Context: Health reporting is a cornerstone of policy advice. Primarily health reporting refers to status quo, but can also proceed towards (i) forecasts of future trends, and (ii) exploring policy options including the consequences of specific policy measures („what – if“). Currently, there are tendencies to transcend the usual health reporting/status quo approaches and to advance health reporting by both forecasts and what-if analyses. Methods and Materials: In a dedicated „comparative“ workshop, different relevant approaches, models, and tools that have been, or are being developed internationally for this purpose were introduced. Based on selected criteria the approaches were compared by way of synopsis. Results: The following modelling approaches were included in the comparative workshop: PREVENT, DYNAMO-HIA, INTARESE/HEIMTSA, Impact Calculation Tool (ICT), MicMac (i.e. 5 models from Europe), and California Health Forecasting tool (USA). These models originated from different contexts, and are in different stages of completion. Some of them are pure „shells“ for calculating effects on health by risk factor (e.g. smoking, obesity, environmental factors) using user's own (national or regional) data, whereas others incorporate data sets from registries, surveys, or individual data for microsimulations. Advantages of quantifying approaches include the comparability of health impacts under varying policy options, provision of a common metric for preventive and treatment results. Disadvantages include lack of comprehensive data. Open questions, e.g., refer to acceptance as well as complexity and interaction of the relevant health, treatment, environmental, and social dimensions. Conclusions: Current efforts to improve the empirical basis for policy-making are supported by a host of quantitative modelling approaches. Up to now, the application of such models for policy-making has been rather limited. Nevertheless, the approach carries the potential of significantly supporting the practice of policy-making. Additional instruments to include questions of equity, participation, and integration are needed.
Hintergrund: Politiken, Pläne und Programme aller Politikbereiche können indirekte und direkte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben. Um solche Auswirkungen abzuschätzen, werden im Rahmen des EU-weiten Projektes RAPID (Risk Assessment from Policy to Impact Dimension) an ausgewählten Fallstudien Health Impact Assessments (HIA) durchgeführt. Ziel ist es, klassische Methoden und Modelle der Risikoanalyse für den Einsatz in HIA weiterzuentwickeln. Berichtet wird über die HIA-Fallstudie zum NRW-Wohnraumförderungsprogramm (WoFP) 2010 (MBV NRW, 2010). Material und Methoden: Mittels einer Dokumentenanalyse zu Hintergrund, Zielen, Zielgruppen und vorgesehenen Maßnahmen des WoFP und eines Workshops mit Gesundheitsexperten wurde ein Kausalnetz entworfen, welches potenzielle Wirkzusammenhänge samt Gesundheitsdeterminanten und Risikofaktoren sowie relevante Gesundheitsendpunkte darstellt. Mit einem Literaturreview wird die Evidenz zu den identifizierten Gesundheitsendpunkten und Risikofaktoren sowie zu Expositions-Wirkungsbeziehungen ermittelt, um dann die Wirkungsketten qualitativ und soweit möglich auch quantitativ zu analysieren. Ergebnisse: Ein wichtiger Aspekt des WoFP ist die Förderung barrierefreier Wohnräume. Das entwickelte Kausalnetz enthält mehr als 15 einzelne Wirkungsketten, zum Beispiel folgende: Reduzierung der Barrieren im Wohnraum (=distaler Risikofaktor) reduziert die Anzahl von Stürzen (=proximaler Risikofaktor) älterer Menschen mit der Folge seltenerer Frakturen (=Gesundheitsendpunkt) und auch selteneren daraus resultierenden Todesfällen (=Gesundheitsendpunkt). Weitere Wirkungsketten auf Grundlage der Ziele im WoFP sind die Schaffung bzw. der Erhalt von Zugangsmöglichkeiten zu Einkaufs- und Versorgungseinrichtungen des täglichen Bedarfs und damit verbundene selbständigere Lebensführung. Hierdurch wird die Lebensqualität erhöht bzw. bleibt erhalten. Gleiches gilt für soziale Strukturen, die einer sozialen Isolation entgegenwirken und damit das Auftreten z.B. von Depressionen vermindern können. Diskussion: Für zahlreiche Kausalketten kann der Wirkungszusammenhang zumindest qualitativ mit Evidenz belegt werden. Für einige Kausalketten, z.B. hinsichtlich der Stürze und Frakturen, liegt genügend Evidenz vor, um auch quantitative Schätzungen zu ermöglichen. Neben der Folgenabschätzung stellt sich dann auch die Aufgabe, die Abschätzungsergebnisse in geeigneter Weise an verschiedene Zielgruppen zu kommunizieren. MBV NRW (2010): Wohnraumförderungsprogramm 2010 (WoFP 2010). http://www.mbv.nrw.de/Service/Downloads/Wohnen/F__rderung/1-WoFP_2010.pdf
Hintergrund: Die Bestimmung der umweltbedingten Krankheitslast (engl. Environmental Burden of Disease, EBD) erfährt als Entscheidungsgrundlage in Politik und Gesundheitsforschung international wachsende Aufmerksamkeit. EBD-Studien erlauben eine vergleichende Beschreibung des Ausmaßes der gesundheitlichen Auswirkungen, die einem oder mehreren umweltbedingten Risikofaktoren zuzuschreiben sind. Sie können prognostisch eingesetzt werden, um durch Prävention erreichbare Verbesserungen der gesundheitlichen Lage abzuschätzen. Das Projekt VegAS untersucht die EBD für ausgewählte Umweltrisikofaktoren mit hoher gesundheitlicher Bedeutung. Im Fokus steht die Nutzbarkeit der für Deutschland verfügbaren Daten und die Abbildung der Variation der EBD innerhalb der Bevölkerung. Material und Methoden: Die Auswirkungen von umweltbezogenen Risikofaktoren werden auf Grundlage ausgewählter Expositions-Wirkungs-Funktionen (EWFs) geschätzt und als Disability Adjusted Life Years (DALY=Summenmaß aus verlorenen Lebensjahren durch erkrankungsbedingt eingeschränkte Lebensqualität oder vorzeitigen Tod) quantifiziert. Die Berechnung der DALYs basiert auf nationalen Daten zur umweltbedingten Exposition sowie zum Morbiditäts- bzw. zum Mortalitätsgeschehen. Unsicherheiten in den Expositionsszenarien, den Modellen und Parametern werden beschrieben. Ergebnisse: Als relevante Umweltrisikofaktoren wurden Feinstaub, Ozon und Benzol in der Atemluft, Lärm, Passivrauch sowie Cadmium identifiziert. Nach Durchsicht von über 750 aktuellen Literaturquellen inklusive Reviews können für über 35 Gesundheitsendpunkte EWFs beschrieben werden. Survey-Daten zur Expositionsschätzung sowie Sekundärdaten zur Morbidität und Mortalität werden einbezogen. Hierbei wurden Datenlücken, beispielsweise hinsichtlich gruppenspezifischer Expositionsverteilungen oder Prävalenz/Inzidenz, identifiziert. Schlussfolgerungen: Erste Analysen des VegAS-Projekts demonstrieren, dass in Deutschland umfangreiche, für EBD-Berechnungen prinzipiell geeignete Daten zur Verfügung stehen. Neben weiteren umweltepidemiologischen Untersuchungen könnten insbesondere Sekundärdaten, z.B. von Krankenversicherungen, die Qualität deutscher EBD-Schätzungen weiter erhöhen. In weiteren Analysen werden die Unsicherheiten zu dem erreichten Wissensstand hinsichtlich der prognostizierten Auswirkungen von Umweltrisiken beschrieben. Dieses Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.