Lebensbedrohliche Einsatzlagen stellen den Rettungsdienst in den ersten Minuten vor eine Führungs- und nicht primär vor eine Behandlungsaufgabe. Unsichere Lagebilder, fortbestehende Bedrohung und die enge Schnittstelle zur Polizei prägen das medizinische Handeln. Der Beitrag untersucht, welche Führungsprinzipien das medizinische Handeln in der Chaosphase lebensbedrohlicher Einsatzlagen tragen sollten. Narrative, leitlinienbasierte Übersicht unter Einbezug aktueller TCCC-, TECC-, TREMA- und AWMF-Empfehlungen sowie ausgewählter Literatur zu Schnittstellenmanagement, Sichtung, Kommunikation und Entscheidungsfindung. Medizinisches Führen in der Chaosphase folgt einer phasenbezogenen Priorisierung unter Bedrohung. Vorrang haben Eigenschutz, Lageorientierung, gemeinsame Raumordnung, knappe Führungsinformation und die Verzahnung mit der Polizei. Medizinische Maßnahmen bleiben zunächst auf wenige sofort wirksame Interventionen, vor allem Blutungskontrolle, einfache Atemwegssicherung und rasche Verbringung, begrenzt. Verwundetensichtung beginnt als taktische Vorsichtung und geht erst mit nachlassender Bedrohung in strukturiertere Sichtungs- und Führungsprozesse über. Typische Fehler entstehen durch individualmedizinische Behandlungslogik, unklare Freigaben, Kommunikationsabbrüche und Rollenunklarheit. Die Chaosphase verlangt lagegerechte Priorisierung statt Vollständigkeit. Gute Führung erkennt den Wechsel zwischen Bedrohungsphasen früh, ordnet Kommunikation und Schnittstellen aktiv und überführt provisorische Entscheidungen bewusst in belastbare Versorgungsstrukturen.