Ein wässriger Extrakt von Schalen der Indischen Waschnuss (Sapindus mukorossi) hat in Gewächshausversuchen an Blättern von Vitis vinifera (L.) eine gute Wirksamkeit gegenüber Guignardia bidwellii (Erreger der Schwarzfäule an Weinreben) und Plasmopara viticola (Erreger des Falschen Rebmehltaus) gezeigt. Diese Wirkung bestätigte sich bezüglich G. bidwellii grundsätzlich auch an Beeren im Freiland. Im Falle zeitnah vor der Inokulation durchgeführter Applikationen wurden hohe Wirkungsgrade im Bereich der beiden Vergleichswirkstoffe aus dem ökologischen Weinbau (Netzschwefel) bzw. integrierten Rebschutz (Metiram) erzielt (75 bis 90%). Die Wirkungsdauer ist jedoch begrenzt. Im Freilandversuch mit siebentägigem Applikationsintervall betrug der Wirkungsgrad des Waschnuss-Extraktes rund 50%. Entgegen den Ergebnissen aus dem Gewächshaus konnte ein Wirkungspotential gegenüber dem Falschen Rebmehltau im Freilandversuch – zumindest bei geringem Befallsdruck (Versuchsjahr 2008) – nicht nachgewiesen werden.
308 Mitt. Julius Kühn-Institut 417, 2008 Szenarien für Guignardia bidwellii bei unterschiedlichen Temperaturen simuliert. Unter Berücksichtigung der Entwicklung des Erregers bei steigenden Temperaturen wurden mit Hilfe von CLIMEX® neue Etablierungsgebiete in Europa ausfindig gemacht. Dabei decken die Karten ein Temperaturspektrum von den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts bis zu einem simulierten Temperaturanstieg von 5 °C über der heutigen Durchschnittstemperatur ab, was einer vorhergesagten Temperatur im Jahre 2050 entsprechen könnte. Es ist ein deutlicher Trend bei der Ausbreitung des Erregers zu erkennen. Das Etablierungsrisiko bewegt sich vom Süden Europas in nordöstlicher Richtung, dabei wird im Mittelmeerraum das Befallsrisiko geringer. Gründe dafür sind stressauslösende Faktoren wie lang anhaltende Hitze und Trockenheit.
Mit dem Forschungsprojekt „Strategien zur Regulation der Schwarzfaule im okologischen Weinbau“ sollte ein Konzept fur die Pravention und Regulation der Schwarzfaule (Guignardia bidwellii) im okologischen Weinbau entwickelt werden. Das grose Schadenspotential dieser Krankheit wurde bei Ausbruchen der Krankheit seit Mitte der 2000er Jahre in mehreren deutschen Weinbaugebieten deutlich. Das Forschungsprojekt verfolgte das Ziel, Informationen und Methoden zu erarbeiten und zu prufen, die es dem okologischen Weinbau ermoglichen, gravierende wirtschaftliche Schaden durch die Schwarzfaule zu vermeiden und die Produkti-onssicherheit in den Befallsgebieten zu gewahrleisten. Dazu kooperierten Verbundpartner aus funf Instituten mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten. Ein enger Kontakt zur Praxis des okologischen Weinbaus war durch den Anbauverband ECOVIN als weiterer Verbundpartner gewahrleistet, der unter anderem Versuchsflachen zur Verfugung stellte. Das Gesamtprojekt umfasste drei miteinander eng verzahnte Aufgabengebiete: Die Erforschung der Biologie des Schwarzfaule-Erregers sowie die Abschatzung seines Infektionspotentials und des Befallsrisikos; die Untersuchung des Beitrags, den Bewirtschaftungsmasnahmen und „pilzwiderstandsfahige“ Rebsorten zur Befallspravention bzw. zur Schadensminimierung leis-ten konnen; und die Identifikation wirksamer Agenzien, die im okologischen Weinbau verwendet werden konnen sowie die Erprobung solcher Praparate unter Freilandbedingungen.Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden grundlegende Daten zur Biologie und Epide-miologie des Schwarzfaule-Erregers und seiner Interaktionen mit Reben erarbeitet. So wurde der Infektionsprozess auf Rebblattern eingehend untersucht und beschrieben. Der Zusammenhang zwischen den Witterungsbedingungen und dem Infektionsprozess an Vitis vinifera wurde eingehend analysiert und die Anfalligkeit der Trauben in Abhangigkeit von ihrem Entwicklungsstadium untersucht. Studien der Fruchtkorperentwicklung an unterschiedlich exponierten Traubenmumien sowie zur Sporenbildung und -verbreitung in Zusammenhang mit Witterungsparametern ermoglichten Einblicke in die Verbreitungsstrategie des Pilzes und seine Anpassung an die Phanologie seiner Wirtspflanze. Die Ergebnisse dieses Projektteils bieten eine zuverlassige Grundlage fur die Entwicklung von Systemen zur Befallsprognose und zur Entscheidungshilfe fur Pflanzenschutzmasnahmen.Wahrend alle gepruften traditionellen Rebsorten hoch anfallig fur die Schwarzfaule waren, konnten die untersuchten „pilzwiderstandsfahigen“ Sorten nach ihrer Anfalligkeit differenziert werden. Neben hoch anfalligen Sorten waren mehrere Piwi als weniger empfindlich einzustufen. Die Sorten Cabernet Carol, Merzling und Solaris wiesen nur eine geringe Anfalligkeit fur die Schwarzfaule auf. Durch die Applikation von Gesteinsmehl konnte zwar die Anfalligkeit der traditionellen Rebsorte Muller-Thurgau verringert werden, bei den bereits weniger krankheitsanfalligen Piwi liesen sich in dieser Hinsicht keine eindeutigen Effekte beobachten. Bei den in Hinblick auf die Schwarzfaule-Anfalligkeit als intermediar bzw. gering anfallig einge-stuften Piwi-Sorten Helios und Solaris waren die Sporenkeimung und die Appressorienbildung im Vergleich zur Rebsorte Riesling reduziert, wahrend die Bildung von Hyphennetzen weitgehend bzw. vollstandig unterblieb. Freilandversuche, in denen Trauben verschiedener Piwi-Sorten in einer Versuchsanlage kunstlich inokuliert wurden, bestatigten weitgehend die in Gewachshausversuchen gewonnenen Ergebnisse.In Zusammenarbeit mit Praxisbetrieben wurde untersucht, inwieweit durch Bewirtschaftungsmasnahmen das Infektionsrisiko in Ertragsanlagen gesenkt werden kann. Behandlungen des Rebholzes mit Schwefelkalk vor dem Austrieb erwiesen sich als unwirksam. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass nicht nur Traubenmumien, sondern auch befallenes Rebholz und am Drahtrahmen verbleibende Ranken das Risiko von Primarinfektionen am Reblaub erhohen. Durch sorgfaltiges Entfernen dieses befallenen Materials kann somit das Infektionsrisiko gesenkt werden. Traubentrester kann ohne Bedenken in die Rebanlagen verbracht werden, sofern er vorher sorgfaltig kompostiert wurde. Von der Schwarzfaule befallene Rebblatter sind wichtige Infektionsquellen fur die Trauben. Durch das Entfernen dieses Materials kann das Infektionsrisiko fur die Trauben gesenkt werden. Diese Arbeit lasst sich mit den ubrigen Laubarbeiten kombinieren und wird in der Praxis bereits erfolgreich und verbreitet angewandt. Ob die abgesammelten Blatter aus den Rebflachen entfernt werden mussen, konnte nicht abschliesend beurteilt werden. Es wurden 33 Bakterien- und 18 Pilzisolate hinsichtlich ihrer Wirkung gegen die Schwarzfaule untersucht, von denen die funf bzw. zehn Isolate, welche die beste Wirkung gezeigt hatten, an Topfreben auf ihre Wirksamkeit uberpruft wurden. Mit Ausnahme des Bacillus subtilis-Praparats ‚Serenade‘ zeigten Mikroorganisen keine befriedigende Wirkung. Unter den Pflanzenextrakten waren die saponinhaltigen Extrakte aus Primelwurzel und Efeu am wirksamsten. Auch kommerzielle saponinhaltige Produkte und das Biofungizid ‚Vegard‘ waren an Topfreben gut wirksam. Daher wurden Wirkmechanismus und Wirkungsspektrum des Primelwurzel-Extrakts stellvertretend fur die saponinhaltigen Praparate genauer untersucht. Dieses Praparat hemmte nicht nur das Pilzwachstum in-vitro sondern auch sehr stark die Sporenkeimung auf den Blattern von Topfreben. Versuche zur Optimierung der Wirkung des Primelwurzel-Extrakts in Hinblick auf seine Wirksicherheit im Freiland zeigten, dass UV-Licht keinen negativen Einfluss ausubt, seine gute Wasserloslichkeit aber ein Problem darstellt, dass auch durch Zusatz verschiedener Netz- und Haftmittel noch nicht gelost werden konnte. In Labor- und Gewachshausversuchen wurde die Wirksamkeit von Pflanzenstarkungs- und Pflanzenschutzmitteln gepruft, die fur die Anwendung im okologischen Weinbau geeignet waren. Unter Gewachshausbedingungen wurde mit Netzschwefel die beste Wirkung erzielt. Eine vergleichbare Wirksamkeit mit Wirkungsgraden uber 90 % zeigten auch in diesen Versuchen Pflanzeninhaltsstoffe aus der Gruppe der Saponine. Eine mittlere Wirkung wiesen kupferhaltige Praparate, weitere Pflanzenextrakte, Gesteinsmehle, verschiedene Netzmittel und das Pflanzenstarkungsmittel Frutogard auf, das neben einer protektiven auch eine leichte kurative Wirkung hatte. Keimungsversuche an Blattscheiben ergaben, dass die meisten Praparate nicht die Sporenkeimung sondern die Appressorienbildung beeinflussten.Die Wirksamkeit von Agenzien, die sich in den Gewachshausversuchen als wirksam gegen die Schwarzfaule erwiesen hatten, wurde in Freilandversuchen unter Praxisbedingungen bei hohem Infektionsdruck gepruft. Daruber hinaus wurden Kombinationen von Praparaten sowie fur den okologischen Weinbau geeignete Spritzfolgen erprobt, bei denen die verwendeten Praparate abhangig vom witterungs- und entwicklungsbedingten Infektionsrisiko variiert wurden. Unter den einzeln angewandten Praparaten hatte Netzschwefel stets die beste Wirkung, die durch Kombination mit dem Pflanzenstarkungsmittel Frutogard, mit Gesteinsmehl sowie mit dem saponinhaltigen Waschnusspulver weiter gesteigert werden konnte. Diese Kombinationen konnten unter Bedingungen niedrigen Infektionsdrucks einen ausreichenden Schutz vor Schwarzfaulebefall bieten. Die saponinhaltigen Pflanzenextrakte, z.B. Wasch-nusspulver, erreichten im Freiland nicht die aus Gewachshausversuchen bekannte gute Wirkung. Dafur ist offenbar die geringe Regenfestigkeit verantwortlich, die auch durch Zusatz von Netzmitteln nicht verbessert werden konnte. Die beste und mit einem als Vergleichsmittel angewandten organischen Fungizid vergleichbare Wirkung wurde durch die Kombination des Netzschwefels mit Kupferhydroxid erzielt; auch bei reduzierten Aufwandmengen an Kupfer von 1,2 kg/ha Reinkupfer. Wurde in Phasen geringeren Infektionsrisikos das Kupfer in der Mischung durch Gesteinsmehl ersetzt, liesen sich gute Wirkungsgrade auch mit einer Gesamtmenge von 0,8 kg/ha Reinkupfer erzielen. Die Versuchsapplikationen wurden praxisublich in wochentlichen Abstanden durchgefuhrt. Unter diesen Bedingungen wurden in den meisten Versuchsvarianten die Raubmilbenpopulationen geschadigt. Schaden durch Milben wurden jedoch nicht beobachtet.Derzeit stellt im okologischen Weinbau die Kombination aus Netzschwefel und Kupferhydroxid bei reduziertem Kupferaufwand die beste Bekampfungsmoglichkeit fur die Schwarzfaule dar. Je nach den Witterungsbedingungen und dem Entwicklungsstand der Reben kann das Kupfer jedoch in Phasen mit geringerem Infektionsrisiko durch Gesteinsmehl ersetzt und der Kupferaufwand weiter gesenkt werden. Sowohl in-vitro als auch in Gewachshausversuchen wurde eine sehr gute Wirkung saponinhaltiger Pflanzenextrakte gegen den Schwarzfaule-Erreger beobachtet. In Zukunft konnten diese Praparate eine Perspektive fur die Schwarzfaulebekampfung ohne Kupfer bieten, sofern das Problem der Regenfestigkeit durch geeignete Formulierung gelost werden kann.