Die digitale Erschließung und Bereitstellung von Oral-History-Interviews eröffnet neue Perspektiven für die Sekundäranalyse qualitativer Forschungsdaten. Noch fehlen jedoch erprobte methodische Ansätze und klare Rahmenbedingungen für den Umgang mit älteren Interviewbeständen. Der Beitrag diskutiert anhand eines Fallbeispiels die Chancen und Herausforderungen einer solchen Zweitauswertung: Die Soziologin Cordia Schlegelmilch und der Historiker Clemens Villinger reflektieren gemeinsam die Nachnutzung von Interviews aus der Wurzen-Studie (1990–1996), die Villinger rund zwanzig Jahre später in seiner Forschung zur Konsumgeschichte der DDR erneut ausgewertet hat. Im Fokus steht dabei das Zusammenspiel von Primär- und Sekundärforschung. Anhand ihrer eigenen Zusammenarbeit wird aufgezeigt, wie eine enge Kommunikation zwischen ursprünglicher Datenerhebung und späterer Analyse neue Erkenntnisse, aber auch spezifische methodische Schwierigkeiten hervorbringen kann. Abschließend werden Vorschläge formuliert, wie künftige Kooperationen und Archivierungspraktiken ausgestaltet werden können, um Sekundäranalysen qualitativer Interviews besser zu unterstützen.