Dieser Übersichtsartikel der Medizinischen Universität Innsbruck behandelt den rationalen Einsatz von Antibiotika in der orthopädischen Chirurgie, von der perioperativen Prophylaxe bis zur Therapie manifester Infektionen. Die perioperative Antibiotikaprophylaxe folgt 4 Grundprinzipien: richtige Substanz, richtiges Timing (30–60 min vor Hautschnitt), adäquate Dosierung und kurze Dauer. Cefazolin gilt als Mittel der Wahl; die historisch angenommene 10
In der Gelenkchirurgie stellt das Clinical Outcome Assessment (COA) über den gesamten Behandlungsverlauf sicher, dass chirurgische Eingriffe evidenzbasiert geplant, durchgeführt und nachbehandelt werden. Die zentralen Säulen der modernen klinischen Ergebnismessung umfassen Patient-Reported Outcome Measures (PROMs), Clinician-Reported Outcomes (ClinROs), denen auch radiologische Outcome-Parameter zugerechnet werden sowie Performance-based Outcomes (PerfOs). Gütekriterien der klinischen Erfassungsinstrumente und etablierte Relevanzschwellen (MCID, PASS) werden als Fundament für Anwendung und Interpretation von COA in dieser Übersichtsarbeit erläutert. Während generische und gelenkspezifische Patient-Related Outcome Measures (PROMs; z. B. EQ-5D, KOOS, FJS-12) die patientenzentrierte Lebensqualität abbilden, unterliegen sie methodischen Limitationen wie dem Response Shift, einem ausgeprägten Placebo-Effekt oder Deckeneffekten. Zum Ausgleich gewinnen objektive Verfahren – von instrumentierter (iPerfO) bis zu digitaler (dPerfO) Wearable-Technologie – an Bedeutung, um biomechanische Funktionen unverzerrt zu quantifizieren. Die valide Interpretation dieser Ergebnisse erfordert jedoch zwingend eine statistische Risk-Adjustierung unter Berücksichtigung präoperativer Ausgangswerte sowie medizinischer und psychosozialer Confounder. Ein methodisch stringentes Vorgehen ist heute essenziell, um die chirurgische Qualität und den wahren Behandlungserfolg verlässlich zu evaluieren.
Zusammenfassung Überlastungssyndrome am Kniegelenk sind eines der häufigsten Beschwerdebilder im Sport überhaupt. Es kann aber auch den Nichtsporttreibenden betreffen. In der Regel ist die Ursache muskulär bedingt, kann ihren Ursprung aber auch vom Knorpel oder der Gelenkkapsel haben. Zudem gilt es, andere Krankheitsbilder abzugrenzen. Zur Erstellung einer korrekten Diagnose ist eine detaillierte Untersuchung unumgänglich. Die alleinige Abklärung nur mittels Magnetresonanztomographie (MRT) reicht oft nicht aus, wenn der klinische Befund ungenügend erhoben wurde. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Erkrankungen sowie deren Entstehung und Therapie dargestellt.
Overuse syndromes of the knee are one of the most common complaints in sport injuries. It also can affect people not involved in sports. The cause is mostly muscular but can also involve damage to the joint capsule and cartilage. Additionally, other diseases have to be excluded. A detailed examination is imperative to make a correct diagnosis. A clarification with magnetic resonance imaging (MRI) alone is often inadequate when the clinical results are insufficiently documented. This article presents the most important diseases as well as their development and treatment.
ZusammenfassungIn Zeiten der zunehmenden Technisierung und Digitalisierung hat die Bedeutung der translationalen Medizin zugenommen. Eine erfolgreiche Translation von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung ist ein kostspieliger und zeitaufwendiger Prozess, der von vielen Faktoren abhängt. Negative Beispiele aus der Vergangenheit (Thalidomid, Metall-Metall-Paarungen bei der Hüftendoprothetik) zeigen, dass eine Translation auch Risiken für die Patienten birgt. In den letzten Jahren wurden strengere Auflagen für die Herstellung und Zulassung von Medizinprodukten eingeführt, um die Patientensicherheit gewährleisten zu können. Die autologe Chondrozytentransplantation (ACT) ist ein Beispiel für eine gelungene Translation. Auf präklinische experimentelle Tierstudien folgten klinische Patientenstudien mit einer Marktzulassung und Implementation in den klinischen Alltag. Die Wirksamkeit allein ist nicht entscheidend, ob dieses Produkt auf dem Markt zugelassen wird. Zwischen der Grundlagenwissenschaft und der Bereitschaft des Markts, in die Weiterentwicklung und Kommerzialisierung eines Produkts zu investieren, ist eine erhebliche Hürde, die auch Tal des Todes genannt wird. Nur wenn diese Hürde überwunden wird, kommt es letztendlich zur Marktzulassung und zum klinischen Einsatz. Das Minced-cartilage-Verfahren zur Behandlung von fokalen Knorpelschäden hat kürzlich diese Hürde genommen und den Translationsprozess abgeschlossen. Aktuell liegen lediglich Kurzzeitergebnisse vor; frühzeitige Anwender verwenden diese Technik bereits, obwohl noch keine randomisierten Studien und mittelfristige Ergebnisse vorliegen. Weitere Studien werden zeigen, ob sich ein klinischer Nutzen abzeichnet und das Produkt am Markt bleibt.
In times of increasing technicization and digitalization, the importance of translational medicine has increased. A successful translation from basic research to the clinical application is a costly and time-consuming process that depends on many factors. Negative examples from the past (thalidomide, metal-on-metal bearings in hip arthroplasty) show that translation also entails risks for the patient. In recent years, stricter requirements for the manufacture and approval of medical devices have been introduced to ensure patient safety. Autologous chondrocyte transplantation (ACT) is an example of successful translation. Preclinical experimental animal studies were followed by clinical patient studies with market approval and implementation in the routine clinical practice. The effectiveness of a product is not the only decisive factor in whether a product is approved for the market. Between the basic science and the willingness of the market to invest in the further development and commercialization of a product is a significant hurdle, which is also called the Valley of Death. The product will ultimately be approved for the market and used clinically only if this hurdle is overcome. The minced cartilage procedure for the treatment of focal cartilage defects recently passed this hurdle and completed the translation process. Only short-term results are currently available and early users are already using this technique although randomized studies and medium-term results are not yet available. Further studies will show whether a clinical benefit emerges and the product stays on the market.
Bernhard Waibl · Peter Angele · Wolfgang Hackl · Michael T. Hirschmann · Stefan Nehrer · Amir Steinitz · Johannes Zellner · Philipp Niemeyer · Felix Dyrna 1 Praxis Cartilage Care, Bern, Schweiz; 2 UniversitätsklinikumRegensburg, Regensburg, Deutschland; 3 Sporthopaedicum, Regensburg, Deutschland; 4 Universitätsklinik für Orthopädie, Innsbruck, Österreich; 5 Kantonsspital Baselland, Bruderholz, Schweiz; 6 Universität für WeiterbildungKrems, Krems a. d. Donau, Österreich; 7 Crossklinik, Basel, Schweiz; 8 Klinik für Orthopädie und Unfallchirugie, Universitätsklinikum Freiburg, Freiburg, Deutschland; 9 Gelenkzentrum-Rose, Leipzig, Deutschland
Zusammenfassung Hintergrund Die primäre synoviale Chondromatose (SC) ist eine seltene Erkrankung der Synovialmembran unklarer Ätiologie. Der aktuelle Wissensstand zu dieser Erkrankung soll in einer kurzen Übersicht dargestellt werden. Methoden Übersichtsarbeiten und rezente Fallberichte zur SC wurden systematisch ausgewertet und mit Daten eigener Fälle in Kontext gesetzt. Ergebnisse Auf Grund neuer genomischer Daten wird die SC als benigne Neoplasie eingestuft. In 60 % der Fälle liegen Mutationen im Fibronektin-1-Gen (FN1) und/oder im Gen für den Activin-A-Typ-II-Rezeptor (ACVR2A) vor. Diagnoseweisend ist die Magnetresonanztomographie (MRT) und die meist arthroskopische Biopsie der Synovia. An einem Fallbeispiel soll gezeigt werden, dass die Knorpelaggregate der SC radiologisch nicht immer schattengebend sein müssen. Differenzialdiagnostisch kommen Monarthritiden anderer Ursachen, andere Gelenk- und Muskelerkrankungen mit Mineralisierung sowie weitere von der Synovialmembran ausgehende Erkrankungen in Betracht. Die Entartungsrate liegt bei 2–4 %. Therapeutisch hat sich in den letzten Jahren das arthroskopische Vorgehen durchgesetzt, das an die Ausdehnung der Erkrankung adaptiert wird. Schlussfolgerung Genomische Untersuchungen sowie Fallserien und Fallberichte aus jüngerer Zeit werfen ein neues Licht auf die SC. Therapeutisch wird in jüngeren Arbeiten überwiegend arthroskopisch vorgegangen.
Zusammenfassung Ziel In diesem Beitrag wird evaluiert, ob die radiologischen Diagnosekriterien ausreichen, um die Diagnose einer pigmentierten villonodulären Synovitis (PVNS) anhand eines Magnetresonanztomographie(MRT)-Befunds sicher stellen zu können und daraus eine Operationsindikation abzuleiten. Hierzu wurde überprüft, inwieweit die radiologische Diagnose mit dem histopathologischen Befund übereinstimmte. Methoden In einer retrospektiven Datenanalyse wurden 52 Patienten mit PVNS (22 männlich, 30 weiblich, mittleres Alter: 38 Jahre), die sich zwischen 1991 und 2019 einem operativen Eingriff unterzogen hatten, analysiert. Einschlusskriterien waren ein positiver MRT-Befund mit Hinweis auf Hämosiderin und anschließende Synovektomie sowie eine entsprechend dokumentierte histopathologische Aufarbeitung. Ergebnisse In 71 % der Fälle stimmten der MRT-Befund und das histologische Ergebnis überein, was jedoch darauf hindeutet, dass nach der radikalen Synovektomie in etwa 29 % der Fälle histologisch keine PVNS nachgewiesen werden konnte. Das Kniegelenk stellte sich als das am häufigsten betroffene Gelenk dar, gefolgt von Hüft- und Sprunggelenk. Diskussion Die PVNS tritt meist bei jungen Erwachsen auf. Frauen waren im eigenen Kollektiv etwas häufiger betroffen als Männer. In der aktuellen Literatur findet man keinen etablierten Algorithmus zur Behandlung einer PVNS. Im Zweifelsfall sollte unbedingt eine histologische Diagnosesicherung mittels arthroskopischer oder offener Biopsiegewinnung der radikalen Synovektomie vorgeschaltet werden. Schlussfolgerung Aufgrund der Invasivität der radikalen Synovektomie ist die präoperative Biopsie eine weitere Möglichkeit zur Diagnosesicherung und sollte im Zweifelsfall unbedingt eingesetzt werden. Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Radiologen und Tumorradiologen ist hierbei essenziell.
Zusammenfassung Humanes Spendergewebe stellt einen integralen Bestandteil der Versorgung von muskuloskeletalen Erkrankungen des Menschen dar, wie beispielsweise die Rekonstruktion von Bandverletzungen, ausgedehnten osteochondralen Defekten oder ossären Defektaufbauten. Hierbei kommen verschiedene Gewebearten, Knochen, Sehnen, Bänder, Knorpel in zellfreier und vitaler zellbasierter Darreichungsform zur Anwendung. In vielen Ländern der Welt haben sich diese Verfahren als Standardtherapie in der rekonstruktiven arthroskopischen Chirurgie etabliert. In deutschsprachigen europäischen Ländern ist deren Anwendung jedoch limitiert, da hier Rechtsvorschriften existieren, die der Sicherheit des Patienten dienen, den Einsatz dieser Gewebe allerdings teilweise erschweren. Dieser Beitrag soll einen Überblick über die aktuellen Anforderungen und Voraussetzungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz geben sowie dem Kliniker eine Anleitung für die aktuellen Möglichkeiten der rechtskonformen Nutzung von humanem Spendergewebe zu therapeutischen Zwecken bieten.
Beim Knochenmarködem handelt es sich um ein relativ junges Krankheitsbild, das nach wie vor nicht vollständig geklärt ist. Symptomatisch wird es durch Schmerzen aufgrund der Reizung neurovaskulärer Strukturen. Der Entstehung eines Knochenödems können ischämische, mechanisch-traumatische oder reaktive Ursachen zugrundeliegen. Das bildgebende Verfahren der Wahl für die Diagnostik ist die Magnetresonanztomographie (MRT). Meist kommt die T2-Gewichtung zum Einsatz, da es hierbei zu einer hyperintensen Erscheinung gegenüber der Umgebung kommt. Da die histologischen Befunde nicht einheitlich sind und sich das Knochenmarködem nur schwer definieren lässt, sollte der Bezeichnung „bone marrow edema-like lesion“ Vorzug gegeben werden.