
Zusammenfassung Im Jahr 2023 wurde die aktuell gültige Version der Nationalen Versorgungsleitlinie Diabetes veröffentlicht. An der Erstellung der Leitlinie für die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) bzw. für die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) waren auch die Autoren beteiligt. Dieser Beitrag berichtet aus der Versorgungsleitlinie zu Diagnose und Therapie eines Diabetes.
Zusammenfassung Adipositas und Diabetes mellitus zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung und Progression der chronischen Nierenkrankheit (CKD). Eine effektive Nephroprotektion erfordert die frühzeitige Identifikation gefährdeter Patienten durch Screening mittels geschätzter glomerulärer Filtrationsrate (eGFR) und Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio sowie ein umfassendes Management aller modifizierbaren Risikofaktoren. Neben Lebensstilmaßnahmen wie Gewichtsreduktion, salzarmer Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität bilden moderne Pharmakotherapien das Fundament der CKD-Prävention. Die 4 zentralen Säulen umfassen die Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems, SGLT-2-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptor-Agonisten und nichtsteroidale Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten. Ergänzend spielt die konsequente Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Lipiden eine Schlüsselrolle. Studiendaten aus den letzten Jahren zeigen, dass insbesondere GLP-1-RA und SGLT-2i auch bei Adipositas synergistische kardiovaskuläre und renale Vorteile bieten.
Zusammenfassung Vaginale Trockenheit ist eine weit verbreitete, jedoch häufig vernachlässigte Erkrankung, die viele Frauen betrifft, insbesondere jene mit Diabetes. Schätzungen zufolge leiden bis zu 50 % der Frauen mit Diabetes an vaginaler Trockenheit, was weit über dem Durchschnitt der allgemeinen weiblichen Bevölkerung liegt.
Zusammenfassung In der Medizin wurden jahrzehntelang männliche Körper als Referenz herangezogen – in Forschung, klinischen Studien und Praxis – und Frauen galten nur als „abweichende Norm“. Das Geschlecht ist jedoch ein bedeutsamer biologischer und sozialer Faktor, der sich auf nahezu alle Aspekte der Gesundheit auswirkt, wie Krankheitsentstehung, Symptomatik und Arzneimittelwirkung. Die geschlechtsspezifische Medizin hat sich zum Ziel gesetzt, diese Unterschiede systematisch zu erfassen und in Diagnostik, Therapie und Prävention zu integrieren.
Die Therapie der chronischen Nierenkrankheit (CKD) bei Diabetes mellitus (DM) fokussierte sich bisher auf die Gabe von Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmern (ACE-Hemmern) oder Angiotensin-II-Rezeptor-Subtyp-1-Antagonisten (AT1-Antagonisten). Weiterhin erfolgte die Kontrolle von Risikofaktoren wie Hyperglykämie, arterieller Hypertonie und Hyperlipidämie. Mit Natrium-Glukose-Cotransporter-2 (SGLT-2)-Inhibitoren, Glukagonähnliches-Peptid-1 (GLP-1)-Rezeptor-Agonisten und einem nichtsteroidalen Mineralokortikoid-Rezeptor-Agonisten stehen neue Therapieoptionen zur Verfügung, die kardiorenale Endpunkte verbessern. Weitere Medikamentenklassen, wie Endothelin-Rezeptor-Antagonisten, Aldosteron-Synthetase-Inhibitoren und Inkretin-Hormon-Therapeutika, befinden sich in der klinischen Erprobung. Durch die Vielzahl der neuen Optionen wird die zukünftige Herausforderung in der Individualisierung der Therapie und Identifikation von Hochrisikopatienten liegen.
Zusammenfassung Psychologische Auffälligkeiten und psychische Störungen treten bei Kindern und insbesondere bei Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 etwa 2-mal so oft im Vergleich zu Gleichaltrigen auf. Häufige psychische Komorbiditäten sind Essstörungen (Bulimia nervosa und sonstige Essstörungen), depressive Störungen und Angststörungen. Auch gestörtes Essverhalten, das definitionsgemäß noch nicht die Diagnosekriterien einer Essstörung erfüllt, ist vermehrt bei Diabetes mellitus Typ 1 anzutreffen. Insulin-Purging – also die absichtliche Reduktion des Insulins mit dem Ziel der Gewichtsabnahme – wird vor allem bei Mädchen und jungen Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 beobachtet. Bei einer unzureichenden Stoffwechsellage (d. h. bei hohen Werten für Hämoglobin A1c (HbA1c)) oder bei akuten Komplikationen, wie einer diabetischen Ketoazidose, muss immer an eine psychische Komorbidität gedacht werden. Auch bei Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 2 sind psychische Störungen häufiger als bei Gleichaltrigen ohne chronische Erkrankung: Ähnlich wie bei Diabetes mellitus Typ 1 treten vor allem Essstörungen (Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störungen) sowie depressive Störungen auf.
Zusammenfassung Die GLP-1-Rezeptoragonisten und die SGLT-2-Inhibitoren sind als Antidiabetika entwickelt worden und haben mittlerweile einen festen Stellenwert in der Nephroprotektion und der Behandlung der Herzinsuffizienz, unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes mellitus. Beide Substanzgruppen senken auch den Blutdruck bei Hypertonikern. Die Blutdrucksenkung ist ein willkommener Effekt bei Patienten, die unter kombinierten Störungen leiden. Die GLP-1-Rezeptoragonisten dürften vor allem durch die Gewichtsabnahme den Blutdruck senken. Die SGLT-2-Inhibitoren wirken wahrscheinlich überwiegend durch ihre natriuretischen und diuretischen Effekte. Die GLP-1-Rezeptoragonisten haben bei Hypertonie mit obstruktiver Schlafapnoe günstige Effekte. Der Einsatz beider Substanzen bietet sich an, wenn neben einer Hypertonie Krankheitsbilder bestehen, bei denen diese Substanzgruppen von gesichertem Nutzen sind. Dies kann zu einer Verbesserung der Blutdruckeinstellung oder zur Einsparung von Antihypertensiva führen. Sowohl die SGLT-2-Inhibitoren als auch die GLP-1-Rezeptoragonisten haben ursprünglich als Antidiabetika Eingang in unser therapeutisches Arsenal gefunden. Wenig später stellte sich heraus, dass beide Substanzgruppen unabhängig von ihrer antidiabetischen Wirkung wichtige nephro- und kardioprotektive Eigenschaften haben.
Zusammenfassung Hoher Zuckerkonsum trägt nicht nur zur Karies, sondern über metabolische Folgen wie Adipositas und Typ-2-Diabetes auch zum kardiovaskulären Risiko bei. Alternative Zucker und Zuckerersatzstoffe wie Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe sollen diese Risiken reduzieren. Unter den Zuckervarianten ist bislang kein wirklich gesunder Kandidat ermittelbar. Süßstoffe sind heterogene, intensiv süß schmeckende Substanzen, die vor allem in kalorienreduzierten Getränken verwendet werden. Zuckeraustauschstoffe – also Zuckeralkohole – sind etwa halb bis ebenso süß wie normaler Zucker und stecken überwiegend in festen Lebensmitteln. Epidemiologisch ist der Verzehr von Zucker, aber auch von Zuckerersatzstoffen, mit Adipositas, Typ-2-Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen und Krebs assoziiert. Diese Beobachtungsdaten sind jedoch durch starke Confounder (andere Lebensstilfaktoren) und „Reverse Causality“ massiv verzerrt. In methodisch gut kontrollierten (verblindeten) Studien (RCT) bewirken Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe gegenüber Zucker eine signifikante Reduktion von anthropometrischen und einigen glykämischen Markern, gegenüber Wasser gibt es keinen Vorteil. Tauscht man Zucker durch Zuckerersatz aus, so ist der Gewichtsverlust geringer, als anhand der Kalorienersparnis zu erwarten ist. Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe bieten noch offene Forschungsfragen zu Verhaltenseffekten, Veränderungen des Darmmikrobioms oder der hormonellen Stoffwechselregulation und zu möglichen rheologischen Phänomenen. Was ist wichtig Unter allen Süßungsmitteln sind die verschiedenen, haushaltsüblichen Zucker eindeutig die schlechtere Wahl. Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe sind durch methodisch unzureichende Beobachtungsstudien stark in Verruf geraten, schneiden aber in randomisiert-kontrollierten Studien besser ab als Zucker. Gerade mechanistische Fragen zu Stoffwechsel und Hormonsystem, Darmmikrobiom und Gerinnungskaskaden müssen endlich in naher Zukunft durch hochwertige Testreihen geklärt werden.
Zusammenfassung Früherkennung und rechtzeitige Behandlung können in über 90% der diabetischen Retinopathie einen schweren Sehverlust verhindern. Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie empfiehlt, dass Personen mit Diabetes jährliche bzw. 2-jährliche Augenuntersuchungen zur Erkennung einer behandlungsbedürftigen diabetischen Retinopathie erhalten. Um den Herausforderungen gerecht zu werden, wurden KI-Algorithmen entwickelt, um DR autonom aus Fundusfotografien ohne menschliche Beurteilung zu erkennen. In den letzten Jahren haben viele KI-Algorithmen eine gute Sensitivität und Spezifität für die Erkennung einer behandlungsbedürftigen DR im Vergleich zu menschlichen Beurteilern erzielt. Bislang kommt ein KI-basiertes DR-Screening auch in Ländern mit besser entwickelter digitaler Infrastruktur als Deutschland nur in geringem Umfang zum Einsatz, denn viele Fragen wie Akzeptanz, Kosteneffektivität, Haftungsrisiken, IT-Sicherheit und die Kostenerstattung sind noch unzureichend beantwortet. In dieser Übersicht über KI-Anwendungen zum DR-Screening werden wichtige Konzepte in der Entwicklung und aktuell zugelassene KI-Algorithmen vorgestellt, die im Vergleich mit menschlichen Bewertern validiert worden sind.
„Für Notfälle haben wir keine Zeit!“ Das beinahe legendäre Zitat einer MFA in der hausärztlichen Praxis trifft es etwas abgewandelt eher: „Bei Notfällen haben wir keine Zeit“. Manchmal stellt sich aber die Frage: Ist es überhaupt ein Notfall? Handelt es sich also um einen sofort abzuwendenden vital gefährdenden Verlauf (rot), müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden (gelb), oder ist das Geschehen eher nicht zeitkritisch (grün)? Im vorliegenden Artikel werden 8 Kasuistiken vorgestellt, die differenzialdiagnostische Überlegungen, situativ angepasstes Handeln und den weiteren Verlauf zeigen sollen.
Zusammenfassung Moderne Technologien der Glukosemessung und der Insulingabe erleichtern das Leben mit Diabetes enorm und ermöglichen den Betroffenen heutzutage je nach individueller Situation, auch größere Reisen anzutreten. Ziel dieses Artikels ist es, reisemedizinisch beratenden Ärzten und Ärztinnen einen Überblick über die möglichen Probleme von Personen mit Diabetes beim Reisen zu geben und wie diesen ggf. zu begegnen ist.
Dieser Artikel beschreibt die Rolle metabolischer Störungen bei rheumatoider Arthritis (RA) mit Fokus auf den Zusammenhängen mit Adipositas und der damit einhergehenden metabolischen Inflammation. Adipositas begünstigt chronische Entzündungen durch die vermehrte Freisetzung von Entzündungsmarkern aus dem Fettgewebe und beeinflusst so das Fortschreiten, den Schweregrad und das Therapieansprechen der RA. Weitere metabolische Risikofaktoren, wie Störungen des Glukose- und Fettstoffwechsels, und ungünstige Lebensstilfaktoren fördern entzündliche Prozesse zusätzlich und führen zu einem erhöhten kardiovaskulären Risiko bei RA-Patienten. Gemeinsame therapeutische Ansätze zur Verminderung der zugrundeliegenden Inflammation umfassen Gewichtsreduktion, eine antientzündliche Ernährung und den Einsatz spezifischer antirheumatischer Medikamente, die sowohl auf die Entzündungsprozesse als auch metabolische Begleiterkrankungen wirken. Mit einer integrierten Behandlungsstrategie, die das Entzündungsgeschehen, wie auch das metabolische Risikoprofil der Betroffenen berücksichtigt, können die Versorgung verbessert und unerwünschte Effekte minimiert werden.
Zusammenfassung Die menopausale Hormontherapie (MHT) begann 1942 in den USA und wurde weltweit in den 1960er-Jahren wegen der sehr erfolgreichen Behandlung vegetativer und vasomotorischer Beschwerden sehr populär. Diese manifestieren sich in vielen Fällen schon prämenopausal und können über ca. 10 Jahre andauern und die Lebensqualität erheblich einschränken. Viele Frauen stellen sich in dieser perimenopausalen Lebensphase nicht primär beim Gynäkologen, sondern beim Hausarzt oder Kardiologen vor, da Blutdruckschwankungen und insbesondere die typischen nächtlichen Palpitationen Angst machen. Eine fachübergreifende Betrachtung kann unnötige diagnostische Maßnahmen bis zur invasiven Herzkatheteruntersuchung und inadäquate Therapien mit Betablockern, Antidepressiva und Sedativa vermeiden. Daneben ist es auch in der hausärztlich-internistischen Praxis wichtig, die Auswirkungen sowohl eines Hormonmangels als auch einer Hormontherapie auf innere Organerkrankungen zu kennen. Die Hormontherapie kann vorbestehende Erkrankungen positiv, negativ oder gar nicht beeinflussen. Betroffene Patientinnen erwarten zurecht eine enge Kooperation der Spezialisten – Gynäkologen, Endokrinologen und Internisten –, wenn es um die Entscheidung für oder gegen eine menopausale Hormontherapie (MHT) geht, insbesondere nach den Unsicherheiten, welche die mittlerweile revidierten Ergebnisse der WHI (women’s health initiative) -Studie hervorgerufen hatten.