Das in die axillären Lymphknoten metastasierte primäre Mammakarzinom hat trotz adjuvanter Polychemo-±Hormontherapie eine ungünstige Prognose. Im Krankheitsverlauf treten zumeist ossäre, pulmonale und/oder hepatische Fernmetastasen auf, bei denen selten eine chirurgische Intervention als indiziert angesehen wird. Anhand der Mammakarzinom-Patientinnen (Pat.) unserer Klinik (n = 415; 1/1989-1/1999) wurde die Inzidenz von Fernmetastasen und die Anzahl daraus resultierender chirurgischer Interventionen geprüft. Zudem sollte an je einem Fallbeispiel die Problematik der patientenorientierten Indikationsstellung und das operative Vorgehen bei metachronen ossären/hepatischen Metastasen dargestellt werden. Bei 37/415 Pat. (8,9 %) lagen zum Diagnosezeitpunkt synchrone Fernmetastasen vor (20 × ossär, 11 × pulmonal, 4 × hepatisch, 2 × ZNS). In 10 Fällen (2,4 %) wurde chirurgisch interveniert: allein 9 × erfolgten Osteosynthesen aufgrund pathologischer Frakturen und 1 × die Exstirpation einer zerebralen Metastase. Im weiteren Krankheitsverlauf (Nachbeobachtung: 6 Jahre im Median) traten bei 25 % der Pat. metachrone Metastasen (43 × ossär, 25 × pulmonal, 26 × hepatisch, 10 × ZNS) auf. Es wurden 24 Operationen (5,8 %) durchgeführt: 10 × Metastasenresektionen und Osteosynthesen, 4 × Lungenteilresektionen, 6 × Leberteilresektionen, 4 × intrakranielle Metastasenexstirpationen. Nach den Metastasenresektionen mit osteosynthetischer Versorgung wurde bei den Pat. eine Malignomfreiheit zwischen 12 und 96 Monaten (Mon.) erreicht - z. T. unter begleitender hormoneller System- ± Bisphosphonattherapie. Bei 6 hepatisch metastasierten Pat. erfolgten 1 × die alleinige Exploration bei in der Bildgebung okkulter, disseminierter Filialisierung und 5 × R0-Leberteilresektionen (3 × Segmentresektion rechter Leberlappen, 2 × Hemihepatektomie links). Die malignomfreie Zeit dieser Pat. betrug 8-52 Mon. In 1 Fall trat nach 24 Monaten Rezidivfreiheit ein intrahepatisches Rezidiv auf. Eine 2. Leberteilresektion erbrachte erneut eine Rezidivfreiheit ohne Systemtherapie über 18 Monate. Zusammenfassend stellt der Nachweis solitärer metachroner Fernmetastasen beim Mammakarzinom, abgesehen von den pathologischen Frakturen, eine relative OP-Indikation dar. Unter Berücksichtigung der therapeutischen Effizienz alternativer Behandlungsmethoden (Radiatio, Systemtherapie ± Bisphosphonate), des primären Tumorstadiums, der bisherigen Dynamik der Erkrankung und des Gesamtstatus des Pat. kann durch eine R0-Resektion ossärer/hepatischer Metastasen im Einzelfall Mammakarzinomfreiheit über mehrere Jahre erreicht werden. Die Indikationsstellung zur Metastasenresektion bleibt jedoch in Ermangelung größerer Fallzahlen individuell und ist dem in die interdisziplinäre Mammakarzinom-Therapie involvierten Chirurgen (Viszeral-/Unfallchirurgen, Orthopäden) vorbehalten.