Pareto's theory of action contains some aspects that make it seem still relevant today. For example, he made central contributions to the marginalist revolution, which on the one hand makes him appear sociologically as a father of theories of rational choice. In addition to this sociological side of his theory of rationality, however, a deeper analysis also shows that in his work we find the principle of "reasons as causes", which is much discussed in philosophy and can be understood as a general basic principle of rational actions. This principle is also found in another classic of sociology, his contemporary Max Weber. At the same time, Pareto formulated a theory of unconscious causation of action with his theory of residues and derivatives, which contains a conception of irrationality as we find it today in Donald Davidson. Based on this, it turns out that Pareto is thus also a classic of the theory of social practices.
ZusammenfassungWährend die Auswahl und Formung unserer konkreten Erkenntnisobjekte ›subjektiven Bewertungen‹ unterliegt, gilt wissenschaftliche Wahrheit ›objektiv‹ auch für diejenigen, die unsere Bewertungen und Interessen für bestimmte Erkenntnisobjekte nicht teilen – so lange sie überhaupt auf der Suche nach Wahrheit sind. Objektiv gültig sind für Weber wahre Erkenntnisse der Wissenschaft, insofern damit das reale Geschehen der Wirklichkeit richtig dargestellt wird (vgl. WL, 148). Objektivität meint also eine Beziehung der Korrespondenz zwischen Erkenntnis und Wirklichkeit (vgl. Schluchter 2009, 8).
In der deutschsprachigen Diskussion um methodologische Standards der Soziologie wird von Seiten »erklärender Soziologen« immer wieder auf das Ziel kumulativer Erkenntnis verwiesen, aber kein diesbezüglicher Ansatz angeboten. Hier soll entgegen deren typisch instrumentalistischer Position eine realistische Version kumulativer Erkenntnis in kritisch-rationaler Tradition skizziert werden. Es werden fünf Stufen der Wahrheitsannäherung inklusive handlungstheoretischer Illustration unterschieden sowie die für die verschiedenen Stufen möglichen Eigenwerte theoretischer Erkenntnis. Der spezifisch kumulative Aspekt wird über die zunehmende Beibehaltung realistisch zu interpretierender Bestandteile von Theorien modelliert. Zwei Arten besonderer empirischer Vorhersageerfolge werden als Bedingung für eine realistische Fortschrittsinterpretation angegeben.
A review of the article by Thomas Schwinn and Gert Albert is an introduction to the analogous digest following the symposium held in April, 2014, in Heidelberg in honor of the 150th anniversary of Max Weber's birthday. The representatives of a new generation of Weber-researchers are trying to present a panoramic view aimed at actualizing the ideas of the author and giving a new impulse to the study of his work. In the first part of the article, the authors trace the changes in the Weberian research tradition that occurred 50 years after the resonant Congress. The Weberian intellectual tradition at the present stage faces other challenges, the most important of which is the answer to the question whether Max Weber's sociology has sufficient potential to be a reliable theory for diagnosing and forecasting the problems of globalization and modernization, which is apart from the awareness of how modern society has emerged and is being formed. In the second part, critical annotations of reports and publications are presented. Thus, there is an explication of the thesis about the sufficient research potential of the three-part Weberian paradigm (theory, methodology, and historical analysis) for studying both the transformational processes of the present and for forecasting the development of modernity in the future, thereby encompassing a wide spectrum of actualized Weberian sociology.
DOI: http://dx.doi.org/10.5007/2175-7984.2016v15n34p43O artigo identifica uma clara e indiscutível tendência antirreducionista na sociologia weberiana que coloca em igual posição tanto o nível da ação quanto o nível da estrutura social. Com base nesse pressuposto sugere-se que um paradigma weberiano poderia ser designado como um holismo metodológico moderado. Essa posição combina uma ontologia holista restrita com o modelo explicativo macro-micro-macro. Com base nas atuais reflexões sobre emergência, distingue-se o holismo metodológico moderado de outras posições metodológicas, além de desenvolvê-lo adotando como modelo explicativo os estudos weberianos sobre a ética protestante e a tipologia da dominação. Em seguida demonstra-se que uma teoria da ação de tipo weberiano que adota o princípio “motivos como causa” possui uma orientação fundamentalmente holista que, consequentemente, não exclui da análise o nível da ordem social. Essa versão de um paradigma weberiano possui uma inclinação de base ontológica com uma sociologia de orientação histórica e empírica.
Die zentrale These des Beitrags lautet, dass Norbert Elias die Position einer „dritten Soziologie“ jenseits von Individualismus und Kollektivismus entwirft. Diese methodologische Position wird vor dem Hintergrund seiner ontologischen Auffassungen über die natürliche und soziale Welt rekonstruiert. Elias skizziert deren Aufbau von der untersten physikalischen bis zur obersten soziologischen Ebene. Auf jeder Ebene finden sich Ganze, die sich aus Teilen zusammensetzen. In der Soziologie sind Figurationen die Ganzen, die aus Menschen als ihren Teilen aufgebaut sind. Ganze der physikalisch-chemischen Wissenschaften können reduktionistisch erklärt werden, Ganze der biologischen sowie der soziologischen Wissenschaften nicht, da hier Emergenzphänomene anzutreffen sind. Elias entwickelt dabei für die Soziologie einen neuartigen Emergenzbegriff. Emergent sind hier Eigenschaften der Teile, der Menschen, die in Abhängigkeit der sozialen Ganzen, der Figurationen, auftauchen. Daraus ergeben sich schließlich gewichtige Konsequenzen für eine handlungstheoretisch ausgerichtete Soziologie. Die grundlegenden Handlungsdispositionen des Menschen wären demnach historisch variabel, da sie in den sich wandelnden Figurationen ihren Ursprung haben. Handlungstheoretische Modelle dürfen daher nicht wie im RC-Ansatz oder dem Modell der Frame-Selektion als allgemein und universal geltend aufgefasst werden, sondern müssen variiert und jeweils auf bestimmte Anwendungsbereiche hin spezifiziert werden. Elias nimmt damit insgesamt die Ideen heutiger Wissenschaftsphilosophen zur Abschwächung des Gesetzesbegriffs vorweg.
In dem Aufsatz wird der Frage nachgegangen, welche Schlussfolgerungen bezüglich makrosoziologischer Gesetze aus realistischer Perspektive gezogen werden müssen, wenn man die Existenz von Emergenz und Makrodetermination prinzipiell akzeptiert. Zunächst wird Keith Sawyers emergenztheoretischer Ansatz einer Kritik unterzogen, der für eine Suche nach makrosozialen Kausalgesetzen plädiert. Er importiert das Argument der multiplen Realisierung und wildwuchernden Disjunktion aus der Philosophie des Geistes in die Soziologie. Es zeigen sich aber verschiedene Schwachpunkte seiner Lösung: Sie würde eine umfangreiche Menge an austauschbaren Handlungsgesetzen eingeschränkter Art erfordern, deren Existenz plausibel gemacht werden müsste. Sein Argument, dass Reduktion ausschließen soll, macht gleichzeitig soziale Makrodetermination unmöglich, die er aber als wichtigen Punkt seiner Position postuliert. Diese Makrodetermination wird von Sawyer wiederum nur als strukturelle, nicht als auslösende Ursache gefasst, was zur Begründung von Makrodetermination nicht ausreicht. Schlussendlich bleibt sein Ansatz ontologisch unklar. Als Gegenposition wird eine realistische Ontologie sozialer Ganzer skizziert, die zeitgenössische Ontologie und Anthropologie miteinander verbindet. Danach bauen holistische soziale Ganze auf intentionalen Verflechtungen zwischen Akteuren auf. Alle sozialen Ganzen sind aber nur diskreter und nicht stetiger Natur. Dies lässt keine Kausalgesetze auf der makrosozialen Ebene zu. Unter Rückgriff auf ein klassisches Beispiel Peter Blaus führt ein abgewandeltes Argument multipler Realisierung aber zur Annahme der Existenz von nicht-kausalen Koexistenzgesetzen auf der Makroebene. Die Erkenntnis makrosozialer Koexistenzgesetze wäre danach ein mikrosoziologisch nicht erreichbares, eigenständiges Ziel makrosoziologischer Forschung.
Handlungstheorie: Der Rational Choice-Ansatz - Anomalien, Erweiterungen, Alternativen - Ordnungstheorie: Die Pluralitat von Modellen sozialer Ordnung und das Koordinationsproblem - Kulturtheorie: Kritik und Verteidigung des subjektivistischen Kulturbegriffs - Methodologie, Methoden, Ontologie: Ubergreifende Problemperspektiven
The paper deals with two different methodological heuristics which are connected with different theoretical approaches. Robert K. Mertons concept of theories of the middle range is given a micro-sociological turn. Methodologically, one can differentiate between a search for action theories of the middle range and for action theories of universal range. Since it's recently getting more difficult to see the rational choice theory as a universally valid theory there is the question what conies after: action theories with the pretension of universal validity or middle range theories of action? In this respect five action theories are analysed. Thereafter it is asked for reasons to choose between both options, from an emergentist and an reductionist point of view. From both views one can only recommend a search for middle range theories of action.
Existiert die Bundesrepublik Deutschland? Arbeite ich wirklich an der Universität Heidelberg? Bin ich mit meiner Frau verheiratet und besteht unsere Ehe? Dem gängigen Verständnis der heutigen Soziologie zufolge darf ich diese Fragen nicht vorbehaltlos bejahen, sondern muss meine Antwort in Anführungsstriche setzen. Ansonsten würde ich mich eines soziologischen Fehlers schuldig machen, des Fehlers der Verdinglichung oder Reifizierung des Sozialen. Mit diesen Ausdrücken verbinden sich verschiedene Vorstellungen; die hier gemeinte bedeutet die „falsche Vorstellung“, soziale Gebilde wären dinghafte Objekte und nicht etwa auflösbar in soziale Prozesse und Ereignisse und damit letztlich nur Fiktionen handelnder Akteure.
From its beginning the history of Sociology is a history of controversies. The first special issue of the Kolner Zeitschrift on "Sociological Theory" rakes up this fertile form of the controversy and comprises fourteen controversies and four contributions in form of the traditional article. The introduction is concerned with a brief sociology of sociological controversies. Following Thomas Luckmann, controversies are considered as a communicative genre. A scientific controversy may he understood as a written clash of scientific claims of knowledge in public for their critical examination. It is a rather symmetrical form of implementation of the norm of organised scepticism as one can find it in Robert Merton's sociology of science. Scientific controversies are the most adequate expression of the collective enterprise of science, as, to speak with Simmel, their content is determining their form. Empirical research shows increasing institutionalisation of the form of controversy. Subsequently the four blocks of the special edition are presented. The first block deals with rational choice theory, its anomalies, extensions and alternatives. The second block discusses problems of social order and coordination, the third one questions of subjective and objective culture. The fourth block deals with overall perspectives on problems of anthropology, methodology and ontology.
Max Weber (1863-1920) ist einer der bis heute einflussreichsten Gründerväter der Soziologie. Teile seines umfassenden Werkes haben in viele historisch jüngere Forschungsprogramme Eingang gefunden: in den Strukturfunktionalismus von Talcott Parsons und Robert K. Merton, in das Programm der Theorie der rationalen Wahl, wie es von Raymond Boudon oder James Coleman vertreten wird, in das der phänomenologischen Soziologie von Alfred Schütz, Peter Berger, Thomas Luckmann und deren Nachfolgern wie auch in Hartmut Essers Theorie der Frame-Selektion. Neben dieser Übernahme Weberscher Theorieteile in andere Forschungsprogramme gibt es aber verschiedene Vertreter einer Weberianischen Soziologie, deren Ziel die direkte Weiterentwicklung soziologischer Theorie im Weberschen Geist ist. Wolfgang Schluchters Systematisierung und Weiterentwicklung des Weberschen Forschungsprogrammes stellt das wohl umfassendste und auch international wirkungsvollste Beispiel dieses Forschungsunternehmens dar (vgl. insbesondere Schluchter 1981; 1989; 2005; 2006; 2007; Schluchter/Roth 1979). Den Begriff des Weber-Paradigmas selbst prägte M. Rainer Lepsius, der als Vertreter einer historisch-empirisch ausgerichteten Weberianischen Soziologie mittlerer Reichweite verstanden werden kann (vgl. Albert 2008a; Lepsius 1990; 1993; 2003). Weber-Paradigma meint dabei Weberianisches Forschungsprogramm, wobei der Paradigma-Begriff – entliehen von Robert K. Merton und nicht von Thomas Kuhn – ohne relativistische Konnotationen gebraucht wird
Die Entstehung der So ziologie ist mit einem schweren Geburtsfehler verbunden gewesen: der positivistischen Metaphysikkritik.2 Die Geschichte der Soziologie ist bis heute durchzogen von einem anti-metaphysischen Reflex.3 Dieser Reflex verhinderte, dass die metaphysischen Grundlagen der Soziologie — und damit meine ich vor allem deren ontologische Grundlagen — systematisch untersucht wurden. Hinsichtlich dieser metaphysikkritischen Grundhaltung kann man wohl von einer halbwegs parallelen Entwicklung in der Soziologie und der Philosophie ausgehen.