
Im Jahresverlauf 2022 ist der Abschluss einer 3-bändigen, englischsprachigen Ausgabe mit dem Titel Fundamentals of Craniofacial Malformations geplant, für die der Herausgeber, Prof. Dr. Dr. Ulrich Meyer, zahlreiche nationale und internationale Autoren gewinnen konnte. Seine langjährige klinische Tätigkeit in den interdisziplinären Zentren in Münster und Düsseldorf, Vorarbeiten über regenerative Techniken im Kopfund Gesichtsbereich sowie die Herausgabe einer interdisziplinären Fachzeitschrift haben den Herausgeber motiviert, für alle an den Grundlagen kraniofazialerFehlbildungeninteressierteKolleginnen und Kollegen ein aktuelles Standardwerk aufzulegen. Diagnostische, technologische und therapeutische Fortschritte wurdenberücksichtigt,umeinenaktuellen Überblick über die komplexenZusammenhänge und Herausforderungen zu geben, die mit dem Management von Patienten mit kraniofazialen Fehlanlagen verbunden sein können. Bd. 1, Disease and Diagnostics ist im Sommer2021erschienen;Bd.2,Treatment Principles und Bd. 3, Surgical Techniques sollen bis Ende 2022 folgen. In Bd. 1 werden die soziokulturellen Effekte kraniofazialer Fehlanlagen, ihre Darstellung und Wahrnehmung in Kunst und Gesellschaft beschrieben, des Weiteren wird ein kurzer historischer Überblick über die Entwicklung moderner Therapieoptionen gegeben. Dieser einleitende Abschnitt ist kurz gehalten und führt schlüssig in die komplexe Thematik ein. Es schließen sich Kapitel zur Embryologiemit denmolekularbiologischenGrundlagen kraniofazialer Fehlentwicklungen an. Die Effekte pathologischer zellulärer Signaltransduktionen, ihre möglichen embryologischen Ausprägungen sowie Verfahren der modernen Pränataldiagnostik und Neonatologie werden erwähnt. Die mit der variablen Ausprägung verbundenen diagnostischen Herausforderungen werden klar beschrieben und der zunehmende Stellenwert molekulargenetischer Techniken wird betont. Ein interessantes Kapitel widmet sich einer zukünftigen, standardisierten Klassifikation kraniofazialer Fehlbildungen unter Berücksichtigung genetischer, phänotypischer und klinischer Aspekte und wird sicherlich zur Diskussion anregen. Funktionelle, psychologische und psychosoziale Effekte
Noch immer stellt die Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose sowohl Patienten als auch Behandler vor große Herausforderungen, da therapeutische Maßnahmen immer patientenspezifisch im Gesamtkontext der Grunderkrankungen abgewogen werden müssen. Jedoch wurden in den fast 20 Jahren nach der Erstbeschreibung eines Zusammenhangs zwischen der Einnahme von antiresorptiven Medikamenten und der Entstehung von Kiefernekrosen hinsichtlich der Wahrnehmung, Vorbeugung und Therapie dieser Erkrankung deutliche Fortschritte gemacht. Obwohl eine multifaktorielle Pathogenese sehr wahrscheinlich ist, mehren sich in der Literatur Hinweise darauf, dass Weichgewebe- und dentogene Infektionen im Mundbereich eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der Erkrankung spielen. Dadurch erhalten vorbeugende Maßnahmen sowie die frühzeitige Diagnose und Behandlung einen immer höheren Stellenwert. Von besonderer Bedeutung ist daher ein guter interdisziplinärer Austausch aller beteiligten Fachdisziplinen.
QR-Codescannen&Beitragonline lesen Eine der großartigsten Entwicklungen in der Zahnheilkunde seit der Jahrtausendwende ist zweifelsohne die der digitalen Volumentomographie. In Deutschland ursprünglich als Computertomographie des Kopfes gestartet, war sie zunächst chancenlos, da der Begriff durch die Neuroradiologie belegt war. Über die Bezeichnung „dentale digitale Volumentomographie“ hat sie sich heute als „digitale Volumentomographie“ (DVT) voll etabliert und ihreWeiterentwicklung ist längst noch nicht abgeschlossen. Ein Verdienst der Autoren ist es, in einer Phase, inder stets neue Gesichtspunkte in den technisch-physikalischen, paraklinischen und klinischen sowie diagnostischen und gesetzlichen Bereichen hinzukommen, einen Schnitt zu setzen und das bisherige Wissen festzuhalten und nachlesbar zu gestalten. Ein Buch bzw. ein Atlas über die stolze DVT ist nicht nur begrüßenswert, sondern auch notwendig. In6Kapiteln–vondenGrundlagenüber den DICOM-Viewer, die Anwendungsgebiete in der Zahnheilkunde, MKG-Chirurgie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Orthopädie, Unfallchirurgie sowie die intraoperativen Einsatzmöglichkeiten bis hin zur virtuellen Operationsplanung und den gesetzlichen Bestimmungen – wird die DVT nicht ausschweifend, sondern präzise abgebildet. Dahingestellt sei, ob vor dem Hintergrund der Spezialisierung der Zahnund Allgemeinmedizin und angesichts der verschiedenen Interessenlagen der Lesergruppen eine solche globale DVT-Darstellung sinnvoll ist und eine ausschließlich fachspezifische Abhandlung nicht besser geeignet wäre. Markant werden Merksätze und Praxistipps in den einzelnen Kapiteln farblich abgesetzt und herausgehoben, was auch der schnelleLeser als sehr angenehmempfinden dürfte. Das Bildmaterial ist i. d. R. gut gewählt und gibt das pathologische Geschehen erkennbar wieder. Die DVT ist prinzipiell eine Zusatzuntersuchung; sie ersetzt nicht die übrige bildgebende Diagnostik (auch unter dem Aspekt des Strahlenschutzes). In den einzelnen Kapiteln wird dieser Tatsache Rechnung getragen und so finden sich abwägende Betrachtungen zum Stellenwert der DVT. Mit schematischen Darstellungen hätte das Anliegen einer Systematik der Befundableitung leichter, umfassender und verständlicher umgesetzt werden können. Im Rahmen der Grundlagenabhandlung (s. oben) hätten sich viele DVTAnwender gewünscht, dass die Prinzipien eines Befundaufbaus (Beschreibung der pathologischen Veränderungen, Formulierungen, klinisch relevante Deutlichkeit, Fazit) beispielhaft dargestellt worden wären. Eine solche Abhandlung ist auch deshalb bedeutungsvoll, weil der Untersucher im Fall einer Überweisung einen präzisen Befund zu erstellen hat (und nicht nur einen Datenträger mitgeben darf ). Der vorliegende Atlas ist als Nachschlagewerk gut geeignet und enthält sowohl für Neuanwender als auch für erfahrene Kollegen Anregungen, die eigene Arbeit zu verbessern und zu optimieren. DieAnwendungderDVT istdurcheinen Fachkundeerwerb und dessen Aktualisierung geregelt. Die rechtsverbindlichen Vorschriften werden dargelegt. Dabei findetdieneueStrahlenschutzgesetzgebung, mit der am 31.12.2018 die alte Röntgen-
In den vergangenen Jahren wurde innerhalb der DGMKG die Frage diskutiert, wie die Fortbildungsaktivitäten gebündelt werden könnten. Ausgangspunkt hierfür war die bestehende duale Struktur. Einerseits werden Fortbildungsveranstaltungen über die Akademie der DGMKG angeboten. Bei der Akademie handelt es sich um eine rechtlich unselbstständige Untergliederung des Vereins. Daneben bestehen Fortbildungsstrukturen in Form der Europäischen Fortbildungsakademie für Medizin und Zahnmedizin ( EFMZ) GmbH, einer Tochtergesellschaft (100 %) des Vereins. Die Überlegungen wurden dahingehend angestrengt, beide Aktivitäten zusammenzulegen. Aus juristischer Sicht war es naheliegend, die Aktivitäten der Akademie auf die EFMZ GmbH auszulagern. Grund hierfür war hauptsächlich das Thema des Haftungsrisikos. Käme es bei einer Akademieveranstaltung zu einem wirtschaftlichen Totalausfall in größerem Umfang, wäre dieser von der DGMKG selbst zu tragen, d. h., das Vereinsvermögen würde unmittelbar belastet. Entstünde die gleiche Situation innerhalb der EFMZ, wäre „nur“ diese Gesellschaft mit den wirtschaftlichen Nachteilen konfrontiert. Käme es hierbei zu einer massiven wirtschaftlichen Schieflage, würde dies im Zweifel „nur“ zu einer Insolvenz der EFMZ GmbH führen. Das Vermögen der DGMKG selbst wäre hiervon aber nicht vollständig betroffen, sondern nur in Höhe der Beteiligung an der EFMZ GmbH. Zur Abstimmung des steuerlichen Sachverhalts wurde im Vorfeld mit der zuständigen Finanzverwaltung eine Würdigung und Abstimmung der sich verändernden steuerlichen Rahmenbedingungen vorgenommen. Danach ist es so, dass für den Fall der Ausgliederung der Akademie auf die EFMZ GmbH die bisherigen steuerlichen Vorteile vollständig entfallen würden. Bislang war es so, dass die Überschüsse der Akademie als unselbstständige Einrichtung innerhalb der DGMKG der Körperschaftsteuer unterworfen wurden. Gewerbesteuer wurde aufgrund des Fehlens am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr nicht erhoben. Umsatzsteuerlich lag bislang eine Befreiung nach § 4 Nr. 22 a UStG vor, da die Akademie als Einrichtung i. S. d. § 4 Nr. 22 a UStG angesehen wurde, die den Zwecken des Berufsverbandes dienten. Für den Fall der Ausgliederung der Akademie auf die EFMZ GmbH würden die bisherigen steuerlichen Befreiungen im Bereich der Gewerbesteuer und Umsatzsteuer vollständig entfallen. Nach übereinstimmender Auffassung mit der Finanzverwaltung würde Gewerbesteuer zu erheben sein. Ebenso entfällt die umsatzsteuerliche Befreiung nach § 4 Nr. 22 a UStG, da die EFMZ GmbH nicht als „Einrichtung“ eines Berufsverbandes i. S. d. Vorschrift angesehen wird. Die sich hieraus ergebende steuerliche Mehrbelastung kann im unteren 6-stelligen Bereich angesiedelt werden, sodass aus steuerlicher Sicht eine Ausgliederung der Akademie von der DGMKG auf die EFMZ GmbH nicht befürwortet werden kann. Der Vorstand der DGMKG hat daher im Rahmen seiner letzten Sitzung am 07.01.2022 einstimmig entschieden, beide Strukturen getrennt fortzuführen.
In view of over 10,000 maxillary and mandibular corrections performed in Germany in 2019, errors and particularly unexpected complications are rare. However, some unexpected complications can have serious consequences for the generally young patients. Of the numerous possible complications, postoperative malalignment ("bad splits"), severe bleeding, and jaw necrosis are discussed, although this list does not claim to be complete. In light of the improvements brought about by digital planning and implementation, it would appear possible to reduce the incidence of postoperative bad splits in the future. The other complications described arise from the difficult anatomic situation in proximity to the skull base especially regarding adjacent vessels and nerves, and do not necessarily result from surgical error. However, it is pointed out that medically questionable indications should not be implemented with levity, for example with the aim of esthetic improvements which could also be achieved via less invasive means.
Periodontally accelerated osteogenic orthodontics (PAOO) has developed into an effective treatment for dentoalveolar and skeletal malocclusion. The regional acceleratory phenomenon occurs after deliberate damaging of the alveolar bone, resulting in a reduction in bone density for about 4 months. During this phase of remodeling in particular, an interdisciplinary approach with close orthodontic consultation is necessary. This 4-month phase of reduced bone density allows for accelerated tooth movement in the softer bone and avoidance of root resorption. The depicted PAOO procedure comprises a selective corticotomy, stippling, and augmentation with bone substitute material. The technique has become firmly established as a dentoalveolar treatment and also as a complementary measure during corrective osteotomy. PAOO has proven itself by accelerating conventional orthodontic processes, within a tight spectrum of extreme dentoalveolar transformations, and in selected cases for treatment of skeletal malocclusion only. If combined with a surgery-first concept or temporary anchorage devices, the treatment duration can be reduced to a quarter. In some cases of mild skeletal malocclusion, an osteotomy can be avoided. PAOO may also be offered in cases of mild relapse after osteotomy or following orthodontic treatment only.
In der postoperativen Schmerztherapie ist Metamizol ein sehr häufig eingesetztes Nichtopioidanalgetikum. Dieser Beitrag gibt für die tägliche Praxis sowohl in der Mund‑, Kiefer- und Gesichtschirurgie als auch in der Zahnheilkunde einen Überblick über die Indikationen, die wichtigsten pharmakologischen Eigenschaften, die Kontraindikationen sowie die wichtigsten Nebenwirkungen, wie eine Agranulozytose. Beschrieben wird, welche klinischen Symptome auf eine Agranulozytose hindeuten und wie dann patientenzentriert gehandelt werden muss. Darüber hinaus werden Hinweise zu rechtlichen Aspekten, zur Befunderhebungspflicht und Risikobewertung, zu vermeidbaren Aufklärungsversäumnissen sowie den Kerninhalten einer Risiko- oder Sicherungsaufklärung des Patienten gegeben. Tipps zur Dokumentation und klare Handlungsempfehlungen runden den Beitrag ab.
Piezosurgical techniques have been used in oral and maxillofacial surgery for around 35 years now. Their application in dysgnathia surgery is on the increase. The current article initially presents the development and the advantages of piezoosteotomy for dysgnathia surgery. Thereafter, the determinants of intraoperative blood loss, operation time, and neurosensory dysfunction after piezoosteotomy compared to conventional instruments are discussed based on a literature search. Piezoosteotomy is associated with reduced blood loss and improved nerve protection intraoperatively and thus postoperatively, with reliable reossification due to controlled heat production.
Lidkorrekturen zählen zu den häufigsten Eingriffen in der ästhetischen Chirurgie. Für MKG-Fachärzte stellt die Operation an den Lidern rein technisch kein Problem dar. Wichtig ist aber, die Indikation für einen Eingriff nach systematischen Überlegungen zu stellen bzw. Kombinationsbehandlungen in Betracht zu ziehen. Zu häufig wird eine Korrektur der Oberlider vorgenommen, wenn eigentlich eine Anhebung der Brauen als Ergänzung oder als Alternative angebracht wäre. Das Ziel einer Lid- oder Brauenkorrektur ist die Wiederherstellung eines offenen, wachen Blickes und eines jüngeren Erscheinungsbildes. Wird eine Pseudoblepharochalasis festgestellt, sollte bei der Behandlungsplanung das modifizierte subkutane Brauenlifting als Ersatz oder zur Ergänzung einer Blepharoplastik der Oberlider in Betracht gezogen werden. Bei männlichen Patienten, bei denen der Haaransatz sehr weit von den Brauen entfernt ist oder gänzlich fehlt, kann eine direkte Exzision oberhalb der Augenbrauen eine sehr effektive Behandlungsoption sein.
Christian Bruhn founded the first maxillofacial clinic on German soil. In addition, he became the first full professor in this field in Dusseldorf-although he was neither a licensed physician nor did he have a doctorate or habilitation. But how can this striking discrepancy between his formal qualifications and his actual career be explained? To what extent can Bruhn be considered the doyen of maxillofacial surgery despite his purely dental training? And how did he behave politically in the Third Reich? The present article provides answers to these questions. The central sources are contemporary archival documents and printed writings. The analysis shows that Bruhn experienced an unsteady and difficult youth as an orphan. He developed into a socially maladjusted but eminently assertive advocate of his convictions and interests. As a scientist, he made contributions to "surgical" maxillofacial orthopedics and prosthetics. Even more significant, however, was his impact on professional policy: despite continued resistance, he achieved the affiliation of his clinic to the Dusseldorf Medical Academy. In addition, he led August Lindemann, the first maxillofacial surgeon in Germany, to a habilitation in maxillofacial surgery. Against the background of these achievements and accomplishments, Bruhn is to be regarded as a pioneer of today's maxillofacial surgery-irrespective of his formally limited qualifications. In political terms, Bruhn belonged to those specialists who kept their distance from National Socialism. There is no evidence of his membership in Nazi organizations or political activities.
Die Etablierung einer Therapieambulanz für die medikamentöse Tumortherapie setzt, neben dem medizinischen Wissen um Indikationen und unerwünschte Wirkungen, eine gute logistische Planung voraus. Hierbei sollte man sich gut in die vor Ort vorhandenen interdisziplinären Netzwerke integrieren, um v. a. im Problemfall schnell Lösungen anbieten zu können. Diese Vernetzung hat auch positive Auswirkungen über die reine Infusionstherapie hinaus, stärkt den jeweiligen Standort und verbessert die Patientenversorgung. Eine große Hilfe, insbesondere für neue Kollegen, stellt die Verwendung standardisierter Protokolle und Vorgehensweisen dar. Dadurch werden Fehler vermieden und die Patientensicherheit wird erhöht. Dem schweren Krankheitsstadium der Patienten sollte zudem durch Schaffung einer angenehmen Umgebung Rechnung getragen werden.
In private practice, we are confronted with an increase in basal cell carcinomas in the facial area, particularly in patients aged 70-90 years. In this context, multimorbidity and simultaneous occurrence of multiple basal cell carcinomas complicate the classical technique of plastic coverage using regional or pedicled flaps. This has led us to search for alternative concepts for wound closure of "skin" defects after tumor resection. On the basis of nine case presentations, we present a procedure that essentially consists of pulling together the edges of the wound in the scalp area over a period of about 3 months with wire cerclage, or in other facial areas with repeated circular, continuous interlocking suture. This procedure is flanked in the face by cover plates borrowed from dental surgery and the wound is covered by Mucograft (R) membrane (Geistlich Biomaterials, Baden-Baden, Germany). Although the latter has already been used clinically before, it is still currently regarded as off-label use. From both the practitioner's and the patient's perspective, the advantages of minimally invasive wound closure, the reduction of the risk of complications, and the lower scarring outweigh the additional time required.
Die Diagnostik von Vorläuferläsionen und frühenStadiendesMundhöhlenkarzinoms stellt für alle klinisch inderMundhöhle tätigenKolleginnen/Kollegeneinekontinuierliche Herausforderung dar. Obwohl sich in den vergangenen Jahrendie Aufmerksamkeit für Mundschleimhautläsionen kontinuierlich verbessert hat, werden immer noch zahlreiche Karzinome erst in späten Stadien erkannt. Mit der flächendeckenden Verfügbarkeit hochauflösender optischer Sensoren in Smartphone-Kameras ergibt sich, zusammen mit den Entwicklungen in der automatisiertenMustererkennungimKontext künstlicher Intelligenz, die Möglichkeit, diagnostische Prozesse durch Algorithmen des maschinellen Lernens zu unterstützen. EinechinesischeArbeitsgruppe hat hierzu für das Mundhöhlenkarzinom eine interessante Anwendung entwickelt, die Hinweise für zukünftige diagnostische Applikationen geben kann.
Ameloblastome sind seltene, lokal invasiv wachsende Neubildungen der Kieferknochen, die zur Gruppe der benignen odontogenen Tumoren gezählt werden. In der Mehrzahl der Fälle (80 %) ist der Unterkiefer betroffen. Die Tumoren wachsen langsam und metastasieren i. d. R. selten. Ameloblastome weisen aufgrund einer ausgeprägten lokoregionären Invasion v. a. bei konservativ-chirurgischer Therapie (Enukleation oder Kürettage) eine hohe Rezidivrate auf. Die aktuelle Therapieempfehlung besteht in der lokalen In-sano-Resektion mit ausreichendem Sicherheitsabstand und bevorzugt einzeitiger Rekonstruktion bei histologischer Diagnosesicherung. Der Fortschritt in der molekularen Typisierung dieser Tumoren hat Mutationen im Bereich des BRAF-Gens aufgezeigt. Bei systemischer Metastasierung oder inoperablen, lokal fortgeschrittenen Rezidiven mit dieser Mutation kann eine entsprechende Antikörpertherapie (BRAF-Inhibition) zur Krankheitsremission führen.