Aufgrund des Zusammenhangs zwischen einem stetig wachsenden Anteil altersbedingt Pflegebedürftiger und dem wachsenden Druck auf das institutionalisierte Setting des Versorgungs- und Pflegesystems, wird seit einigen Jahren die Etablierung innovativer und neuartiger Versorgungskonzepte gefordert. Zugleich wird als eine wichtige Lösung der prekären Pflegesituation der Einsatz von Technologien in regionalen und quartiersbezogenen Versorgungsnetzwerken eingefordert. Offen ist allerdings noch weitestgehend, wie und auf welche Weise technische Möglichkeiten im Zusammenspiel mit Versorgungsnetzwerken zielgerichtet eingesetzt werden können und welche Technologien zur Netzwerkbildung und/oder zur Pflege bereits eingesetzt werden und wie diese von den jeweiligen Nutzern bewertet werden. Diese Frage wurde in einem interdisziplinär ausgelegten Forschungsprojekt mit Blick auf die alternde Gesellschaft und die Verbreitung von Demenz als wachsende globale Probleme empirisch untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Umsetzung von assistiver Technologie innerhalb dieser Netzwerke in der Praxis hinter den Erwartungen und Empfehlungen der Politik zurückbleibt. Eine erfolgreiche und nachhaltige Implementierung von assistiver Technologie in Versorgungsnetzwerken scheint noch in weiter Ferne, diese könnte jedoch wichtige Funktionen übernehmen. Hier – und das machen die Ergebnisse auch deutlich – fehlt es jedoch an sozio-technischen Visionen komplexer Pflegenetzwerke.
Der intensiv diskutierte Begriff Transformation bezeichnet den umfassenden Umbau gesellschaftlicher Strukturen, um gesellschaftliche Herausforderungen durch tiefgreifende Veranderungen der Energie-, Verkehrs-, Produktions- und Agrarsysteme zu adressieren. Da solch komplexe Transformationen stets mit Unsicherheiten uber Effekte und Folgen einhergehen, setzen sich die Beitrage kritisch mit den Chancen und Risiken dieser Prozesse auseinander und diskutieren Moglichkeiten und Grenzen der Technikfolgenabschatzung im Kontext gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Der Band versammelt die wissenschaftlichen Beitrage der 8. internationalen Konferenz des Netzwerks Technikfolgenabschatzung, die vom 7. bis 8. November 2018 in Karlsruhe stattfand. Mit Beitragen von Fabian Adelt, Marius Albiez, Annika Arnold, Walaa Bashary, Anja Bauer, Richard Beecroft, Alexander Bogner, Stefan Boschen, Tanja Bratan, Simone Colombo, Michael Decker, Rico Defila, Antonietta Di Giulio, Marion Dreyer, Elisabeth Ehrensperger, Philipp Ellett, Lorenz Erdmann, Ali Abdelshafy Ezzat, Erik Fisher, Michael Friedewald, Livia Fritz, Daniela Fuchs, Maryegli Fuss, Armin Grunwald, Niklas Gudowsky, Kristin Hagen, Simeon Hassemer, Alexandra Hausstein, Nils B. Heyen, Diego Ivan Hidalgo Rodriguez, Peter Hocke, Florian Hoffmann, Sebastian Hoffmann, Michael Jonas, Dorothee Keppler, Jeanette Klink-Lehmann, Hannah Kosow, Cordula Kropp, Sophie Kuppler, Bastian Lange, Wolfgang Liebert, Ralf Lindner, Stephan Lingner, Andreas Losch, Maria Maia, Martin Nicholas, Melanie Mbah, Franziska Meinherz, Rolf Meyer, Johanna Myrzik, Lisa Nabitz, Linda Nierling, Oliver Parodi, Witold-Roger Poganietz, Carmen Priefer, Filippo Reale, Ernst Dieter Rossmann, Andre Schaffrin, Dirk Scheer, Constanze Scherz, Jan Cornelius Schmidt, Maike Schmidt, Flurina Schneider, Andreas Seebacher, Astrid Segert, Mahshid Sotoudeh, Helge Torgersen, Ulrich Ufer, Karsten Weber, Matthias Weber und Johannes Weyer.
The intensively discussed term transformation refers to the comprehensive restructuring of processes and behaviour in order to address societal challenges posed by far-reaching changes in energy, transport, production and agricultural systems. Since such complex transformations are always accompanied by uncertainties about their effects and consequences, the contributions in this volume critically examine the opportunities and risks involved in these processes and discuss the possibilities and limits of technology assessment in the context of societal transformations. The volume brings together the academic contributions to the 8th international conference of the Technology Assessment Network, which took place in Karlsruhe from 7th to 8th November 2018. With contributions by Fabian Adelt, Marius Albiez, Annika Arnold, Walaa Bashary, Anja Bauer, Richard Beecroft, Alexander Bogner, Stefan Böschen, Tanja Bratan, Simone Colombo, Michael Decker, Rico Defila, Antonietta Di Giulio, Marion Dreyer, Elisabeth Ehrensperger, Philipp Ellett, Lorenz Erdmann, Ali Abdelshafy Ezzat, Erik Fisher, Michael Friedewald, Livia Fritz, Daniela Fuchs, Maryegli Fuss, Armin Grunwald, Niklas Gudowsky, Kristin Hagen, Simeon Hassemer, Alexandra Hausstein, Nils B. Heyen, Diego Iván Hidalgo Rodriguez, Peter Hocke, Florian Hoffmann, Sebastian Hoffmann, Michael Jonas, Dorothee Keppler, Jeanette Klink-Lehmann, Hannah Kosow, Cordula Kropp, Sophie Kuppler, Bastian Lange, Wolfgang Liebert, Ralf Lindner, Stephan Lingner, Andreas Lösch, Maria Maia, Martin Nicholas, Melanie Mbah, Franziska Meinherz, Rolf Meyer, Johanna Myrzik, Lisa Nabitz, Linda Nierling, Oliver Parodi, Witold-Roger Poganietz, Carmen Priefer, Filippo Reale, Ernst Dieter Rossmann, André Schaffrin, Dirk Scheer, Constanze Scherz, Jan Cornelius Schmidt, Maike Schmidt, Flurina Schneider, Andreas Seebacher, Astrid Segert, Mahshid Sotoudeh, Helge Torgersen, Ulrich Ufer, Karsten Weber, Matthias Weber and Johannes Weyer.
Infolge des demografischen Wandels kommt es zu einer steigenden Anzahl älterer, pflegebedürftiger Menschen, die den Wunsch haben, so lange wie möglich im eigenen Wohnumfeld zu leben. Der Etablierung eines umfassenden, vernetzten Unterstützungssystems zur Optimierung der professionellen, ambulanten Pflegepraxis sowie zur Stärkung von Sorgestrukturen im Sinne eines Hilfe-Mix, in dem informelle Akteure mit einbezogen werden, kommt eine immer stärkere Bedeutung zu. In diesem Beitrag werden Ergebnisse eines explorativen Forschungsprojekts vorgestellt, in dem primär untersucht wurde, welche Unterstützungsnetzwerke in urbanen Regionen in Baden-Württemberg identifiziert werden können. Mithilfe eines speziellen Suchpfads im Bereich der ambulanten Versorgung älterer, pflegebedürftiger Menschen konnten sehr unterschiedliche Strukturen in den Regionen Mannheim und Karlsruhe lokalisiert werden. Die Ergebnisse einer qualitativen Inhaltsanalyse leitfadengestützter Befragungen zeigen, dass teilweise ein unkoordiniertes Nebeneinander sehr unterschiedlicher Akteure innerhalb der identifizierten netzwerkähnlichen Strukturen erkennbar war. Insbesondere blieb mehrheitlich offen bzw. war nicht eindeutig, wer die notwendige Steuerungs- bzw. Koordinierungsverantwortung der Vernetzung professioneller und informeller Akteure in den Unterstützungssystemen übernimmt. Die Ergebnisse weisen dementsprechend darauf hin, dass der Ausbau der Pflege- bzw. Sorgeinfrastruktur in Form wohnortnaher, vernetzter Unterstützungssysteme nicht nur in ländlichen, sondern auch urbanen Regionen bislang unzureichend umgesetzt wird. Die Autoren heben hervor, dass insbesondere Maßnahmen einer sektoren- und professionsübergreifenden, kommunalen Steuerung von Pflege- und Sorgestrukturen stärker in den Bereich der Versorgungsforschung sowie in gesellschaftlichen und politischen Diskursen in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken müssen.
Die Rede von „technischen Assistenten“ in vielseitigen Arbeits- und Lebensbereichen hat derzeit Konjunktur in wissenschaftlichen und offentlichen Debatten uber Visionen zukunftiger Pflegesettings Von einem wirkungsvollen Einsatz dieser Technologien aber nicht gesprochen werden. Vor diesen Problemstellungen schlagen die Autoren den Ansatz der bedarfsorientierten Technikentwicklung vor, der in der vorgelegten Studie exemplarisch an der Pflege von Menschen mit Demenz entwickelt wird. Technical assistants in many fields of work and life are currently gaining attention in scientific and public debates with regard to visions of future care settings. However, it can not be stated that these technologies are used effectively. Against these problems, the authors propose the approach of demand-oriented technology development, which is exemplarily shown in the submitted study on the care of people with dementia. Umfang: VII, 158 S. Preis: €39.00 | £36.00 | $69.00
Anticipation of the future use of innovative technologies and of their respective societal impact is at the core of technology assessment and responsible research and innovation. Stakeholder and user involvement is often thought to be important for broadening the design and specification of technology before its use; meanwhile, demand analysis is typically used to determine which type of already developed technology is best suited to adequately meet a particular societal demand. Thus, we ask whether the process of demand analysis can be used to enable stakeholders and users to envision and assess future technologies. This question will be answered regarding assistive technologies for people with dementia by focusing on the respective care-giving arrangement, an area where up to now no or only low-level technologies have been in use. The demands of these people for support are typically expressed in nontechnical terms. We find that the involvement of technology developers helped these participants to begin imagining more specific potential technical solutions and to assess them with respect to their future desirability.
Which topics is technology assessment concerned with? And when? In response to this question, David Collingridge has pointed out a dilemma between using such research at relatively early or later points in time: In the first case, one does not have enough knowledge although the scope for influencing events is still large, while in the second case knowledge for evaluating an issue is available, yet the process of technical development is already so advanced that the space for options to influence events is distinctly limited. This dilemma continues to exist but technology assessment (TA) has responded methodologically to the different challenges and in particular has developed a tool set for assessing what is called the new and emerging technologies (NEST). In this paper I will present criteria with which we can answer the question whether TA should concern itself with an emerging technology. Finally, I will derive some consequences from these criteria as to if and how TA should deal with epigenetics.
This paper moves from the idea that the term Corporate Social Responsibility (CSR) refers to an “umbrella” concept entailing a diversified set of practices through which a company aims to meet the expectations of a broad range of stakeholders. This concept implies that there is a need for companies to disentangle the complex relationships among their social obligations and to define CSR strategies that are actually effective and efficient. Therefore, this paper aims to identify the dimensions along which CSR is evolving and the pressures that can explain companies' positioning in relationship to these dimensions in order to provide managers and academics with a comprehensive framework. Grounded on an institutional perspective and specifically on the concept of institutional logics, a framework of the contextual factors that influence companies' choices with respect to CSR strategies is developed. The proposed framework is then used to analyse the case of a multinational energy company that has significantly redefined its CSR strategy over time, thus tracing the influence of different institutional pressures. The case analysis illuminated three main types of responses to tensions emerging between different pressures: focusing on one prevailing logic; hybridizing practices to balance contrasting logics; and decoupling initiatives to answer ‘in parallel’ to different pressures. Therefore, the paper contributes to the CSR literature investigating the relevance of the concept of institutional logics for the topic and can also support managers in shaping CSR strategy.
In welchem Verhältnis stehen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit? In diesem Text soll die Rolle von Beteiligung in Technikkommunikation am Beispiel eines großformatigen Beteiligungsprozesses näher betrachtet werden. Es wird beschrieben, in welchem Kontext ein solcher Dialog, getragen vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), entstehen konnte und welche Spannungen während des Prozesses aufgetreten sind. Darüber hinaus werden einige Schlussfolgerungen für Technikkommunikation gezogen, die für zukünftige Beteiligungsbemühungen wichtig sind. Dies scheint vor dem Hintergrund der zunehmenden Forderung nach Mitbestimmung besonders relevant.
Since the beginning of robotics, the substitution of human labor has been one of the crucial issues. The focus is on the economic perspective, asking how robotics affects the labor market, and on changes in the work processes of human workers. While there are already some lessons learnt from industrial robotics, the area of service robots has been analyzed to a much lesser extent. First insights into these aspects are of utmost relevance to technology assessment providing policy advice. As conclusions for service robots in general cannot be drawn, we identify criteria for the ex-ante evaluation of service robots in concrete application areas.
Erste assistive Technologien für Menschen mit Demenz wurden bereits entwickelt und sind auch schon am Markt erhältlich. Von einem flächendeckenden Einsatz dieser Technologien kann aber nicht gesprochen werden. Vor dem Hintergrund der offensichtlich vorhandenen gesellschaftlichen Bedarfslage – Demenz gilt als eine der gesellschaftlichen Herausforderungen in Zusammenhang mit dem demografischen Wandel – liegt der Verdacht nahe, dass diese frühen technischen Entwicklungen die Nachfrage des Marktes noch nicht ausreichend gut adressieren. Hier kann eine bedarfsorientierte Technikentwicklung mit der Analyse des räumlichen, sozialen und funktionalen Handlungskontextes und der Identifikation der Anforderungen und Wünsche der Akteure im Pflegearrangement ansetzen. Das heißt, bevor technische Festlegungen getroffen werden, wird erhoben, welche Bedarfe an Unterstützung im Arrangement bestehen. Lassen sich zur Befriedigung dieser Bedarfe technische Assistenzsysteme identifizieren, die im Pflegearrangement für akzeptabel erachtet werden, dann beginnt ein anschließender Technikentwicklungsprozess bereits mit diesem Akzeptabilitäts-Vorschuss. Auch eine den Technikentwicklungsprozess begleitende Technikfolgenforschung profitiert von dieser bedarfsorientierten Vorgehensweise, wie anhand eines Fallbeispiels aus dem Pflegezusammenhang für Menschen mit Demenz dargestellt wird.