1. Geschichte der Wissenschaft. Encykiopildisches. Lehrbücher. Spezielle theoretische Untersuchungen. R i c h t e r , W e r n e r , Goethe und der Staat. (Kieler Vorträge. Hrsg. von Bernhard Harms. Heft 36.) Jena (Qustay Fischer) 1932. 8°. 26 SS. KM. 1.—. Die vorliegende Schrift befaßt sich vorwiegend mit Goethes persönlicher Stellung zum Staate seiner Zeit, mit seiner praktischen Tätigkeit als Minister am Weimarer Hofe, wo er das Finanzdepartement, das Bergbau weeen, den Wegebau und schließlich die Verwaltung der Jenaer Universität zu leiten hatte. Mit Recht hebt der Verfasser hervor, daß sich Goethe selbst durch seine politische Tätigkeit in seiner poetischen Schaffenskraft gehemmt fühlte, wie er uns dies am besten im „Torquato Tassou vor Augen führt, und diesem Zwiespalt zwischen Dichter und Staatsmann durch seine Flucht nach Italien ein Ende bereitete. Auch die in Goethes Werken enthaltenen politischen Ideen werden vom Verfasser in großen Zügen gestreift und gut zur Darstellung gebracht (S. 14 ff.). Goethes großes Verständnis für soziale Fragen wird wiederholt betont. Freilich dem Satze: „Nie ist Goethe ein Staatsdenker gewesen" (S. 25) müssen wir widersprechen. Wenn er auch keine politischen Schriften schrieb, so hat er doch eine gegen Revolution und Liberalismus gerichtete „systematische Staatsanschauung" besessen, die in einem gesunden, deutschen Konservativismus wurzelte, was an anderer Stelle weiter ausgeführt werden soll.