
Anale intraepitheliale Neoplasien (AIN), insbesondere „high-grade squamous intraepithelial lesions“ (HSIL) sind zentrale Vorläuferläsionen des analen Plattenepithelkarzinoms. Obwohl das Analkarzinom in der Allgemeinbevölkerung selten bleibt, zeigen bestimmte Risikogruppen, insbesondere Menschen mit HIV, Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten, Organtransplantierte sowie Frauen nach vulvären oder schweren zervikalen Dysplasien /Karzinomen, deutlich erhöhte Inzidenzen. Mit der ANCHOR-Studie (NEJM 2022) wurde erstmals belegt, dass die Behandlung analer HSIL das Risiko für ein invasives Analkarzinom signifikant reduziert. Damit verschiebt sich die klinische Fragestellung von der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit einer Intervention hin zur gezielten Identifikation geeigneter Screeningpopulationen. Der Artikel fasst die aktuelle Evidenz zu Epidemiologie, Risikostratifikation, Diagnostik, Therapie und Nachsorge zusammen. Ein generelles Screening ist nicht sinnvoll; entscheidend ist ein risikoadaptiertes Vorgehen. Die High-Resolution Anoscopy (HRA) bleibt diagnostischer Referenzstandard, ist jedoch ressourcenintensiv und nicht flächendeckend verfügbar. Therapeutisch stehen ablative, topische und chirurgische Verfahren zur Verfügung, wobei Rezidive häufig sind. Die HPV-Impfung ist ein wichtiges Instrument der Primärprävention, zeigt jedoch keinen gesicherten therapeutischen Nutzen bei bereits manifester HSIL.
Beim Rektumkarzinom gewinnen organerhaltende Behandlungsstrategien zunehmend an Bedeutung. Ein vollständiges klinisches Ansprechen nach Radiochemotherapie ermöglicht es in einem relevanten Anteil der Fälle, eine chirurgische Resektion zu vermeiden. Da die Wahrscheinlichkeit einer klinischen Komplettremission wesentlich von der erzielbaren lokalen Strahlendosis abhängt, bietet die intraluminale Kontaktstrahlentherapie – besser bekannt als Papillon-Therapie – einen entscheidenden Vorteil: Sie ermöglicht eine gezielte Hochdosisapplikation direkt am Tumor bei gleichzeitiger Schonung des umgebenden Normalgewebes. Prospektive Studien und Metaanalysen belegen konsistent hohe Raten klinischer Komplettremission, signifikant reduzierte lokale Rezidivraten sowie sehr gute funktionelle Ergebnisse. Die OPERA-Studie, eine prospektive randomisierte Phase-III-Studie, zeigte nach 3 Jahren eine Organerhaltungsrate von 81
Proktologische Beschwerden sind in der Bevölkerung häufig, werden aus Scham oder Unsicherheit jedoch oft nicht aktiv erwähnt und daher verzögert diagnostiziert. Der häufigste Fehler ist die unkritische Zuordnung anorektaler Symptome zu „Hämorrhoiden“. Der Beitrag bietet eine praxisorientierte Übersicht aus gastroenterologischer Perspektive und strukturiert die Erstbeurteilung konsequent nach Leitsymptomen: anale Blutung, analer Schmerz, anale Schwellung, Pruritus ani und analer Juckreiz sowie Stuhlinkontinenz. Für jedes Leitsymptom werden klinische Schlüsselmerkmale, relevante Differenzialdiagnosen, Warnzeichen sowie klare Zuweisungskriterien zur spezialisierten Proktologie dargestellt. Ziel ist es, die diagnostische Sensibilität im Alltag zu erhöhen, Fehldiagnosen zu vermeiden und Patientinnen und Patienten rechtzeitig einer weiterführenden proktologischen Abklärung zuzuführen.
Die Behandlung kolorektaler Lebermetastasen stellt eine zentrale Herausforderung der modernen hepatobiliären Chirurgie dar. Primäres therapeutisches Ziel ist eine vollständige onkologische Tumorkontrolle durch komplette hepatische Tumorentfernung bei gleichzeitigem Erhalt eines funktionell ausreichenden Restlebervolumens. Anhand ausgewählter Fallbeispiele werden in diesem Beitrag multimodale Therapiekonzepte skizziert, die chirurgische Resektionen, lokal-ablative Verfahren, systemische Therapien sowie – in ausgewählten Fällen – auch die Lebertransplantation umfassen. Die konsequente Integration dieser komplementären Behandlungsmodalitäten hat das therapeutische Spektrum substanziell erweitert und die Prognose von Patienten mit kolorektalen Lebermetastasen deutlich verbessert.