Am 7.7.2005 fanden in London vier terroristische Bombenattentate auf U-Bahnen statt. 56 Menschen starben, mehr als 700 wurden verletzt. Die Studie verfolgt das Ziel, die psychologischen Konsequenzen dieser Attentate bei den in London zur Rettung von Verletzten eingesetzten Notärzten und Rettungsassistenten zu untersuchen.
Hintergrund: Die psychische Verarbeitung und die Konsequenzen eines professionellen Einsatzes bei terroristischen Anschlägen für medizinische und paramedizinische Helfer sind bislang nur unzureichend untersucht. Material und Methoden: 14 Notärzte und 5 Rettungsassistenten wurden im Durchschnitt 14 Tage nach den Londoner Terroranschlägen am 7. Juli 2005 telefonisch interviewt. Die Interviews wurden mittels Gottschalk-Gleser-Sprachinhaltsanalyse zur Messung von Affekten ausgewertet. Bewältigungsverhalten wurde mittels Fragebogen erfasst. Ergebnisse: Bei je etwa 50% zeigte sich eine erhöhte psychische Beanspruchung durch Affekte, die eine erhöhte Angst, eine beeinträchtige Lebensqualität und eingeschränkte Sozialbeziehungen anzeigen. Problemorientiertes Coping wurde häufiger eingesetzt als emotionsorientiertes Coping. Keine Zusammenhänge bestanden zwischen dem Bewältigungsverhalten und den Affektmaßen der psychischen Beeinträchtigung. Schlussfolgerung: Einsätze bei Terroranschlägen stellen auch erfahrene Notärzte und Rettungsassistenten vor besondere Herausforderungen. Günstige Formen des Umgangs mit diesen Belastungen sollten künftig identifiziert werden.
In der vorliegenden Arbeit werden Reaktionen von 20 Notärzten nach über 260 Reanimationen bzw. Todesfeststellungen in einer retrospektiven Fragebogenstudie durch die Erfassung der Emotionen sowie der Kommunikation der Ärzte beschrieben.
Zusammenfassung 76 Ärzte eines Notarztwagensystems wurden mittels eines modifizierten Gottschalk-Gleser-Interviews untersucht. Dabei wurden Scores für Angst, Hoffnung und Aggression von Ärzten in ihrem Bericht über die Durchführung präklinischer Wiederbelebungen erfaßt und mit den Werten einer Normalbevölkerungsstichprobe verglichen. Ärzte wiesen signifikant höhere Werte für Angst- und Aggressionssummenscores auf als die Vergleichsstichprobe. Einzelscores für Todes-, Trennungs- und Schamangst waren signifikant höher, für Verletzungsangst und diffuse Angst niedriger als in der Normalbevölkerung. Die Schuldangst unterschied sich nicht. Die Ergebnisse für offen nach außen gerichtete Aggressivität waren gleich, die für nach außen verdeckte und nach innen gerichtete Aggressivität waren signifikant höher als in der Normalbevölkerung. Bei der ambivalenten Aggressivität zeigte sich kein Unterschied. Scores der Ärzte für positive Hoffnung waren signifikant niedriger, diejenigen für negative Hoffnung unterschieden sich nicht von der Normalbevölkerung. Im Vergleich zur Normalbevölkerung ergaben sich insgesamt drei Hinweise auf Hindernisse für Ärzte, mit Angst, Hoffnung und Aggressivität in Reanimationssituationen angemessen umzugehen: Ärzte scheinen sich weniger mit Verletzungs-, diffuser- sowie Schuldangst auseinanderzusetzen. Der Umgang mit Aggressionen offenbart Mechanismen der Verdrängung, Projektion und Wendung gegen das Selbst. Gegenüber der Normalbevölkerung scheinen Ärzte nicht intensiver über die mit ihrer Tätigkeit verbundene Hoffnungslosigkeit zu sprechen.