
Background: Childbirth can become a traumatic experience due to structural factors (e.g., negative experiences with medical staff) or individual ones (e.g., specific interpretations), which can lead to the development of post-traumatic stress disorder (PTSD). Trauma-focused cognitive behavioral therapy is effective for the treatment of PTSD, and there is preliminary evidence of efficacy for PTSD following traumatic childbirth. Case Report: Mrs. G., on her own initiative, presented with symptoms of postpartum PTSD for individual outpatient therapy. The treatment was carried out according to the manual of Ehlers' [1999] cognitive therapy. At the end of the approximately 1-year treatment, the PTSD symptoms were completely remitted, with Mrs. G. reporting a significant reduction in intrusions and a changed interpretation of many factors of the delivery situation. Conclusions: This case report shows an example of the use of Ehlers' [1999] cognitive therapy for PTSD following traumatic childbirth. The aim was to facilitate the application of trauma-focused therapy in this scenario for psychotherapists. Hintergrund: Eine Entbindung kann aufgrund struktureller Faktoren (z.B. negativer Erfahrungen mit dem medizinischen Personal) oder individueller Faktoren (z.B. spezifischer Interpretationen) zu einem traumatischen Erlebnis werden, das zur Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsst & ouml;rung (PTBS) f & uuml;hren kann. Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie ist effektiv bei der Behandlung der PTBS und es gibt erste Hinweise auf die Wirksamkeit bei einer PTBS nach traumatischer Entbindung. Fallbericht: Frau G. stellte sich mit Symptomen einer PTBS nach einer Entbindung eigeninitiativ zur ambulanten Einzeltherapie vor. Die Behandlung wurde mit dem Manual der kognitiven Therapie nach Ehlers [1999] durchgef & uuml;hrt. Nach Ende der etwa einj & auml;hrigen Behandlung war die PTBS-Symptomatik vollst & auml;ndig remittiert, wobei Frau G. eine deutliche Reduktion der Intrusionen und eine ver & auml;nderte Interpretation vieler Faktoren der Entbindungssituation berichtete. Schlussfolgerungen: Diese Kasuistik zeigt beispielhaft die Anwendung der kognitiven Therapie nach Ehlers [1999] bei einer PTBS nach traumatischer Entbindung. Dadurch soll die Anwendung einer traumafokussierten Therapie in diesem Szenario f & uuml;r Psychotherapeut:innen erleichtert werden.Schl & uuml;sselw & ouml;rterPosttraumatische Belastungsst & ouml;rung, Kognitive Therapie, Fallbeschreibung, Traumatische Entbindung
Zwangsstörungen gehören mit einer Lebenszeitprävalenz von ca. 2-3% zu den häufigsten psy-chischen Störungen in der Bevölkerung. Expositionsverfahren stellen nach derzeitiger Stu-dienlage und den S3-Leitlinien das wirksamste Therapieverfahren in der Behandlung von Zwangserkrankungen dar. Trotzdem ist die leitlinienbasierte Versorgung insbesondere mit Expositionsverfahren von Zwangserkrankten besonders in der ambulanten Behandlungsreali-tät oftmals nicht gewährleistet und wird im therapeutischen Alltag nur unzureichend durchge-führt. Gründe hierfür sind der hohe Zeitaufwand und organisatorische Schwierigkeiten der Expositionsbehandlung, eine fehlende rechtliche Grundlage für die Delegation an Co-Therapeuten, die Sorge, dass Co-Therapeuten diese nicht effizient genug durchführen können und Risiken bergen könnten, die für den Patienten zu hoch sind. Erfahrungen mit Co-therapeutischen Konzepten liegen bisher hauptsächlich im stationären, kaum aber im ambulanten Bereich vor. Niedergelassene Psychotherapeuten können dabei nicht wie im stationären Kontext auf erfahrenes Pflegepersonal oder andere Co-Therapeuten zu-rückgreifen. Alternative Finanzierungsmodelle könnten eine ehrenamtliche Begleitung durch Co-Therapeuten oder geringfügige Vergütung im Falle von Psychologie-Studierenden oder PsychologInnen in Ausbildung sein. Auch Begleitung auf Basis von Soziotherapie, von Pflegeleistungen oder der Eingliederungshilfe wären denkbar. An rechtlichen Aspekten wären zu klären, ob Expositionsbehandlungen als Leistung unter den Approbationsvorbehalt fallen, welche Voraussetzungen ein Co-Therapeut erfüllen müsste und wie er angeleitet und supervidiert werden kann. Es wäre wünschenswert, dass Expositionsbehandlung in den Leistungskatalog der Soziotherapie aufgenommen würde, damit PsychotherapeutInnen sie verordnen können. Darüber hinaus sollte dafür gesorgt werden, dass Expositionsbehandlungen als delegationsfähige Leistung in den bestehenden Delegations-Vereinbarungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen wird. Es besteht die Hoffnung, dass im Falle der Delegierbarkeit der Expositionsbehandlung an Co-Therapeuten der bisherigen Unterversorgung in der Behandlung Zwangserkrankter und der Behandlungsverzögerung entgegengewirkt werden kann.
Zusammenfassung: In der vorliegenden Arbeit wird ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Unvollständigkeitserleben bei Menschen mit Zwängen gegeben. Phänomenologisch wird differenziert zwischen Nicht-genau-richtig-Erleben („not just right experiences“, NJREs) und selbstbezogenem Unvollständigkeitserleben (SU). Der Beitrag fasst zunächst die wichtigsten Erhebungsinstrumente zu NJREs zusammen. Anschließend werden Studien diskutiert, die den Zusammenhang von NJREs mit symptombasierten Subtypen, mit der Schwere der Zwänge und mit zwanghaften Persönlichkeitszügen und -störungen beleuchten. Auch auf die Differenzierung unterschiedlicher Motivationsprofile im Summerfeldt-Modell (Unvollständigkeit vs. Schadensvermeidung) wird eingegangen. Zudem wird erörtert, inwieweit NJREs störungsspezifisch für Zwänge sind und inwieweit von einer schlechteren Behandlungsprognose bei NJRE-betonten Zwängen auszugehen ist. – SU wird in den Kontext der Forschung zum Sense of Agency bei Zwangsstörungen gestellt. Klinische Überschneidungen zwischen beiden Konzepten werden herausgearbeitet.
Background: Prolonged grief disorder (PGD), which is now included in ICD-11 and DSM-5-TR, is associated with a reduced quality of life and frequent comorbidities. Specific treatment elements such as exposure to the worst memory loss have been suggested to adequately address symptoms of PGD, such as longing for or preoccupation with the deceased person. Case Report: Mr. T. sought treatment on his own initiative and presented with symptoms of PGD after the death of his mother. The individual outpatient treatment was carried out with the help of integrative cognitive behavioral therapy according to Rosner and colleagues (prolonged grief cognitive behavioral therapy) supplemented by elements of dialectical behavioral therapy according to Linehan. At the end of the 9-month treatment period, there was a complete remission of the PGD symptoms, with Mr. T. reporting that he had regained his inner contentment. Conclusions: This case report is an example of the clarity of the manual by Rosner and colleagues. The aim was to reduce potential fears of addressing this relatively new disorder and, therefore, encourage therapists to diagnose and treat PGD after losses.
Hintergrund: Die Harmonisierung von Kerndomänen ist entscheidend für vergleichbare und verwertbare Forschung zum Post-COVID-Syndrom. Gleichzeitig fehlt es bislang an einem praxisnahen, biopsychosozial ausgerichteten Instrumentarium für die klinische Versorgung. Der vorliegende Beitrag schließt diese Lücke mit einem Fokus auf psychosoziale Zielbereiche und geeignete Erhebungsinstrumente für Forschung und Praxis. Methoden: Im Rahmen eines strukturierten Konsensprozesses entwickelte das European Research Network to Improve Diagnosis, Treatment and Health Care for Patients with Persistent Somatic Symptoms (EURONET-SOMA) psychosoziale Kerndomänen sowie entsprechende Erhebungsinstrumente zur Erfassung des Post-COVID-Syndroms. Ergebnisse: Es wurden drei übergeordnete Dimensionen mit jeweils mehreren Domänen definiert. Die erste Dimension „(Klinische) Outcomes“ umfasst: (1) Klassifikation/Diagnostik des Post-COVID-Syndroms, (2) somatische Symptome (einschließlich Fatigue), (3) psychopathologischer Status und psychische Komorbiditäten, (4) körperlicher Zustand und somatische Komorbiditäten, (5) neurokognitive Symptome sowie (6) Krankheitsfolgen. Die zweite Dimension „Mechanismen“ beinhaltet: (7) kognitive, (8) affektive, (9) behaviorale und (10) soziale Komponenten sowie (11) psychobiologische Brückenmarker (z.B. neuroimmunologische und psychoneuroendokrinologische Variablen). Die dritte Dimension „Risikofaktoren“ umfasst: (12) sozioökonomische und soziokulturelle Faktoren, (13) vorbestehende Erkrankungen, (14) Persönlichkeitsmerkmale (z.B. Neurotizismus), (15) belastende Kindheitserfahrungen, (16) laufende Erwerbsminderungs- oder Rentenverfahren sowie (17) die Nutzung sozialer Medien. Schlussfolgerungen: Die genannten Kerndomänen fördern die Konsistenz biopsychosozialer Post-COVID-Forschung, während ökonomische Instrumente auch im Klinikalltag genutzt werden können.