
Zusammenfassung Mit Hilfe des Bilanzierungsansatzes von Settergren und Mikula (2005) erstellen Stefan Fetzer und Stefan Moog intertemporale Bilanzen für die Soziale Pflegeversicherung (SPV) und entwickeln einen automatischen Ausgleichsmechanismus nach dem Vorbild der schwedischen Rentenversicherung. Die Bilanzen für den Zeitraum 2013 bis 2024 zeigen, dass die Pflegepolitik dieser Jahre die intertemporalen Verbindlichkeiten der SPV deutlich ausgeweitet hat. Unter Berücksichtigung der steigenden Lebenserwartung (zentrales Szenario) beträgt die Bilanzrelation im Jahr 2024 lediglich 0,49; der für einen Bilanzausgleich erforderliche Beitragssatz läge bei 4,56 Prozent. Im Jahr 2024 galt indes nur ein Beitragssatz von 3,40 Prozent. Eine Fallstudie zeigt, dass der Ausgleichsmechanismus ab 2025 die Bilanz durch eine einmalige Beitragssatzanhebung auf 4,58 Prozent dauerhaft ausgleichen und einen sukzessive wachsenden Vermögensfonds aufbauen kann. Er ermöglicht eine regelgebundene Beitragssatzsteuerung in der SPV, die intertemporale Verbindlichkeiten und implizites Vermögen systematisch in Einklang bringt.
Zusammenfassung Die COVID-19-Pandemie stellte die Wirtschaftspolitik vor außergewöhnliche Herausforderungen, da Nachfrage-, Angebots- und Unsicherheitsschocks gleichzeitig auftraten. In diesem Beitrag erörtert Rüdiger Bachmann wesentliche makroökonomische Stabilisierungsmaßnahmen in Deutschland und bewertet ihre Wirksamkeit anhand aktueller empirischer Forschung. Im Mittelpunkt stehen der Kinderbonus und die temporäre Mehrwertsteuersenkung von 2020. Die Evidenz zeigt, dass Transfers insbesondere in liquiditätsbeschränkten Haushalten den Konsum erhöhten, während die Mehrwertsteuersenkung vor allem Käufe langlebiger Konsumgüter vorzog und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stabilisierte. Wichtige Fragen zu den Wirkungen der Unternehmenshilfen sowie der Ausweitung des Kurzarbeitergeldes hingegen bleiben offen. Der Autor betont die Bedeutung einer besseren Forschungsdateninfrastruktur für künftiges Krisenmanagement und insgesamt für eine zielgenauere Ausgestaltung fiskalischer Stabilisierungsmaßnahmen.
Zusammenfassung Kathrin Stock, Peter Tillmann und Andreas Walter analysieren die Publikationsprofile von Volkswirtinnen und Volkswirten, die an deutschen Universitäten auf Professuren berufen worden sind, die zwischen 2014 und 2022 ausgeschrieben waren. Basierend auf Publikationsdaten von 217 Berufenen betrachten sie die Publikationserfolge, insbesondere die Anzahl und Qualität der Publikationen, im Jahr nach der Ausschreibung. Sie zeigen, dass unter Berücksichtigung des Karrierealters auf W3-Positionen Berufene nur unwesentlich bessere Publikationsmaße vorweisen können als auf W2-Professuren Berufene. An Exzellenzuniversitäten Berufene zählen signifikant mehr Top-5-Publikationen, haben jedoch nicht generell mehr veröffentlicht. Bezüglich der auf Positionen mit Tenure-Track Berufenen erweist sich, dass die Forschungsstärke der berufenden Institution negativ mit der Publikationsmenge der Berufenen korreliert ist.
Zusammenfassung Verhaltensökonomische Ansätze sind heute fest in der Wirtschaftspolitik verankert. Wie Malte Dewies und Lucia A. Reisch argumentieren, hat die Verhaltenspolitik eine zweite, reifere Phase erreicht – mit stärkerer Evidenz, fester institutioneller Einbettung sowie hohen Anforderungen an Governance und Ethik. Mega-Studien und Evidenzübersichten relativieren anfängliche, manchmal überzogene Wirksamkeitserwartungen. Die Empirie zeigt: Verhaltensbasierte Instrumente wirken, wenn sie richtig geplant und angewendet werden. Besonders wichtig sind ein testbasierter Politikprozess, die frühe Einbindung der Zielgruppen sowie die kontinuierliche Evaluation der Wirkungen und Nebenwirkungen. Besonders wirksam sind verhaltensbasierte Interventionen, unter anderem Nudges, in Kombination mit klassischen regulativen und ökonomischen Maßnahmen. Die Digitalisierung ergänzt das Instrumentarium um personalisierte und dynamische Interventionen, birgt jedoch auch neue Risiken. Eine „Verhaltenspolitik 2.0“, so das Plädoyer in diesem Beitrag, sollte pragmatisch, evidenzbasiert, fallabhängig, kosten-nutzenorientiert, transparent und unideologisch sein.
Zusammenfassung Um gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen, können politische Entscheidungsträger*innen systemische Politikmaßnahmen einführen – beispielsweise Steuern, Verbote oder Regulierungen. Allerdings stoßen solche Maßnahmen oftmals auf geringe öffentliche Akzeptanz. Dieser Widerstand ist jedoch nicht statisch: Studien zeigen, dass die Akzeptanz systemischer Politikmaßnahmen nach ihrer Einführung oftmals zunimmt. In diesem Beitrag geben Robert Böhm, Christoph Fuchs, Armin Granulo und Leonhard Reiter einen Überblick über die verhaltensökonomische und psychologische Forschung zur zeitlichen Dynamik der Akzeptanz systemischer Politikmaßnahmen. Die Autoren stellen psychologische Reaktanz als Treiber des öffentlichen Widerstandes vor, fassen empirische Befunde zur Entwicklung von Widerstand vor und nach der Maßnahmeneinführung zusammen und erläutern verschiedene Mechanismen, die diese Dynamik erklären können – beispielsweise die Übergangsheuristik, hedonistische Adaptation und Rationalisierung. Abschließend erörtern sie Implikationen für die evidenzbasierte Politikgestaltung sowie offene Forschungsfragen.