
Die intraaortale Ballongegenpulsation (IABP) ist ein etabliertes, wenig invasives Verfahren der mechanischen Kreislaufunterstützung, dessen Stellenwert durch neuere aktive Unterstützungssysteme und die Ergebnisse randomisierter Studien neu bewertet werden musste. Darstellung der wesentlichen Neuerungen und praxisrelevanten Empfehlungen der aktualisierten S3-Leitlinie zum Einsatz der IABP in der Herzchirurgie. Die Leitliniengruppe aktualisierte die Evidenz, formulierte Schlüsselfragen zu therapeutischer und prophylaktischer Anwendung, Management sowie Differenzialindikation und bezog erstmals pflegewissenschaftliche Aspekte ein. Ergänzend wurde die aktuelle Nutzung in deutschen herzchirurgischen Zentren erhoben. Die IABP soll bei Patienten, die als Risikopatienten identifiziert werden, prophylaktisch präoperativ implantiert und zur Induktion von Pulsatilität während der extrakorporalen Zirkulation eingesetzt werden. Weitere relevante Einsatzfelder stellen mechanische Infarktkomplikationen, das postoperative Low-cardiac-output-Syndrom und das erschwerte Weaning von der extrakorporalen Zirkulation dar. Über den Einsatz im infarktbedingten kardiogenen Schock sollte im Heart-Team entschieden werden. Monitoring, Zugangsweg, Antikoagulation, Weaning und Pflege sind individuell und protokollgestützt zu gestalten. Die IABP bietet hämodynamische Unterstützung bei vergleichsweise geringer Invasivität. Ihr Nutzen hängt von Indikation, Zeitpunkt und frühzeitiger Eskalation bei unzureichendem Effekt ab.
Koronare Bypasschirurgie ist bei Frauen mit erhöhter Mortalität und Morbidität vergesellschaftet. Es stellt sich die Frage, worauf dieses höhere Risiko beruht, und ob die Pathophysiologie der koronaren Herzkrankheit (KHK) zwischen Frauen und Männern vergleichbar ist. Bei Frauen ist die klinische Manifestation der KHK heterogener, die Therapie erfolgt später im Krankheitsverlauf und Frauen sind zum Zeitpunkt der Operation älter und haben mehr Komorbiditäten. Die Operation ist durch kleinere Koronararterien erschwert, was inkomplette und nichtarterielle Revaskularisation oder Bypass-Verschlüsse zur Folge haben kann und dadurch prognoserelevant wird. Intraoperative Anämie an der Herz-Lungen-Maschine ist deutlicher ausgeprägt und hat erheblichen negativen Einfluss auf die Prognose. Zudem ist Pathophysiologie der KHK sehr verschieden und zeigt altersabhängige Unterschiede: Junge Frauen haben häufig nichtobstruktive KHK (INOCA), Koronarspasmen, mikrovaskuläre Dysfunktion oder Koronardissektionen. Postmenopausal überwiegt atherosklerotische KHK, d. h. die Pathophysiologie wird der bei Männern ähnlicher und auch Unterschiede im Outcome nivellieren sich sukzessive. Die KHK ist bei Frauen ein sehr heterogenes Krankheitsbild mit prognostischer Implikation für die Ergebnisse der operativen Therapie: Junge Frauen zeigen häufig INOCA, was zu einem relevanten Teil nicht operativ behandelt wird, aber Einfluss auf das Outcome haben kann. Dies und weitere geschlechtsspezifische Faktoren machen die schlechtere Prognose plausibel. Mit zunehmendem Alter nivellieren sich die Differenzen der Pathophysiologie und Outcome-Unterschiede werden geringer. Die Diagnose „KHK“ ist immer gleich, aber die unterschiedliche Pathophysiologie beeinflusst die Prognose maßgeblich.
Die Aortenanuluserweiterung mittels Y‑Inzision stellt eine effektive Technik zur Behandlung kleiner Aortenanuli im Rahmen des chirurgischen Aortenklappenersatzes dar. Durch eine Y‑förmige Inzision zwischen dem linken und akoronaren Sinus sowie die Implantation eines rechteckigen Patches können deutlich größere Klappenprothesen eingesetzt werden. Hierdurch lässt sich ein Prothese-Patient-Mismatch wirksam vermeiden, ohne die Geometrie des linksventrikulären Ausflusstraktes oder der Mitralklappe zu beeinträchtigen. Die Technik ist reproduzierbar, mit minimalinvasiven Zugangswegen kombinierbar und kann bei Bedarf in Eingriffe an der Aorta ascendens integriert werden. Die bisher publizierten Ergebnisse zeigen günstige frühe hämodynamische Resultate. Langfristige Daten stehen jedoch noch aus und sollen im Rahmen des multizentrischen, internationalen Y‑Care-Registers systematisch untersucht werden.
Zur Minderung der Invasivität und Beschleunigung der postoperativen Erholung können koronare Bypass-Operationen ohne Sternotomie durchgeführt werden. Chirurgische Operationsroboter ermöglichen eine videobasierte Operation über endoskopische Zugangswege. Die endoskopische Präparation der linken A. thoracica interna (Left internal thoracic artery, LITA) ist technisch anspruchsvoll und mit einer erheblichen Lernkurve assoziiert. Aufgrund der hohen Offenheitsrate der LITA im Langzeitverlauf und der damit verbundenen besseren Prognose nach Bypass-Operationen muss die Entnahme atraumatisch erfolgen. Virtuelle chirurgische Co-Piloten-Systeme könnten Chirurg:innen in der Lernphase während der endoskopischen Graft-Entnahme unterstützten und damit die Patientensicherheit weiter erhöhen. Entwicklung und Validierung eines echtzeitfähigen virtuellen chirurgischen Co-Piloten – des „LIM-AR-Systems“ –zur Vermeidung akzidentieller Graft-Verletzungen während der Präparation der LITA bei robotisch-assistierten koronararteriellen Bypass-Operationen. In dieser Pilotstudie werden stereoskopische Bilddaten von 100 Patient:innen, die sich einer robotischen Bypass-Operation unterzogen haben, analysiert. Fünfzig annotierte Fälle dienen der Entwicklung des Co-Piloten-Systems, und weitere 50 Fälle werden für die Validierung eingesetzt. Die Bilddatenverarbeitung erfolgt unter Verwendung eines speziell entwickelten Multi-Task-Deep-Learning-Modells. Entwicklung und anschließende Validierung des echtzeitfähigen „LIM-AR-Systems“. Erwartet wird ein funktionsfähiger chirurgischer Co-Pilot, der bei roboterassistierten Bypass-Operationen präemptiv vor einer akzidentiellen Verletzung der LITA warnt. Für die Entwicklung werden zwei Jahre veranschlagt.