
Der Artikel skizziert Notwendigkeiten und Potenziale für eine Ausweitung von Webarchivierungsaktivitäten durch Kompetenzaufbau und Infrastruktur vor dem Hintergrund andauernder Verluste des digitalen Kulturerbes im Web. Für den Bereich Kompetenzaufbau wird eine Reihe von Workshops zur Einführung in die Webarchivierung an der Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin sowie das Rahmenkonzept für eine partizipative Webarchivierung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin dokumentiert. Mit Bezug zur Verlustbeschreibung und zu Bedarfen aus den Workshops wird ein Vorschlag für eine minimale kooperativ nutzbare Webarchivierungsinfrastruktur auf Basis der Software Browsertrix vorgestellt.
In diesem Beitrag werden Anzeigen untersucht, welche zwischen 1905 und 1924 in zwei deutschen volksbibliothekarischen Zeitschriften publiziert wurden. Diese Anzeigen, grösstenteils von Firmen geschaltet, zielten auf Bibliotheken als potentielle Käufer*innen. Sie wurden nur in wenigen Fällen aufbewahrt und stellen deshalb eine selten genutzte historische Quelle dar, obgleich sie zeigen, was damals als potentiell «verkaufsfähig» für Bibliotheken angesehen wurde. Die Auswertung ergibt, dass in den ersten Jahren Verlage und Buchhandlungen überwogen, dann ab 1911 auch Anbieter von Bibliotheksregalen und Büromaterialien hinzutraten. Die Verlage boten, anders als heute, vorrangig Belletristik (Romane, Erzählungen etc.) an, seltener populäre Sachbücher. In den Anzeigen spiegelt sich wider, dass die damaligen deutschen Volksbibliotheken anders funktionierten als heutige Öffentliche Bibliotheken.
Der Artikel stellt anhand von Schlaglichtern vor, inwiefern Datensouveränität aktuell ein Thema in verschiedenen Arbeitsbereichen von Bibliotheken ist. Er kondensiert die Diskussionsinhalte von mehreren Veranstaltungen des VDB, in denen Datensouveränität zum Thema gemacht wurde, aus Perspektive der VDB-Kommission für Fachreferatsarbeit.
In diesem Praxisbericht werden die Ergebnisse des Hands-on-Projekts „automatisierte Sacherschließung mit Annif für die RVK-Vergabe in der Hessischen Bibliographie” vorgestellt. Das Projekt war Bestandteil des Referendariats an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS) und wurde im Sommer 2025 im Sachgebiet Sacherschließung & Bibliographien realisiert. Ziel war es, das Open-Source-Werkzeug Annif der Finnischen Nationalbibliothek zur automatisierten Schlagwortvergabe (Subject Indexing) unter den Bedingungen begrenzter zeitlicher und IT-technischer Ressourcen in einem Testbetrieb zu erproben, um einen ersten Einblick in die Möglichkeiten der automatisierten Sacherschließung (AutoSE) zu gewinnen. Der Beitrag plädiert für die Umsetzung agiler, leichtgewichtiger Projekte zur Erprobung von Tools für maschinelles Lernen im Rahmen der Ausbildung des Wissenschaftlichen Dienstes in Bibliotheken.
Editorial zum Themenschwerpunkt "Literatur und Daten in Gefahr – die Sicherung des freien Zugangs zu Informationen in Zeiten politischer Einflussnahme".
Der Beitrag beschreibt die agile Entwicklung mehrerer Repositorien auf Basis von InvenioRDM an der Universitäts- und Landesbibliothek Münster. Ziel des Projekts ist die Ablösung bestehender, teils eigenentwickelter Systeme durch eine nachhaltige, modulare Open-Source-Lösung. Der Bericht beleuchtet zentrale Herausforderungen bei der technischen und organisatorischen Umsetzung im Hochschulkontext, insbesondere im Spannungsfeld zwischen etablierten Arbeitsweisen und agilen Prinzipien. Im Fokus stehen praxisnahe Lösungsstrategien, Best Practices im Projektalltag sowie Überlegungen zur Übertragbarkeit auf andere Einrichtungen. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich technische Erneuerung, Nutzerorientierung und offene Softwareentwicklung erfolgreich verbinden lassen.
Bibliotheken haben aus vielfältigen Gründen ein Interesse daran, etwas darüber zu erfahren, wie ihre Ressourcen in Anspruch genommen und Services nachgefragt werden. Allerdings wird gerade die Nutzung von Bibliotheken als Ort, die in den vergangenen Jahren immer weiter an Bedeutung gewonnen hat, im Regelfall statistisch nur schwach und teils wenig differenziert beleuchtet. Dieser Artikel möchte daher einige Schlaglichter auf den Status quo der Messung von Besuchszahlen werfen. Dabei werden methodische Aspekte ebenso berührt wie Anwendungsszenarien für gewonnene Daten oder die Frage, wie neue Metriken Erkenntnisse generieren können.
Eine gute Ausbildung umfasst viele Aspekte - einer davon ist die Motivation der Auszubildenden sowie der ausbildenden Kolleg*innen. Es ist mehr notwendig, als nur die Abarbeitung vorgeschriebener Lehrpläne bei der Ausbildung zur/zum Fachangestellte/n für Medien- und Informationsdienste oder die Umsetzung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung im Bibliotheksreferendariat. Der Beitrag zeigt, mit welchen Maßnahmen die TIB - Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek nicht nur während, sondern auch nach der Ausbildung sowohl Auszubildende als auch Ausbilder*innen unterstützt und motiviert. Klassische Methoden wie Feedbackgespräche oder (eigenverantwortliche) Projektwochen stehen dabei neben Themen wie Fort- und Weiterbildung im Kontext Ausbildung, interne sowie externe Vernetzung oder auch individuelle Weiterentwicklung als Personalbindungsmaßnahme. Der Schwerpunkt liegt im folgenden Beitrag auf der Ausbildung der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste mit Ausblicken auf das Bibliotheksreferendariat sowie der Vernetzung zur Hochschule Hannover.
Internationalization is a central component of the institutional profile development of German universities, which is why it is important to systematically advance and strengthen it. It also applies to university libraries which are increasingly challenged to strengthen inclusive, accessible and culturally responsive services especially for foreign students. This paper presents the case study of University of Passau where the concept of a library ambassador was strategically reinterpreted and adopted as “International Library Ambassador” in order to address specific needs and challenges of the international students. It outlines the developmental process over the first eight months which includes needs assessment, role design, targeted outreach, communication support, and a variety of engagement activities. Since the project is still a work in progress, we have also documented early observations, key takeaways, and some ideas for future implementation. The focus in general is to help international students and the library staff manage linguistic, cultural, and structural barriers. The model is transferable and can therefore be used by other academic libraries seeking to enhance support structures for international students in today’s evolving higher education landscape.
Externe Wissenschaftskommunikation – die Kommunikation mit Lai*innen – umfasst vielfältige Ausprägungen und Aktivitäten und gewinnt für wissenschaftliche Bibliotheken als ein Teil der forschungsnahen Dienste zunehmend an Bedeutung. Auf Grundlage einer zunächst vorgestellten Arbeitsdefinition beleuchtet dieser Artikel mögliche Formen, Modelle und beteiligte Akteur*innen, um ein Verständnis der verschiedenen Ausprägungen von Wissenschaftskommunikation herzustellen und externe von interner (innerhalb des Wissenschaftssystems) Wissenschaftskommunikation abzugrenzen. Wissenschaftliche Bibliotheken werden in ein Kommunikationsnetzwerk eingeordnet und ihre Funktionen darin beschrieben. Die Theorie wird anhand zweier Beispiele aus dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT in der Praxis dargestellt, die wissenschaftliche Bibliotheken gemeinsam mit weiteren Vorschlägen, wie sie selbst aktiv werden könnten, zu externer Wissenschaftskommunikation anregen sollen.
Wissenschaftliche Bibliotheken verzeichnen einen starken Medienzuwachs, deren inhaltliche Erschließung personell kaum stemmbar ist. Dieser Beitrag stellt MILHOUSE vor, ein an der Universitätsbibliothek Magdeburg entwickeltes, auf großen Sprachmodellen basierendes Werkzeug zur (semi-)automatisierten Zuordnung von Notationen einer Fachsystematik. Die Anwendung reichert Titel mit geeigneten Metadaten an, nutzt strukturierte Prompts mit festen Ausgabeschemata und integriert eine Plausibilitätsprüfung zur Reduktion modellbedingter Halluzinationen. Die Bewertung der Qualität der Ergebnisse wird in einem Human-in-the-Loop-Ansatz sichergestellt. MILHOUSE wurde in einem produktionsnahen Einsatz (Q3 2025) von den Fachreferentinnen und Fachreferenten der Universitätsbibliothek Magdeburg praktisch erprobt. Der Beitrag stellt die Potenziale dieses niedrigschwelligen Ansatzes dar und skizziert Gestaltungsprinzipien für eine schnelle, verantwortungsvolle Integration Künstlicher Intelligenz in bibliothekarische Workflows.