Fragestellung: Aus Neuroimaging-Studien ist bekannt, dass periphere Schmerzreize bei Fibromyalgie (FM) eine Sensibilisierung der Schmerzneuromatrix fördern und zur Entstehung einer chronischen Schmerzverarbeitungsstörung beitragen. Ferner ist bekannt, dass die Ausprägung depressiver Symptome bzw. katastrophisierender Gedanken bei appliziertem Schmerz bei FM-Patientinnen zu einer verstärkten neuronalen Aktivierung der anterioren Insula und Amygdala bzw. des ACC, SII Cortex und des inferioren parietalen Lobulus führen. Ungeklärt ist bisher, ob auch visuell miterlebter Schmerz bei FM eine verstärkte Aktivierung der Schmerzneuromatrix bewirkt. Methode: In einer fMRI-Studie wurden 10 FM-Patientinnen und 10 gesunden Probandinnen standardisierte Bilder von schmerzhaften und nicht schmerzhaften Alltagssituationen im Blockdesign gezeigt. Ergebnisse: Im Gruppenvergleich zeigten die FM-Patientinnen im Kontrast “Schmerz > kein Schmerz“ gegenüber den gesunden Probandinnen verstärkte Aktivierungen in den affektverarbeitenden und für die somatosensorisch-diskriminativen Funktionen zuständigen Hirnarealen der Schmerzneuromatrix. Diskussion: Die Studienergebnisse sprechen dafür, dass emphatisch miterlebter Schmerz ähnlich wie periphere Schmerzreize zu einer Sensibilisierung der Schmerzneuromatrix führt und damit zu einer Chronifizierung der Fibromyalgie beiträgt.
Einleitung: Essstörungen betreffen meist junge Frauen. Sie sind multifaktoriell bedingt und gehen mit neurobiologischen Veränderungen einher. In der zerebralen Bildgebung lassen sich bei der Bulimia nervosa (BN) und Anorexia nervosa (AN) sowohl strukturelle als auch funktionelle Veränderungen nachweisen: Mittels funktioneller Kernspintomographie (fMRT) wiesen Uher et al (2004) bei Präsentation von Essen eine verstärkte BOLD-Antwort in frontalen Hirnregionen (medialer präfrontaler und anteriorer zingulärer Kortex) bei beiden Krankheitsbildern nach. In struktureller Hinsicht gibt es Hinweise für atrophische Veränderungen bei der BN (Krieg at al, 1989).
Einleitung: Erkrankungen aus dem Bereich der Essstörungen betreffen 1–4% der jungen Frauen. Die Verläufe sind häufig durch Chronizität und soziale Beeinträchtigung gekennzeichnet. Es wird postuliert, dass Symptome wie Untergewicht und charakteristische Denkmuster, z.B. Angst vor Gewichtszunahme, bei Patienten mit Essstörungen in Zusammenhang mit Veränderungen neuronaler Netzwerke und deren Funktionsweise stehen. Bisherige Untersuchungen mittels fMRT zeigten veränderte Aktivierungsmuster im Frontalhirn (med. präfrontaler Kortex, ant. cingulärer Kortex) bei Darbietung von visuellen Nahrungsreizen. Nach unserer Kenntnis findet sich bisher keine Längsschnittuntersuchung bei Essstörungen. Studien zu Angst- und Zwangsstörungen konnten neuronale Veränderungen unter Psychotherapie bzw. im Symptomverlauf zeigen. Das Ziel dieser Pilot-Studie ist es, mögliche Veränderungen der Aktivierungsmuster bei essgestörten Patientinnen nach visueller Stimulation mit Nahrungsreizen im Verlauf zu erheben. Methodik: Es wurden 7 Patientinnen mit Essstörungen und 7 gesunde Kontrollprobandinnen mittels fMRT untersucht. Die 1. Messung der Patientinnen wurde zu Beginn eines intensiven Behandlungsprozesses durchgeführt, die 2. Messung folgte nach 3 Monaten. Den Studienteilnehmerinnen wurden 3 Stunden nach der letzten Mahlzeit visuelle Stimuli in Form von Nahrungsmittelaufnahmen auf Tellern und Bilder von Haushaltsgegenständen auf neutralem Untergrund im Block-Design dargeboten. Symptomveränderungen bei den Patientinnen während der Behandlung wurden über Veränderungen von Gewicht und Schlankheitsdruck (Anorexie) bzw. Anzahl der Essanfälle und die Skala ‘Bulimie’ des EDI–2 (Bulimie) erfasst. Ergebnisse: Es handelt sich um eine erste explorative Analyse der fMRT-Daten einer Verlaufsuntersuchung bei essgestörten Patientinnen. Eine Untersuchung von Kontrollprobandinnen im Verlauf ermöglicht eine Berücksichtigung von Wiederholungseffekten. Die Abschlussauswertung wird Ende Februar 2007 vorliegen.