
Der Artikel analysiert die ab Mitte der 1960er Jahre einsetzende wissenschaftliche Rezeption der Kibbutzerziehung als Reaktion auf die Ausbreitung der frühen Bindungstheorie in der Bundesrepublik. Die Kibbutzim, jene ursprünglich nach zionistischen und sozialistischen Idealen gegründeten Landwirtschaftssiedlungen, galten dem Großteil ihrer westdeutschen RezipientInnen als Nachweis der grundsätzlichen Möglichkeit einer schadlosen außerfamilialen Sozialisation. Vor dem Hintergrund bisher wenig beleuchteter Aspekte der angloamerikanischen Diskussion um Kibbutzim und frühe Bindungstheorie werden westdeutsche Spezifika ebenso wie die Einflüsse auf die Konzeption früher außerfamilialer Tagesbetreuung herausgearbeitet.
Bildungstechnologien gehen zunehmend mit Anrufungen zur (Eigen-)Verantwortung einher, die als rhetorische Befriedung für Datenschutz, Lernoptimierung und den Umgang sogenannter Künstlicher Intelligenz dienen. Im Anschluss an pädagogische, diskursethische und gouvernementalitätskritische Positionen problematisiert der Beitrag den Verantwortungsbegriff in der datafizierten Bildung: Als bildungsphilosophischer Essay entwirft der Text ein relational-ontologisches Verantwortungsverständnis. In posthumanistischer Lesart wird „response-ability“ nicht als Eigenschaft von Subjekten, sondern als Effekt sozio-materieller Assemblagen begriffen. Diese Perspektive fragt nach kollektiver Handlungsfähigkeit jenseits individueller Zurechnung und skizziert eine Pädagogik, die sich als vermittelnde Instanz in verteilten Verantwortungskonstellationen versteht.
Dieser Beitrag analysiert Entwicklungen in der Nutzung sozialer Medien durch Fachkräfte der Schulsozialarbeit im Zeitraum von 2021 bis 2025. Auf Basis quantitativer Erhebungsdaten (Nt1 = 1522'; Nt2 = 1327) zeigt sich ein signifikanter Anstieg des Anteils an Fachkräften, die soziale Medien in ihrer Arbeit einsetzen. Gleichzeitig nahm die Nutzungshäufigkeit im beruflichen Alltag deutlich ab. Besonders bemerkenswert ist der Rückgang in der Ansprache von Kindern und Jugendlichen über soziale Medien: Ein Befund, der insbesondere im Kontext lebensweltorientierter Schulsozialarbeit kritisch zu reflektieren ist. Zugleich lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass Fachkräfte zunehmend hybride Arbeitsansätze etablieren, die analoge und digitale Kommunikationsformen verbinden. Hinsichtlich der organisationalen Rahmenbedingungen zeigten sich nur geringe Veränderungen. Auffällig ist jedoch ein signifikanter Rückgang der wahrgenommenen Unterstützung durch die Träger, was auf strukturelle Herausforderungen bei der nachhaltigen Integration sozialer Medien in der schulsozialarbeiterischen Praxis hinweist.
Der Artikel untersucht digitale Bildungsdokumentation in Kindertageseinrichtungen und ihre ambivalenten Wirkungen zwischen pädagogischer Reflexion und medialer Darstellung. Digitale Plattformen verändern Arbeitsprozesse, Kommunikationsformen und professionelle Selbstverständnisse. Einerseits werden sie mit Transparenz, Effizienz und Elternbeteiligung verbunden, andererseits erzeugen sie Zeitdruck, neue Vergleichsdynamiken sowie eine stärkere Orientierung an Sichtbarkeit und Ästhetik. Pädagogische Praxis wird zunehmend durch plattformtypische Logiken wie Aktualität, Visualisierung und Darstellbarkeit geprägt. Diese Entwicklung wird hier als ‚Instagramisierung‘ beschrieben. Damit gehen ethische Spannungen in Bezug auf Datenschutz, Kinderrechte und die Grenzen legitimer Sichtbarkeit einher. Die Digitalisierung der Dokumentation erweist sich somit als tiefgreifender Strukturwandel pädagogischer Praxis mit nachhaltigen Folgen.
Der Beitrag unternimmt eine Re-Perspektivierung der Disziplinentwicklung wissenschaftlicher Pädagogik in Deutschland nach 1890 aus Sicht der Welt-System-Analyse (WSA) im Anschluss an Immanuel Wallerstein. Ermöglicht wird so ein neuer Blick auf den fortwährenden Methodenstreit zwischen empirischem und theoretischem sowie historischem und systematischem Forschungsparadigma. Dies veranschaulichend, spiegelt der Beitrag drei exemplarische Stationen der Entwicklung der Pädagogik als Wissenschaft an Wallersteins kritischer Geschichte der Sozialwissenschaften. Die damit einhergehende Markierung der Erziehungswissenschaft als Sozialwissenschaft beleuchtet die longue durée, in der die Frage nach Forschungsmethoden steht, und ermöglicht eine kritische Kontextualisierung ihrer jüngeren Methodendiskussion. Zu diskutieren ist, ob die Erziehungswissenschaft zwecks einer Überwindung ihrer Methodendualismen den von der WSA vorgeschlagenen erkenntnistheoretischen Mittelweg der ‚Historischen Sozialwissenschaft‘ einschlagen sollte.