nichtübertragbaren Erkrankungen. Neben der betonten zahnärztlichen Ernährungsberatung sind bevölkerungsbezogene Maßnahmen wie Zuckersteuer und Einschränkungen des Kindermarketings erforderlich, um das erhebliche Präventionspotenzial auszuschöpfen.