Hintergrund: Multiresistente Erreger, insbesondere die multiresistenten gramnegativen Erreger sind eine zunehmende Bedrohung im Gesundheitswesen. Es liegen liegen nur wenige Publikationen zur MRSA- und nahezu keine Daten zur ESBL-Prävalenz im außer(akut)klinischen Bereich in Deutschland vor. Vor diesem Hintergrund führte das MRE-Netz Rhein-Main verschiedene Untersuchungen im außer(akut)klinischen Bereich (Rehabilitationskliniken, Altenpflegeheime, ambulante Dialyse und ambulante Pflege) durch. Material und Methode: Von 2012 – 2014 wurden Patienten von ambulanten Dialyseeinrichtungen (n = 751 Patienten), ambulanten Pflegediensten (n = 486) und von Rehabilitationskliniken (n = 2852) sowie Bewohner von Altenpflegeheimen (n = 3284) untersucht. Erhoben wurden u.a. Risikofaktoren für MRE, die Krankenhaus-, Antibiotika- und MRE-Anamnese. Nach individueller Einverständniserklärung wurden Nasen/Rachen-Abstriche sowie Analabstriche auf MRSA- und auf ESBL/MRGN untersucht. Ergebnisse: Eine MRSA-Besiedelung wiesen 6,5 – 9,2% der Altenpflegeheimbewohner, 3,7% der Patienten ambulante Pflegedienste, 2,1% der Dialysepatienten und 0,7 – 1,8% der Rehabilitanden auf. Die weitaus meisten Besiedelungen waren zuvor nicht bekannt. Mit ESBL (3MRGN in Klammern) waren besiedelt: 17,8 – 26,7% (12,3 – 21,3%) der Altenpflegeheimbewohner, 14,4% (7,6%) der Patienten ambulante Pflegedienste, 7,5% (3,8%) der Dialysepatienten und 7,7 – 8,9% (1,4 – 3,6%) der Rehabilitanden. Schlussfolgerung: Zum ersten Mal liegen umfangreiche Daten nicht nur zur MRSA- sondern insbesondere ESBL/MRGN-Prävalenz im außer(akut)klinischen Bereich in Deutschland vor. Die höchsten MRSA- und ESBL/MRGN-Prävalenzen werden in der stationären Altenpflege gefunden, gefolgt von ambulanten Pflegeeinrichtungen. Patienten ambulanter Dialyseeinrichtungen und in Rehabilitationskliniken waren demgegenüber deutlich seltener MRSA-positiv und ihre ESBL-Prävalenz lag nur geringfügig über dem Anteil in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings war in allen untersuchten Gruppen der Anteil an 3MRGN unter den ESBL deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung, wahrscheinlich als Folge vorangegangener medizinischer Behandlungen und/oder Antibiotikagaben.
Nosokomiale Infektionen und multiresistente Bakterien sind eine Bedrohung für die Gesundheit älterer Menschen in Altenpflegeheimen. Unsere Studie hatte das Ziel, nicht nur nosokomiale Infektionen und den Antibiotikagebrauch bei Altenpflegeheimbewohnern zu untersuchen, sondern gleichzeitig die Prävalenz an multiresistenten Erregern zu erheben.
Hintergrund: Nach der erfolgreichen Durchführung der europaweiten Untersuchung HALT (healthcare associated infections in long-term care facilities) im Jahre 2010 wurde in Frankfurt am Main eine Pilotstudie HALT plus MRE durchgeführt, die die HALT-Erhebung mit freiwilligen Untersuchungen der Bewohner auf methicillinresistente Staphylococcus aueus-Stämme MRSA, Vancomycinresistente Enterokokken VRE und Enterobakterien mit erweiterter b-Laktamresistenz bzw. multiresistente gramnegative Stäbchenbakterien ESBL/MRGN kombinierte, um zusätzlich einen Überblick über die Prävalenz an Besiedelungen/Infektionen mit diesen multiresistenten Erregern (MRE) zu erhalten. Material und Methoden: Die Pilotstudie wurde im September 2012 in 8 Frankfurter Altenpflegeheimen bei 880 Bewohnern durchgeführt. Die anamnestischen Erhebungen wurden mittels der etablierten HALT-Fragebogen vorgenommen. Nach individueller Einwilligung wurden bei 184 Bewohnern zusätzlich Nasen-, Rachen- sowie Analabstriche entnommen und mittels standardisierter Methoden auf methicillinresistenten Staphylococcus ausreus MRSA (Nase, Rachen, anal) und multiresistente gramnegative Stäbchen MRGN (anal) untersucht. Ergebnisse: 47% der Bewohner waren über 85 Jahre alt, 30% waren männlich, 11,4% hatten einen Harnwegskatheter, 70% eine Harn- oder Stuhlinkontinenz. Am Tag der Punktprävalenz-Erhebung hatten 2,5% der Bewohner eine Infektion und 1,5% wurden antibiotisch behandelt. 9,2% der Untersuchten waren MRSA-positiv, 26,7% wiesen ESBL und 2,7% VRE im Analabstrich auf. Schlussfolgerung: Die Prävalenz an Infektionen und Antibiotikatherapie war vergleichbar mit den HALT-Erhebungen in Deutschland 2010; erstmals wurden sehr hohe ESBL/3MRGN-Raten bei Altenpflegeheimbewohnern in Deutschland festgestellt. 4MRGN bzw. carbapenemresistente Erreger wurden nicht gefunden. Weitere Studien sollten vorgenommen werden, um Trends zu untersuchen, möglichst unter Einbeziehung molekularbiologischer Methoden.
Residents of long-term care facilities (LTCF) are at risk of healthcare associated infections (HAI) and are often treated with antibiotics. In Germany a current HAI prevalence of 1.6 % and antibiotic use in 1.15 % have been reported. However, data published on the current prevalence of multidrug-resistant organisms (MRDO) in LTCFs in Germany are scarce. Therefore, the prevalence of HAI, antibiotic use and presence of MDROs were investigated in LTCF residents in Frankfurt am Main, Germany. A point prevalence study of HAI and antibiotic use according to the European HALT protocol (health care associated infections in long-term care facilities) was carried out; swabs from the nose, throat and perineum were analyzed for methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA), extended spectrum beta-lactamase producing enterobacteria (ESBL) and vancomycin-resistant enterococci (VRE). A total of 880 residents in 8 LTCFs were enrolled in the study in 2012. The study participants were 30 % male, 46.7 % were more than 85 years old, 70 % exhibitied urinary or fecal incontinence, 11.4 % had an indwelling urinary catheter and 0.1 % a vascular catheter. Prevalence rates of HAI and of antibiotic use were 2.5 % and 1.5 %, respectively. The prevalence of MDROs in 184 residents who agreed to being tested for MDROs was 9.2 % MRSA, 26.7 % ESBL and 2.7 % VRE. The HAIs and antibiotic use were comparable to the German HALT data from 2010. Compared to other German studies there is a steadily increasing MRSA problem in German LTCFs. High and increasing ESBL rates have been detected in German LTCFs. Further studies are needed to confirm this trend, preferably encompassing molecular methods to study epidemiology.