
Die Koinzidenz maligner und rheumatischer Erkrankungen wurde bisher unzureichend systematisch untersucht. Dies hat zahlreiche ungedeckte medizinische und wissenschaftliche Bedürfnisse zur Folge, darunter eine mangelnde Wissensbasis für das klinische Management und fehlende standardisierte Handlungsempfehlungen. Das MalheuR-Projekt (DRKS00036681) ist eine registerbasierte Plattform zur interdisziplinären Erforschung der Koinzidenz auf klinischer und molekularer Ebene. Es ist das weltweit erste Register, das das Gesamtspektrum rheumatischer und maligner Erkrankungen sowie deren Therapien abdeckt. Das Register ist in 3 Subregister unterteilt: RheuMal (rheumatische und maligne Erkrankungen), TRheuMa (therapieinduzierte rheumatische Symptome bzw. Exazerbationen) und ParaRheuMa (paraneoplastische Symptome). Bisher wurden mehr als 1400 Patienten eingeschlossen (RheuMal: n = 1037; TRheuMa: n = 320; ParaRheuma: n = 47). Erste Ergebnisse zeigen eine prospektive Charakterisierung rheumatischer „immune-related adverse events“ (irAE) mit der Identifizierung signifikanter Prädiktoren für das progressionsfreie Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS) sowie translationale Erkenntnisse durch CD8-T-Zell-Assays und metabolische Magnetresonanzspektrometrie. In der Brustkrebskohorte wiesen Patientinnen mit rheumatischen Erkrankungen ein jüngeres Diagnosealter und ein besseres ereignisfreies Überleben auf als Patientinnen ohne rheumatische Erkrankungen. Das MalheuR-Projekt schließt wichtige Evidenzlücken zur Wechselbeziehung zwischen Krebs und rheumatischen Erkrankungen. Es bildet die Grundlage für interdisziplinäre Behandlungsstrategien und trägt zur Entwicklung präziserer Handlungs- und Therapieempfehlungen bei.
Die Sarkoidose gilt klassischerweise als antigengetriebene, CD4-T-Zell-vermittelte Erkrankung, in deren Zentrum die Aktivierung von T helper 17.1 (Th17.1)-Zellen steht. Dieses Modell erklärt jedoch nur unzureichend, warum sehr unterschiedliche Auslöser zu einem ähnlichen histologischen Bild führen und warum Granulome bei manchen Patientinnen und Patienten spontan in Remission gehen, bei anderen jedoch persistieren und fibrosieren. Dieser Beitrag stellt die These vor, dass sich die Sarkoidose auch als Störung der „Entsorgungsfunktion“ von Makrophagen verstehen lässt: Wird phagozytiertes Material nicht effizient abgebaut, bleibt es liegen, belastet den Makrophagen metabolisch und unterhält die Entzündung. Ein zentraler Baustein dieser Perspektive ist der gestörte Fettstoffwechsel der Granulommakrophagen: Aktuelle Daten zeigen eine ausgeprägte lysosomale und lipidmetabolische Signatur, deren pharmakologische Modulation experimentell und vielleicht auch therapeutisch die Granulombildung reduzieren kann. Zusätzlich verknüpft ein mammalian Target Of Rapamycin Complex 1 (mTORC1)-abhängiges, Matrix Metalloproteinase 12 (MMP12)-vermitteltes Programm die granulomatöse Entzündung direkt mit der myokardialer Fibrose, einer der klinisch bedeutsamsten Komplikationen der kardialen Sarkoidose, während Janus kinase (JAK)- und mTORC1-Inhibitoren belegen, dass ein etablierter Granulommakrophagenphänotyp grundsätzlich reversibel ist. Auch das paradoxe Auftreten sarkoider Granulome unter Tumor Necrosis Factor (TNF)-Blockade lässt sich in diesem Rahmen neu einordnen: TNF trägt offenbar sowohl zur Entsorgung von phagozytiertem Material als auch zur Stabilisierung etablierter Granulome bei, sodass seine Hemmung je nach Krankheitsstadium und Molekül gegensätzliche Effekte haben kann.
Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine biologisch heterogene Erkrankung, bei der die Therapieauswahl nach Versagen eines ersten Tumornekrosefaktorinhibitors (TNFi) noch immer weitgehend auf empirischem Wechsel statt auf gewebebasierter Stratifizierung beruht. Die Synovialbiopsie hat sich schrittweise von einem Forschungsverfahren zu einem praktikablen und informativen Ansatz für den Zugang zum Zielorgan der Erkrankung entwickelt und ermöglicht die histologische, molekulare und funktionelle Charakterisierung der entzündeten Synovialis. Frühere biopsiebasierte Studien, darunter R4RA und STRAP, haben gezeigt, dass synoviale Signaturen Aufschluss über das Ansprechen auf die Therapie geben können, wobei sie gleichzeitig die Grenzen einfacher histologischer Klassifikatoren und die Notwendigkeit multidimensionaler gewebebasierter Modelle aufzeigen. In diesem Rahmen wurde die SQUEEZE-BioTest-Studie als beobachtende, prospektive, biopsiebasierte Plattform für Patientinnen mit RA und primärem Versagen einer Erstlinien-TNFi-Therapie konzipiert, die im Rahmen der Routineversorgung eine Behandlung mit einem TNFi, einem IL-6-Rezeptor-Inhibitor oder einem JAK-Inhibitor beginnen. Durch die Kombination einer ultraschallgeführten Synovialbiopsie zu Studienbeginn mit serieller klinischer Nachbeobachtung, Blutprofilierung, Einzelzell- und Multiomics-Analysen sowie Ex-vivo-Modellen zur Arzneimittelreaktion zielt BioTest darauf ab, synoviale Reaktionssignaturen zu validieren und die Entwicklung klinisch umsetzbarer Biomarkerplattformen zu unterstützen. Dieser Übersichtsartikel erörtert die Begründung, Struktur und potenziellen translationalen Auswirkungen von BioTest und positioniert die Studie als Modell für die nächste Phase der gewebegesteuerten Präzisionsmedizin bei RA.
Das chronische Fatigue-Syndrom (ME/CSF) stellt einen ernstzunehmenden Zustand dar, der es den Betroffenen oft nicht ermöglicht, am Leben in der gewohnten Form teilzuhaben. Die Fähigkeiten, den Aktivitäten des täglichen Lebens nachzukommen, sind reduziert und die soziale und familiäre Teilhabe ist häufig eingeschränkt. Meist ist es nicht möglich, der gewohnten Arbeit nachzugehen. Daraus resultieren auch finanzielle Konsequenzen. Die Herausforderung in der Behandlung besteht darin, ein Therapiekonzept zu erstellen, das nicht überfordert und keine Rückfälle produziert. Trotzdem soll sich die Fatigue und die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, wodurch auch die Stimmung und die Lebensqualität positiv beeinflusst werden. An erster Stelle steht das Pacing, bei dem die Aktivität an die individuell vorhandene Energie angepasst wird. Weitere Therapiemöglichkeiten sind Bewegungstherapie und Ergonomisierung, Atemtherapie, Elektrotherapie und Kältetherapie. Auch immunmodulierende Verfahren, wie die TVNS und die Resonanzatmung, haben ihren Stellenwert. Das Therapieprogramm muss individuell geplant und an die verfügbaren Energieressourcen angepasst werden.
Die IgG4-assoziierte Erkrankung („IgG4-related disease“, IgG4-RD) ist eine systemische fibroinflammatorische Multiorganerkrankung, deren klinische Präsentation häufig unspezifisch ist und zahlreiche entzündliche, autoimmune sowie maligne Erkrankungen imitieren kann. Ziel dieses Übersichtsartikels ist es, einen praxisorientierten diagnostischen Zugang von der initialen Symptomatik bis zur gesicherten Diagnose darzustellen und zentrale differenzialdiagnostische Fallstricke hervorzuheben. Nach Definition der Erkrankung werden typische Organmanifestationen und klinische Phänotypen beschrieben, gefolgt von einer Darstellung der aktuellen ACR/EULAR-Klassifikationskriterien sowie der diagnostischen Bedeutung histopathologischer Befunde. Die Rolle der fluorodeoxyglucose position-emission tomography–computed tomography (FDG-PET-CT) als sensitivste Methode zur Erfassung systemischer Organbeteiligungen und zur Biopsieplanung wird besonders betont. Der diagnostische Stellenwert erhöhter Serum-IgG4-Spiegel wird kritisch diskutiert, da diese weder sensitiv noch spezifisch sind und isoliert keine Diagnose erlauben. Ein Schwerpunkt liegt auf der klinischen Überlappung mit wichtigen Differenzialdiagnosen, darunter eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (Churg-Strauss-Syndrom), Sjögren-Syndrom, Riesenzellarteriitis sowie Erdheim-Chester-Erkrankung. Hervorgehoben wird zudem die Beteiligung unterschiedlich großer Gefäße im Sinne einer variablen Vaskulitis. Therapeutisch stellen Glukokortikoide die Erstlinientherapie dar; ein rasches Ansprechen unterstützt die Diagnose, während ein fehlender Steroideffekt die Wahrscheinlichkeit einer IgG4-RD deutlich reduziert. Der Artikel unterstreicht die Notwendigkeit eines integrativen diagnostischen Ansatzes unter Einbeziehung klinischer, radiologischer und histologischer Befunde zur Vermeidung von Fehldiagnosen.