
This article addresses the question of how organizations (co-)organize the conditions of growing up and how this (co-)organization can be ethnographically investigated. From an organizational-pedagogical and practice-theoretical perspective, it argues that organizations, as socialization arrangements for children and adolescents, negotiate and shape these conditions locally in a dynamic interplay of institutional regulations and organizational practices. To explore this interplay, the article proposes a heuristic concept that focuses on organizing as a local boundary space of trans-organizing between educational organizations as an analytical unit. Methodologically, a multi-positional ethnographic research strategy is developed, combining multi-sited ethnography, institutional ethnography, and various positions within and related to the field. Empirical examples demonstrate how this approach can be used to make co-organization visible.
The interdisciplinary project 'Schools in time of change' studies the transformation of school and teaching cultures in Germany between the 1970s and 2020s. It is based on data from the so-called 'Three-State Study' of 1978/79 by Helmut Fend (Fend b) and a follow-up survey of 2023 at the same schools with largely original questionnaires and tests. Changes in school culture (e.g. participation, achievement expectation, pedagogical orientations), teaching culture (e.g. support, structure, adaptivity) and learning outcomes are analyzed.Among the dimensions of school culture, the largest change is seen in achievement expectations, which decreased-except in the Gymnasium track. Teachers' orientation towards 'discipline and control' has increased, while their cooperation decreased. Differences between school types decreased with respect to school culture but increased with respect to academic composition and level of achievement. The results are contextualized from the perspective of the history of education.
Das fachdidaktische Wissen (FDW) zählt zu den entscheidenden professionellen Kompetenzen einer Lehrkraft. In der PISA-Begleitstudie Ceco 2022 wurde für das Fach Mathematik eine aus sechs Items bestehende Kurzskala zum FDW bei Lehrkräften implementiert. Der vorliegende Beitrag beleuchtet einerseits die Zusammenhänge des FDW mit dem Kenntnisstand und den Einstellungen von Mathematiklehrkräften gegenüber den Bildungsstandards (BiSta). Andererseits wird die Bedeutung des FDW und der BiSta-Variablen für die Gestaltung eines kognitiv aktivierenden Unterrichts untersucht. Zur Messung der kognitiven Aktivierung werden verschiedene Operationalisierungen verwirklicht. Zum einen wird dabei auf Einschätzungen von Lehrkräften sowie von Schülerinnen und Schülern zurückgegriffen und zum anderen auf diesbezügliche Kodierungen von eingesammelten Klassenarbeiten. Es zeigt sich, dass das FDW signifikant mit dem von den Schülerinnen und Schülern wahrgenommenen Niveau des mathematischen Argumentierens im Unterricht zusammenhängt, dieser Effekt aber von der Schulform moderiert wird. Einstellungen zu den Bildungsstandards hatten keine vergleichbaren Effekte.
Sowohl bei PISA-Ceco 2022 als auch bei COACTIV 2003/04 wurden das fachdidaktische Wissen von Mathematiklehrkräften sowie Aspekte der Unterrichtsqualität in PISA-Klassen gemessen. Das komplexe Transformationsgeschehen in den letzten 20 Jahren – z. B. bildungspolitisch die Einführung von Standards für Mathematikunterricht und für die Lehrkräftebildung, aber auch Aspekte wie Migration, Pandemie, Digitalisierung – motiviert ein Monitoring potentieller Änderungen in der Bildungsqualität. Im fachdidaktischen Wissen der Lehrkräfte können dabei keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Large-Scale-Studien gefunden werden. Während die kognitive Aktivierung und die Klassenführung 2004 aus Sicht der Schülerinnen und Schüler bei den COACTIV-Lehrkräften besser bewertet wurden, wird 2022 die konstruktive Unterstützung bei den PISA-Ceco-Lehrkräften signifikant höher beurteilt. Im Lichte der Replikationskrise in den Sozialwissenschaften ist es darüber hinaus eine offene Frage, inwiefern sich in der COACTIV-Studie gefundene Zusammenhänge zwischen fachdidaktischem Wissen und Unterrichtsqualitätsaspekten, aber auch damals überraschende Befunde wie die Schulartunterschiede bezüglich des fachdidaktischen Wissens zugunsten gymnasialer Lehrkräfte oder die fehlende Abhängigkeit des fachdidaktischen Wissens von der Berufserfahrung mit den Daten von PISA-Ceco replizieren lassen. Die gelungene Replikation wesentlicher Zusammenhänge aus der COACTIV-Studie auf der Basis einschlägiger Konstrukte und bewährter Instrumente ist dabei ein ermutigendes Signal, auch für die empirische Bildungsforschung im Allgemeinen.