Schon w ä h r e n d de r l e t z t en J a h r e w a r in Moskau eine sehr rege, f a s t v o n M o n a t zu M o n a t wei te r sich e n t f a l t e n d e B a u t ä t i g k e i t zu beobach ten gewesen, d a n k dere r g roße Teile d ieser S t a d t auch heu t e schon ein völlig ande re s Aussehen haben , als e t w a noch vor 3 oder 4 J a h r e n . Al len tha lben w u r d e n Häuse r a u f g e s t o c k t , u in W o h n r a u m zu g e w i n n e n ; w u r d e n neue große W o h n h ä u s e r u n d Blocks von solchen — diese vor al lem an der Per ipher ie de r S t a d t — e r r i ch t e t , w u r d e n Wasse r le i tungs und Kana l i sa t ionsan lagen a u s g e b a u t , die e r s ten Tei l s t recken der h e u t e be t r i ebenen U n t e r g r u n d b a h n ange leg t , S t r a ß e n a spha l t i e r t , Ka is a u s g e m a u e r t , neue B ä u m e und Beete auf S t r a ß e n gese tz t . Bau l ichke i t en , welche dem geradezu s tü rmisch sich e n t w i c k e l n d e n F a h r v e r k e h r e auf S t r a ß e n und P lä tzen h inde rnd im Wege g e s t a n d e n h a t t e n , w u r d e n n iederge leg t ; und an die Stelle einer der H a u p t g e s c h ä f t s s t r a ß e n in der inneren S t a d t ( „ o c h o t n y r i a d " ) ist eine vo l l kommen neue S t r a ß e g e t r e t e n . W o h a l b ver fa l l ene einund zweistöckige Häuse r unrege lmäßig n e b e n e i n a n d e r g e s t a n d e n h a t t e n , s t ehen an dieser S t r a ß e n u n m e h r g l a t t e Re ihen von H o c h h ä u s e r n aus Beton und G r a n i t ; und d u r c h den A b b r u c h n u r weniger H ä u s e r und d e r bei diesen l iegenden H o f g e b ä u d e ist d o r t ein wei ter P l a t z gescha f f en worden , den an einer Seite die den G a r t e n a m K r e m l u m g e b e n d e Mauer begrenz t . Alle diese U m b a u t e n und N e u b a u t e n s ind se lbs tve r s t änd l i ch auf G r u n d von solchen P länen bewi rk t worden , die von d e m Moskauer Sowje t u n t e r Berücks ich t igung der ganzen B a u t ä t i g k e i t in de r S t a d t b e s t ä t i g t worden w a r e n . Ein ganz e inhei t l icher P lan , nach dessen in alle E inze lhe i ten gehenden B e s t i m m u n g e n n u n abe r die baul iche Umg e s t a l t u n g der ganzen G r o ß s t a d t Moskau vor sich gehen soll, ist j edoch ers t d u r c h eine V e r o r d n u n g des Sowje t s der Vo lkskommissa re der U d S S R und des Z e n t r a l k o m i t e e s der K o m m u n i s t i s c h e n Par t e i der U d S S R vom 10. Ju l i 1935 fes tge leg t w o r d e n .
1. Geschichte der Wissenschaft. Encykiopildisches. Lehrbücher. Spezielle theoretische Untersuchungen. R i c h t e r , W e r n e r , Goethe und der Staat. (Kieler Vorträge. Hrsg. von Bernhard Harms. Heft 36.) Jena (Qustay Fischer) 1932. 8°. 26 SS. KM. 1.—. Die vorliegende Schrift befaßt sich vorwiegend mit Goethes persönlicher Stellung zum Staate seiner Zeit, mit seiner praktischen Tätigkeit als Minister am Weimarer Hofe, wo er das Finanzdepartement, das Bergbau weeen, den Wegebau und schließlich die Verwaltung der Jenaer Universität zu leiten hatte. Mit Recht hebt der Verfasser hervor, daß sich Goethe selbst durch seine politische Tätigkeit in seiner poetischen Schaffenskraft gehemmt fühlte, wie er uns dies am besten im „Torquato Tassou vor Augen führt, und diesem Zwiespalt zwischen Dichter und Staatsmann durch seine Flucht nach Italien ein Ende bereitete. Auch die in Goethes Werken enthaltenen politischen Ideen werden vom Verfasser in großen Zügen gestreift und gut zur Darstellung gebracht (S. 14 ff.). Goethes großes Verständnis für soziale Fragen wird wiederholt betont. Freilich dem Satze: „Nie ist Goethe ein Staatsdenker gewesen" (S. 25) müssen wir widersprechen. Wenn er auch keine politischen Schriften schrieb, so hat er doch eine gegen Revolution und Liberalismus gerichtete „systematische Staatsanschauung" besessen, die in einem gesunden, deutschen Konservativismus wurzelte, was an anderer Stelle weiter ausgeführt werden soll.
1. Geschichte der Wissenschaft. Encykiopildisches. Lehrbücher. Spezielle theoretische Untersuchungen. R i c h t e r , W e r n e r , Goethe und der Staat. (Kieler Vorträge. Hrsg. von Bernhard Harms. Heft 36.) Jena (Qustay Fischer) 1932. 8°. 26 SS. KM. 1.—. Die vorliegende Schrift befaßt sich vorwiegend mit Goethes persönlicher Stellung zum Staate seiner Zeit, mit seiner praktischen Tätigkeit als Minister am Weimarer Hofe, wo er das Finanzdepartement, das Bergbau weeen, den Wegebau und schließlich die Verwaltung der Jenaer Universität zu leiten hatte. Mit Recht hebt der Verfasser hervor, daß sich Goethe selbst durch seine politische Tätigkeit in seiner poetischen Schaffenskraft gehemmt fühlte, wie er uns dies am besten im „Torquato Tassou vor Augen führt, und diesem Zwiespalt zwischen Dichter und Staatsmann durch seine Flucht nach Italien ein Ende bereitete. Auch die in Goethes Werken enthaltenen politischen Ideen werden vom Verfasser in großen Zügen gestreift und gut zur Darstellung gebracht (S. 14 ff.). Goethes großes Verständnis für soziale Fragen wird wiederholt betont. Freilich dem Satze: „Nie ist Goethe ein Staatsdenker gewesen" (S. 25) müssen wir widersprechen. Wenn er auch keine politischen Schriften schrieb, so hat er doch eine gegen Revolution und Liberalismus gerichtete „systematische Staatsanschauung" besessen, die in einem gesunden, deutschen Konservativismus wurzelte, was an anderer Stelle weiter ausgeführt werden soll.
1. Geschichte der Wissenschaft. Enzyklopädisches. Lehrbücher. Spezielle theoretische Untersuchungen. L o r e n z , P a u l , Höhere Mathematik für "Volkswirte und Naturwissenschaftler. Mit einem Vorwort von Präsident Professor Dr. W a g e m a n n . Leipzig (Akademische Verlagegesellschaft m. b. H.) 1929. 8°. I X u. 182 SS. RM. 11,60. Dieses verdienstvolle Buch kann allen, welche den mathematischen Fragen in der Volkswirtschaftslehre Interesse entgegenbringen und sich beim Lesen mathematisch volkswirtschaftlicher Abhandlungen unsicher fühlen, bestens empfohlen werden. Gegenüber ähnlichen "Werken, z. B. dem bekannten von N e r n s t u n d S c h ö n f l i e ß 1 ) , hat es den Vorzug, daß es die moderne empirisch-statistische Konjunkturforschung in das Bereich der Darstellung einbezieht und die Leser nicht bloß mit den Anfangsgründen der Differentialund der Integralrechnung, sondern auch mit Begriffen wie "Wirtschaftskurven, Trend, "Wahrscheinlichkeitsrechnung, Methode der kleinsten Quadrate, Korrelationsrechnung usw. vertraut macht. Ein weiterer besonderer Vorzug ist die anspruchslose, überall verständliche Darstellung. Das Gesamturteil über das Buch kann daher nur dahin lauten, daß der Verfasser seine Aufgabe, auch das deutsche Schrifttum durch ein Buch zu ergänzen, wie solche im Auslande, in England, Frankreich, Italien und Amerika bereits seit Jahren vorhanden sind, richtig gelöst hat. Es ist, wie die Erfahrung zeigt, ein schwieriges Unternehmen, gerade Anfänger mit den Grundbegriffen einer Wissenschaft auf bescheidenem Räume vertraut zu machen.
Die grundsätzlich andere Stellung, welche die Arbeiterschaft in der durch die Oktober-Revolution begründeten Kussischen Sozialistischen Föderativen Sowjet-Republik — der Rechtsvorgängerin der heutigen Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken — einnehmen sollte, kennzeichnen bereits zwei Gesetze, die fast unmittelbar nach dem Umstürze ergangen sind. Nur vier Tage nach diesem, am 11. Nov.) 1917, wurde ohne Rücksicht auf die äußerst gespannte Lage der Wirtschaft der achtstündige Arbeitstag eingeführt, und am 27. Nov. desselben Jahres wurde die Verordnung über die Kontrolle der Betriebsführung durch die Arbeiter erlassen. "War jene Bestimmung ein Ausdruck des auf die wirtschaftliche und kulturelle Hebung des Arbeiterstandes gerichteten Prinzips, so stellte diese sich als eine durch die politischen Verhältnisse gebotene außerordentliche Maßnahme dar. Diese Kontrolle durch die Arbeiter wurde in denjenigen Betrieben eingeführt, die nicht nationalisiert, sondern in der Hand ihrer Besitzer geblieben waren; und sie sollte Gewähr dafür bieten, daß die Betriebe gewissenhaft geleitet würden, und daß ihre Besitzer keine übermäßigen Gewinne aus ihnen zögen. Außerdem sollte diese Kontrolle den Arbeitern einen Einblick in die Technik des Betriebes und damit Gelegenheit geben, von den Inhabern der Betriebe zu lernen, um auf diese Weise selbst mit der Zeit zur Leitung von Betrieben befähigt zu werden ). Ueber die Wirkungen dieser Maßnahme auf die Wirtschaft dürfte sich ein abschließendes Urteil kaum fällen lassen. Fest steht allerdings, daß bis zum 1. Juni 1918 etwa 350 ursprünglich ihren Besitzern belassene Betriebe aus dem Grunde nationalisiert worden sind, weil die Prüfung der von den Kontrollkommissionen erhobenen Beschwerden erwiesen hatte, daß die Besitzer die von der Sowjet-Regierung getroffenen Anordnungen sabotierten). Daß diese Maßnahme die Produktivität der Betriebe aber iin allgemeinen gesteigert hätte, kann nicht angenommen werden. Dem Gewinne, den die Aufdeckung von Sabotageakten gewiß bedeutete, standen auf dem Verlustkonto die Reibungen gegenüber, die sich anläßlich dieser