
Abstract This article examines the expanding role of behavioural remedies in competition law enforcement and the institutional tensions this creates between antitrust and regulation. The difficulty arises when remedies are expected not only to bring unlawful conduct to an end, but also to restore competitive conditions, preserve contestability, or prevent market tipping over time. Building on a typology of remedy design, the article identifies a continuum ranging from one-off injunctions to positive obligations whose implementation extend over time and increasingly resemble regulatory intervention. In dynamic markets, rigid remedies may quickly become ineffective or counterproductive. Yet remedies that remain open to ongoing discretionary revision risk turning competition authorities into de facto regulators. The article therefore argues for a bounded form of adaptability: behavioural remedies should be revisable only within predefined substantive and procedural limits, linked to the original theory of harm. By distinguishing bounded adaptability from open-ended flexibility, the article clarifies the frontier between competition law enforcement and regulatory governance. In doing so, it contributes to current debates on the proper institutional scope of antitrust.
Zusammenfassung Dani Rodrik und Joseph Stiglitz können als die prominentesten Vertreter einer großen Gruppe von Ökonomen gelten, die den Neoliberalismus für tot erklären. Das Erfolgsmodell für die Zukunft sehen sie dagegen in einem Staat, der die Geschicke der Wirtschaft umfassend bestimmt. Es gibt einerseits wenig Grund für die Annahme, der Staat könne etwa in der Industriepolitik den hohen Anforderungen gerecht werden. Andererseits gehen die Kritiker von einem verzerrten Bild einer von Marktversagen dominierten Wirtschaft aus.
Zusammenfassung Zur Begrenzung der mit einer globalen Erwärmung verbundenen zukünftigen Klimaschäden ist eine globale Senkung der Treibhausgasemissionen notwendig. Auch wenn der Nutzen eines anspruchsvollen Klimaschutzes auf globaler Ebene die Kosten übersteigt, muss das auf nationaler Ebene nicht gelten. Die Eigenschaften eines globalen öffentlichen Gutes führen dazu, dass Kosten und Nutzen von Klimaschutzmaßnahmen auseinanderfallen. Europa hat sich mit der angestrebtem Dekarbonisierung bis 2050 ein besonders anspruchsvolles Klimaschutzziele gesetzt. Als zentrales marktwirtschaftliches Instrument ist eine Bepreisung von Emissionen eingeführt worden. Damit sind jedoch neue Marktverzerrungen entstanden, da der weitaus größte Teil der weltweiten Emissionen keinen Preis haben. Für die industrielle Produktion sind damit verschlechterte Wettbewerbsbedingungen verbunden. Die Kombination aus Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit ist die zentrale Anforderung an einen klimapolitischen Instrumentenmix der Zukunft.
Zusammenfassung Der Beitrag untersucht die Auswirkungen der Antriebswende im Pkw-Verkehr auf die öffentlichen Einnahmen aus dem motorisierten Individualverkehr in Deutschland – derzeit rund 51,2 Milliarden Euro jährlich. Da der Wechsel zu batterieelektrischen Fahrzeugen die Einnahmen aus der Energiesteuer stark reduzieren wird, entsteht ab etwa 2031 eine erhebliche Einnahmelücke. In einem dynamischen Simulationsmodell vergleichen wir fünf Instrumente zum Ausgleich der Einnahmelücke: Fahrstromsteuer, Pkw-Maut, Vignette, Kfz-Steuererhöhung und Energiesteuererhöhung. Wir ermitteln die jeweilige Abgabenhöhe und vergleichen die Szenarien hinsichtlich Effizienz, Verteilungswirkungen, Planbarkeit, Finanzierung und Transformation. Die Maut schneidet bei der Effizienz am besten ab. Die Fahrstromsteuer ist am wenigsten regressiv. Maut und Vignette bieten hohe Einnahmenplanbarkeit. Nur die Energiesteuererhöhung beschleunigt die Transformation, kann das Einnahmenziel jedoch über 2040 hinaus nicht aufrechterhalten.
Veränderungen in nationalen politisch-administrativen Systemen sowie De-Globalisierung und protektionistische Trends stellen nicht nur eine Abkehr von klassischen Freihandels- und Globalisierungsparadigmen dar, sondern, so die zentrale These dieses Beitrags, fordern auch etablierte ordnungsökonomische und vergleichende Systemsichtweisen heraus. Es bedarf daher nicht nur einer verstärkten empirischen Auseinandersetzung mit neuen bzw. alternativen Ordnungsformen, sondern darüber hinaus einer Reflektion der konzeptionellen Gestaltung ordnungsorientierter Analyse. Im Folgenden wird der Versuch unternommen, anekdotisch zu skizzieren, welche aktuellen Entwicklungen und Phänomene zu beobachten sind, und Implikationen für die etablierten ordnungsökonomischen Konzepte herauszuarbeiten.
Der vorliegende Beitrag fokussiert Informalität im Politikbetrieb der EU, Informalität wird in diesem Kontext als ein Phänomen verstanden, welches Formalstrukturen ergänzt oder ersetzt und somit durchaus ethisch sein kann. Der Beitrag widmet sich dem Phänomen aus interdisziplinärer Perspektive und bietet neben einem umfassenden Literaturüberblick zur Informalität im Allgemeinen sowie konkret im Kontext des europäischen Mehrebenensystems eine theoriegeleitete Analyse möglicher Effekte, welche informellem Handeln entspringen können, bevor anhand empirischer Daten aus einem in 2021 durchgeführten Survey und ergänzenden Interviews Schlüsse auf den EU-Kontext gezogen und bezüglich ethischer Implikationen bewertet werden.
Der Fokus der wirtschaftshistorischen Forschung zum deutschen Währungszusammenbruch von 1923 liegt meistens auf Deutschland und anderen kriegführenden Nationen des Ersten Weltkriegs. Dieser Beitrag arbeitet die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz während der Phase der deutschen Hyperinflation heraus. Warum ist dies relevant und welche Lehren lassen sich aus dem Vergleich ziehen? Sowohl dem Deutschen Reich als auch der Schweiz mangelte es während des Kriegs an ausreichender Fiskalkapazität, um den enormen Finanzbedarf aus den Kriegsaufwendungen zu bestreiten. Beide Länder griffen auf die Verschuldung durch Ausgabe von Anleihen zurück. Ein Teil der Aufwendungen wurde in beiden Ländern daher über die monetäre Staatsfinanzierung bestritten. Mit der Ausdehnung der Geldmengen entstand ein Inflationspotenzial, das sich in beiden Ländern während, bzw. mit der Aufgabe der Zwangsbewirtschaftung nach dem Krieg entlud. Damit war der Weg in die Hyperinflation allerdings nicht vorgezeichnet. Vielmehr lag ein wesentlicher Grund in der Fortführung und Beschleunigung der Inflationspolitik in den Nachkriegsjahren in Deutschland. Das Schweizer Beispiel bietet hier ein interessantes Gegenstück. Der klare Wille zur Rückkehr zu stabilitätsorientierten Vorkriegsverhältnissen in der Finanz- und Geldpolitik ebnete den Boden für neues Vertrauen in die Währung. Dabei verfolgte die Schweiz eine Geld- und Fiskalpolitik, die sich zwischen den Extremen bewegte und daher nicht übermässig kontraktiv wirkte.
In diesem Beitrag wird gefragt, ob und wieweit es möglich ist, eine andere Theorie der Bereitstellung öffentlicher Güter zu entwickeln, die auf Hayeks Theorie spontaner Ordnung in Verbindung einer relational angereicherten Theorie der Katallaktik nach von Mieses und Hayek, Buchanans ökonomischer Klubtheorie sowie Ostroms Theorie der Anti-Tragödie der Gemeinschaften zurückgreift. Das bisher vernachlässigte zentrale Element dieser Theorien wird in den Beziehungen unter den am sozialen Austausch Beteiligten gesehen. Auf dieser Grundlage werden die spontanen, relationalen und selbstbestimmten Aspekte des ökonomisch-sozialen Austauschs aufgrund wechselseitiger Vorteile in einer Theorie menschlicher Interaktion zusammengeführt. Auf der kollektiven Ebene ist darauf aufbauend eine relationale Theorie spontaner Ordnung des Gemeinwesens hinsichtlich der Bereitstellung öffentlicher Güter erforderlich. Mit diesem Beitrag wird ein Konzept für eine solche Theorie vorgelegt.
The new wave of protectionism in the global economy, which has been observed in the recent years, is accompanied by a specific narrative: The idea that globalization can be abused by authoritarian countries, who will use global economic connections to strengthen their power and to destabilize democratic states. Because of that, free trade should be limited to a group of like-minded nations, united by common values. The article interrogates this narrative and shows its logical flaws and inconsistencies. An attempt to link the access to the global trade to a small group of countries is likely to have negative impact on both economic wealth and political stability. One should not under-estimate the power of common interests as factors underlying the global economy.
Argentina has been characterised for a long time by inflation, recession, poverty and failed reforms. We analyse the reforms of Javier Milei with the help of the Austrian School of Economics, German ordoliberalism and the theory of financial repression. It is shown that Milei’s reforms have achieved with expenditure cuts and decisive deregulation an impressing consolidation of the public budget, a decline of inflation as well as – with a lag – growth and a falling poverty rate. His reforms may become a blueprint for other countries such as Germany.
The European Digital Markets Act (DMA) is a regulatory framework designed to ensure fair and contestable markets in the digital sector by imposing specific prohibitions and obligations on the core platform services of so-called gatekeepers. As the DMA is the first regulation of its kind worldwide, regulative uncertainties in its application need to be identified and addressed for its future review by policymakers. This is particularly true for the measures on interoperability and data portability. This paper examines key economic concepts and, thus, the reasoning behind the DMA’s interoperability and portability rules, assessing their theoretical impact on competition in digital markets. It shows that (i) the horizontal interoperability measures for number-independent interpersonal communication services are not necessarily economically justified and their current design might even lead to less competition; (ii) the effects of vertical interoperability instruments seem to be more pro-competitive for hardware, namely near field communication, while the outcome for software remains difficult to predict due to their high degree of generalization; and (iii) data portability can contribute to more competition, but its impact remains highly dependent on the effectiveness of the interoperability regime. This paper concludes that interoperability, especially in its vertical form, and data portability rules in the DMA have the potential to improve competition in digital markets. However, policymakers need to address the identified design flaws to enhance its effectiveness and efficiency. This includes establishing common standards for functionalities and data access conditions, as well as a clarifying the relationship between these measures and existing intellectual property, data protection, and trade secret rules. English Summary: The European Digital Markets Act (DMA) aims to ensure fair and contestable markets in the digital sector by imposing specific prohibitions and obligations on core platform services of gatekeepers. As the first regulation of its kind, it faces regulatory uncertainties, especially regarding interoperability and data portability. This paper examines the economic rationale behind the DMA’s rules and their theoretical impact on competition. It finds that (i) horizontal interoperability measures for number-independent communication services may not be economically justified and could reduce competition; (ii) vertical interoperability measures are more pro-competitive for hardware like near field communication, but their impact on software is uncertain; and (iii) data portability can enhance competition but depends on the effectiveness of the interoperability regime. Policymakers must address design flaws and establish common standards to improve the DMA’s effectiveness.
Umweltpolitik sieht sich großen Wissens- und Anreizproblemen gegenüber. Über die neoklassische Umweltökonomik und die ökologische Ökonomik hinausgehend finden diese Probleme im Framework der robusten politischen Ökonomie besondere und vor allem konsistente Beachtung, weswegen wir diesen Ansatz für eine kritische Analyse verwenden. Wir argumentieren, dass eine Analyse der Umweltpolitik aus Perspektive der robusten politischen Ökonomie zeigt, dass polyzentrische Lösungsansätze in der Umweltpolitik ein geeigneteres Mittel als monozentrische Ansätze sind.
Digitale Märkte zeichnen sich durch neue Formen der Preisbildung aus. An die Stelle klassischer Einheitspreise treten sog. ‚personalisierte Preise‘, welche auf eine Bepreisung in Höhe der individuellen Zahlungsbereitschaft der einzelnen Konsumentin abzielen. Dieser Beitrag analysiert zunächst die Praxis digitaler Preispolitik und diskutiert anschließend ihre moralische Relevanz. Personalisierte Preise können, so die These, dem Anspruch einer fairen Gleichbehandlung am Markt neue Geltung verschaffen.
Walter Euckens wissenschaftliche Heimat war zunächst die Historische Schule der Nationalökonomie. In den 1930er Jahren wandte er sich aber vehement gegen deren Grundsatz, dass Wahrheiten stets nur relativ zum jeweiligen historischen Umfeld gelten könnten und dass allgemeine theoretische Sätze über ökonomische Zusammenhänge daher unmöglich seien. Aus dieser Einsicht heraus entwickelte Eucken seine eigene, etwas eigentümliche Methodologie, mit welcher er die Singularität historischer Tatsachen mit der Universalität theoretischer Aussagen zu vereinen versuchte. Dieter Cassel kritisierte diese Methodologie in den späten 1960er Jahren grundlegend, konnte diese Kritik aber seinerzeit nicht im Rahmen seiner Dissertation veröffentlichen, wie es zunächst geplant war. Aus heutiger Sicht handelt es sich bei der Kritik um ein wissenschaftshistorisch relevantes Zeitdokument. Deshalb wird sie hiermit zum 75. Todestages von Walter Eucken nach bald sechs Jahrzehnten veröffentlicht. Der Text richtet sich vor allem an jene, die sich für die Ideengeschichte der deutschsprachigen Volkswirtschaftslehre und für die Wissenschaftstheorie des 20. Jahrhunderts interessieren.
Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedeutung den von Kant in seiner „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ als Triebkräfte des Fortschritts bezeichneten Leidenschaften Ehrsucht, Herrschsucht und Habsucht aus ökonomischer Sicht zukommt. Dabei wird festgestellt, dass die wechselseitige Ergänzung von Anreizsystemen, die auf diesen Triebkräften basieren, sowohl aus Sicht verschiedener Vordenker der ökonomischen Theorie (Keynes, Schumpeter) als auch mit Blick auf die Geschichte der Industrialisierung von großer Bedeutung war und ist, um ökonomischen Fortschritt im Sinne von Innovationen und darauf basierendem Wirtschaftswachstum zu verwirklichen. Daher erscheint es nicht nur aus moralphilosophischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht bedenklich, dass im Zuge des Übergangs zu Shareholder Value-orientierten Ansätzen der Unternehmenssteuerung monetäre Anreizsysteme zulasten aller übrigen Motivationen extrem an Bedeutung gewonnen haben.