
Beschwerden des Iliosakralgelenks (ISG) und Kopf‑/Nackenschmerzen hängen über funktionelle Wirbelsäulenketten zusammen (Beckenschaufel-Schädel-Kopplung). Drei Mechanismen verbinden Becken und Kopfgelenke: statische Kompensation (muskuläre Dysbalance verkippt das Becken, was über die BWS zu HWS-Hyperlordose und zervikogenem Kopfschmerz führt), myofasziale Ketten (oberflächliche Rückenlinie von Fußsohle bis Stirn) und neurologische Verschaltung (propriozeptive Rezeptoren in ISG und Kopfgelenken sowie Duraspannung von Kreuzbein bis Schädelbasis). Klinisch zeigen sich Spannungskopfschmerz, Schwindel, CMD. Therapeutisch wird daher primär die Beckenstellung korrigiert (WiPiHi[“Wirbelsäule-Position-Hilfe”]-Methode), bevor direkt am Nacken behandelt wird – aggressive HWS-Manipulation ohne Beckentherapie kann Beschwerden verschlimmern. Haltung erfordert gezieltes Training, getrennt von reiner Bewegung.
Die Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) ist aus schmerzmedizinischer Sicht ein besonders interessantes Krankheitsbild. Sie verbindet den neuropathischen Schmerz mit sensorischen und sensomotorischen Funktionsstörungen, Einschränkungen der Aktivität und Mobilität und damit der Teilhabe sowie einem erhöhten Sturzrisiko. Gleichzeitig macht sie exemplarisch deutlich, wo die Grenzen einer rein pharmakologisch orientierten Schmerztherapie liegen und weshalb ein multimodaler, funktionsorientierter und rehabilitativer Ansatz notwendig ist. Die CIPN eignet sich darüber hinaus als Modell, um eine zentrale Frage dieser Artikelserie zu diskutieren: Was können regenerative physikalische Therapien leisten und was können sie nicht – und wo endet derzeit die wissenschaftliche Evidenz?