
Irreparable posterosuperiore Rotatorenmanschettenrupturen können zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Schulterfunktion mit Verlust von Abduktion und Außenrotation führen. Bei jüngeren, funktionell anspruchsvollen Patienten ohne relevante glenohumerale Arthrose sind gelenkerhaltende Rekonstruktionsverfahren gegenüber der inversen Schulterprothese zu bevorzugen. Sehnentransfers stellen hierbei eine etablierte Option dar. Ziel dieses Übersichtsartikels ist die Darstellung des Lower-Trapezius-Transfers (LTT), mit besonderem Fokus auf biomechanischen Grundlagen, klinischen Ergebnissen, Differenzialindikation, sowie der operativen Technik des LTT und der Vergleich zum herkömmlichen Latissimus-dorsi-Transfer („latissimus dorsi tendon transfer“, LDTT). Während der LDTT über eine langjährige klinische Evidenz verfügt, zeigt der LTT in biomechanischen und klinischen Studien eine überlegene Rekonstruktion der physiologischen Kraftvektoren der posterosuperioren Rotatorenmanschette. Insbesondere die Wiederherstellung der aktiven Außenrotation gelingt mit dem LTT zuverlässiger. Elektromyographische Untersuchungen belegen eine aktive neuromuskuläre Integration des transferierten unteren Trapezius. Der LTT stellt heute bei irreparablen posterosuperioren Rotatorenmanschettenrupturen ohne fortgeschrittene Arthrose das bevorzugte Transferverfahren der Autoren dar. Die korrekte Patientenselektion und eine strukturierte postoperative Rehabilitation sind entscheidend für den klinischen Erfolg.
Ein 5‑jähriger Junge erleidet eine schwere Hundebissverletzung mit Ausbildung einer seltenen atrophen Pseudarthrose der rechten Klavikula. Nach Transplantation eines nicht-vaskularisierten Fibulatransplantats zeigt sich sowohl im Bereich der Empfänger- als auch der Entnahmestelle eine vollständig wiederhergestellte Anatomie und Funktion. Aufgrund der hohen Rate der Osteointegration des Transplantats sowie Regeneration der Entnahmestelle stellt das nicht-vaskularisierte Fibulatransplantat eine sichere Methode zur Rekonstruktion ossärer Defekte im Kindesalter dar.
Der kindliche Ellenbogen zählt zu den diagnostisch anspruchsvollsten Gelenken in der muskuloskelettalen Bildgebung. Altersabhängige Ossifikationszentren, projektionsbedingte Überlagerungen und indirekte Verletzungszeichen führen nicht selten zu Fehldiagnosen mit relevanten therapeutischen Konsequenzen. Darstellung typischer Pitfalls in der Bildgebung des kindlichen Ellenbogens und Ableitung praxisorientierter diagnostischer Strategien. Diese narrative Übersichtsarbeit basiert auf einer selektiven Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed und Embase. Es wurden überwiegend englisch- und deutschsprachige Publikationen der letzten 15 Jahre berücksichtigt, ergänzt durch relevante Standardwerke und Leitlinien. Die Auswahl der Literatur erfolgte mit Fokus auf klinisch relevante Aspekte der Bildgebung des kindlichen Ellenbogens, insbesondere diagnostische Pitfalls, radiologische Referenzlinien sowie ergänzende bildgebende Verfahren. Aufgrund des edukativen Charakters des Beitrags wurde keine systematische Literaturselektion im Sinne eines PRISMA-Protokolls („preferred reporting items for systematic reviews and meta-analyses“) durchgeführt. Die konventionelle Röntgendiagnostik in zwei Ebenen stellt weiterhin die Grundlage der Diagnostik im Kindesalter dar. Die Kenntnis der physiologischen Ossifikationsabfolge (CRITOE: Capitulum humeri, Radiuskopf, Epicondylus internus [medialis], Trochlea humeri, Olecranon und Epicondylus externus [lateralis]) ist essenziell zur Unterscheidung zwischen Normvarianten und Frakturen. Hilfslinien wie Rogers-Linie, Baumann-Winkel und radiokapitellare Linie helfen bei der Frakturerkennung. Das angehobene Fettpolsterzeichen ist ein sensitiver Hinweis auf intraartikuläre Verletzungen. Sonographie, CT und MRT ergänzen die Diagnostik indikationsbezogen, insbesondere bei okkulten Frakturen oder komplexen Verletzungsmustern. Typische Fallstricke betreffen Radiuskopfluxationen (Kadi-Läsionen), Fehlinterpretationen von Ossifikationszentren sowie projektionsbedingte Fehleinschätzungen. Die sichere Diagnostik erfordert die systematische Anwendung standardisierter Projektionen, die Kenntnis altersabhängiger Frakturstereotypen sowie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Strukturierte Befundalgorithmen tragen wesentlich zur Reduktion vermeidbarer Fehldiagnosen bei.
The German Shoulder and Elbow Arthroplasty Registry (SEPR) systematically collects data on shoulder arthroplasties; however, comprehensive longitudinal evaluations remain limited. This study analyzed trends in the D‑A-CH region (Germany, Austria, Switzerland) in implant selection, surgical indications, revision procedures, and cumulative revision risk using SEPR data and compared these trends with those reported in international registries. All primary and revision shoulder arthroplasty procedures documented with the SEPR form (version 9) from 2021 to 2023 were included. Data on implant selection, fixation technique, surgical indications, and revision events were analyzed. Kaplan–Meier estimates were used to assess 1‑ to 3‑year cumulative revision risk, stratified by prosthesis type. A total of 6339 primary and 760 revision procedures were analyzed. Reverse total shoulder arthroplasty (rTSA) accounted for 81
Ellenbogenluxationen sind im Kindes- und Jugendalter selten, stellen jedoch die häufigste Luxationsform dieser Altersgruppe dar. Im Gegensatz zu Erwachsenen treten in etwa zwei Dritteln der Fälle begleitende Frakturen auf. Die Indikationen für nicht-operative und operative Behandlungsstrategien unter Berücksichtigung altersrelevanter Besonderheiten werden dargestellt. Es handelt sich um eine narrative Übersichtsarbeit basierend auf aktuellen Handlungsempfehlungen und spezifischen Verletzungsmustern. Die Ellenbogenluxation erfordert eine zeitnahe Reposition innerhalb weniger Stunden, idealerweise unter Analgosedierung oder Kurznarkose, um das Trauma für das Kind und iatrogene Repositionsfrakturen zu minimieren. Bei radiologisch nachgewiesenen Begleitfrakturen ist eine operative Versorgung unter Vollnarkose indiziert. Die Stabilität muss nach Reposition klinisch und radiologisch (Symmetrie der Gelenklinie, „drop sign“, Stoeren-Linie) überprüft werden. Bei persistierender Instabilität ist eine MRT-Diagnostik zum Ausschluss von Weichteilinterponaten oder Bandläsionen/Avulsionsfrakturen erforderlich. In der Mehrzahl der Fälle ist eine konservative Therapie ausreichend. Diese erfolgt mittels Oberarmgips für maximal 3 Wochen. Ab dem 10. Lebensjahr kann alternativ eine frühfunktionelle Nachbehandlung in einer Bewegungsorthese erfolgen. Eine primäre operative Rekonstruktion des Kapselbandapparates zeigt gegenüber dem konservativen Vorgehen keinen Vorteil, außer bei persistierender oder hochgradiger Instabilität. Komplikationen sind selten und abhängig vom Verletzungsausmaß und der zeitlichen Versorgung. Pädiatrische Ellenbogenluxationen haben bei zeitnaher und fachgerechter Primärversorgung eine gute Prognose.
Background Irreparable and critically reparable injuries of the superior rotator cuff continue to represent a therapeutic challenge. A joint-sparing and operatively relatively simple treatment option is arthroscopic implantation of a subacromial spacer (the InSpace balloon; Stryker, Portage, MI, USA). Objective The aim of this study is to compare pre- and postoperative clinical data to examine the effectiveness of the InSpace balloon and evaluate the indication. Materials and methods In a specialized shoulder and elbow center, 27 consecutive patients who underwent shoulder arthroscopy with implantation of a subacromial spacer between 2017 and 2022 were included in the study; 21 patients were followed up between March and April 2022. The average follow-up duration was 18.6 months. Alongside medical history, pre- and postoperative pain (numeric rating scale, NRS), Constant score, American Shoulder and Elbow Surgeons (ASES) score, and range of motion (RoM) were measured and compared. Results In overall cohort, the mean NRS for pain changed significantly from 5 to 3 (p = 0.004), the Constant score improved significantly from 47.55 to 57.25 (p = 0.018), and the ASES score improved significantly from 47.9 to 61.1 (p = 0.01). Regarding RoM, only external rotation improved significantly from 50.9 to 60 degrees (p = 0.001). The subanalysis comparing patients with a prior operation to those without showed that only patients without prior operation benefitted. In the cohort with short-term follow-up (under 2 years) there was a significant change in NRS (p = 0.002) and ASES score (p = 0.02) but not in the Constant score. There were no significant changes of measurement parameters in the cohort with mid-term follow-up (over 2 years). Conclusion Surgery with InSpace ballon implantation reduces pain levels. It remains unclear whether it is the medical device or the arthroscopic debridement and tenotomy/tenodesis of the long biceps tendon that is responsible for the improvement. The improvement is greatest in short-term follow-up (under 2 years) and in patients without a previous operation.
Klavikulafrakturen stellen eine häufige Verletzungsform am wachsenden Skelett dar. Dennoch ist die Vielfalt der Traumamechanismen, der diagnostischen Möglichkeiten und v. a. der Therapieoptionen bei Kindern und Jugendlichen sehr groß. Es wurde eine Analyse von Inzidenz und Diagnostik von Klavikulafrakturen im Kindes- und Jugendalter sowie die Darstellung altersgerechter Therapieoptionen durchgeführt. Relevante Publikationen und Fallbeispiele aus dem eigenen Patientengut werden analysiert und diskutiert, um die Indikationsstellung für primär konservative oder operative Therapie zu veranschaulichen. Im Großteil der Fälle lassen sich zufriedenstellende Ergebnisse in der Behandlung der Klavikulafraktur mit konservativer als auch operativer Therapie erzielen. Von der geburtstraumatischen Klavikulafraktur als Zufallsdiagnose, der Klavikulafraktur beim Säugling als Sturztrauma oder Hinweis auf Misshandlung, über einfache und komplexe Schaftfrakturen bei Kindern und Adoleszenten bis hin zum Polytrauma sowie den vielfältigen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bei Akromioklavikular (AC)- und Sternoklavikular (SC)-Gelenkverletzungen soll diese Arbeit einen praxisnahen und evidenzbasierten Leitfaden für den klinischen Alltag bieten.
Ruptures of the distal biceps brachii tendon are injuries that most frequently affect the dominant arm of middle-aged men. Surgical repair is indicated in active patients to restore elbow flexion and forearm supination strength. Complications of repair include neurovascular injury, elbow stiffness, re-rupture, wound infection, and heterotopic ossification. Heterotopic ossification is a rare complication that may be asymptomatic or present with pain, restricted range of motion, palpable mass, or neurovascular symptoms. We report a case of heterotopic ossification with adhesion to the distal biceps tendon and displacement of the brachial artery following open repair using a single-incision approach. The patient presented 7 months postoperatively with restricted range of motion. Surgical excision of the ossification and tenolysis for tendon release were performed, preceded by preoperative radiation therapy. Postoperative follow-up demonstrated full range of motion and complete resolution of symptoms.
Mit Fokus auf der Schulter- und Ellenbogenchirurgie untersucht der vorliegende Beitrag, wie die Digitalisierung das Gesundheitssystem und speziell die chirurgische Weiterbildung beeinflusst. Digitale Technologien bieten theoretische Lernformen (selbstgesteuerte Inhalte, strukturierte Online-Curricula) sowie praktische Trainingsmöglichkeiten („virtual reality“ [VR], „augmented reality“ [AR], haptische Simulatoren). Vorteile sind orts- und zeitunabhängiges Lernen, standardisierte Wissensvermittlung, objektive Leistungsbewertungen und möglicherweise auch verbesserte Kompetenzen. Herausforderungen liegen in hohen Kosten, Wartungsbedarf, ungleichem Zugang, fehlenden Richtlinien und begrenzter Evidenzlage aufgrund heterogener Studien. AR zeigt gemischte Belege im anatomischen Lernen; VR unterstützt arthroskopische Fähigkeiten und reduziert Operationszeiten; haptische Simulatoren verbessern Leistungsfähigkeit, sind aber selten in der Schulter- und Ellenbogenchirurgie verfügbar. Definierte Lernziele, standardisierte Evaluationsmethoden, curriculare Integration und weitere Forschung sind notwendig, um digitale Formate effektiv und evidenzbasiert in die Weiterbildung zu implementieren.
Isolated fractures of the humeral trochlea in children are extremely rare intra-articular injuries. If overlooked or treated inadequately, they may result in functional impairment and growth disturbances of the elbow joint. Only a few case reports of this injury have been published in the literature. Open reduction and internal fixation (ORIF) of the joint fracture is mandatory. Fixation with thin resorbable pins is preferable in order to avoid a second surgical procedure for hardware removal requiring a renewed ulnar approach.
Background: The head-split fracture is a rare type of proximal humerus fracture involving the joint surface of the humeral head. Case presentation: A 56-year-old female patient presented at our clinic after falling on her outstretched arm. Imaging and clinical diagnostics revealed a three-part humeral head fracture with a displaced articular head-split component, which could not be clearly classified according to any existing classification system. Surgical treatment was performed using open reduction and screw osteosynthesis of the head-split component. Additional plate osteosynthesis, which is usually used in such cases, was not performed. Fourteen weeks postoperatively, the patient was symptom free and able to resume activities of daily living. Conclusion: This case demonstrates the variable fracture morphology of head-split fractures, which require precise imaging for accurate assessment and identification of fracture morphology. Isolated surgical treatment of the head-split component can represent an adequate therapeutic option in the presence of non-displaced concomitant fractures.
This article provides a comparative analysis of orthopedic residency training in Germany and the United States. Despite similarities in clinical content, the two systems differ substantially in structure, specialization pathways, autonomy, and competency assessment. Understanding these differences is essential for international collaboration, academic exchange, and the harmonization of global training standards in orthopedic surgery.
Die Weiterbildung in der Orthopädie und Unfallchirurgie befindet sich weltweit in einem dynamischen Transformationsprozess. Im deutschsprachigen Raum verschärfen ökonomische und strukturelle Herausforderungen die Diskussion um Qualität, Standardisierung und wissenschaftliche Integration. Dieser Beitrag vergleicht die Weiterbildung in Deutschland mit dem US-amerikanischen Residency-System. Der Vergleich zeigt deutliche Unterschiede hinsichtlich Curriculumdesign, operativer Exposition, wissenschaftlicher Einbindung und Rahmenbedingungen. Aus der deutschen Perspektive eröffnen Elemente des US-Systems Potenziale zur Weiterentwicklung der hiesigen Weiterbildung.
Digital technologies such as robotics, artificial intelligence (AI), augmented and virtual reality (AR/VR), and 3D printing are reshaping orthopedic and trauma surgery. While increasingly adopted in lower extremity procedures, their integration in upper extremity surgery remains limited. This study assessed perceptions, current use, and barriers to digital technologies among orthopedic and trauma surgeons specializing in the upper extremity in German-speaking countries. An anonymized, cross-sectional online survey was conducted between September and November 2025 via professional societies and institutional mailing lists. The 25-item questionnaire explored usage, perceived benefits, barriers, and future expectations regarding AI, robotics, AR/VR, and 3D printing. Descriptive statistics and inferential analyses (t tests, Pearson correlations, multiple linear regression) were performed. A total of 115 surgeons and trainees participated, with 91 complete responses. Occasional AI use was reported by 30.8