
Die Psoriasis wird heute als multifaktorielle, entzündliche, immunmediierte Systemerkrankung mit vorrangiger Manifestation am Hautorgan aufgefasst. In etwa einem Drittel der Fälle beginnt sie bereits im Kindes- und Jugendalter und geht oft mit einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität Betroffener und ihrer Eltern einher. Neben der genetischen Disposition sind Triggerfaktoren wie Streptokokkeninfektionen maßgeblich an der Manifestation und an Exazerbationen beteiligt. Auch die bereits in dieser Altersgruppe nachteilige Rolle von Komorbiditäten, allen voran die Adipositas, wurde inzwischen gut belegt. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich durch die Zulassung von nunmehr 5 Biologika im Kindesalter erheblich verbessert, werden aber noch unzureichend genutzt. Der vorliegende Beitrag gibt einen kurzen Überblick über den heutigen Wissensstand und die Empfehlungen der aktualisierten deutschen Leitlinie. Neben den häufigen Typen werden auch ungewöhnlichere Erscheinungsformen wie die pustulöse, die ekzematisierte und die durch TNF(Tumornekrosefaktor)-α-Inhibitoren induzierte „paradoxe“ Psoriasis thematisiert.
Zusammenfassung Die Kontaktbeschränkungen während der COVID-19-Pandemie haben die Bildungsteilhabe von Kindern und Jugendlichen massiv eingeschränkt, sowohl im Bereich der Kindertagesbetreuung als auch in den Schulen. Im Lockdown brachen v. a. für junge Kinder vielfach die Kontakte zu Freunden und Kita ab. Sowohl die Qualität der Interaktionen zwischen Fachkräften und Kindern als auch die der Kinder untereinander litt unter der Vielzahl der Schutzmaßnahmen, der hohen Fluktuation der anwesenden Kinder und dem Personalmangel. Pandemiebedingte Gruppenschließungen in der Kindertagesbetreuung betrafen verstärkt Einrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern aus sozial benachteiligten Haushalten, und der Anteil der Kinder mit erhöhtem Förderbedarf stieg. Auch Schulen und Familien waren mit den Herausforderungen unzureichender Digitalisierung konfrontiert. Digitaler Unterricht erreichte häufiger ältere und leistungsstärkere Schüler:innen aus sozial bessergestellten Familien. Die Lernzeit hat sich im Distanzunterricht phasenweise durchschnittlich halbiert und sank v. a. bei fehlendem Kontakt zu den Lehrkräften sowie für leistungsschwache Schüler:innen. Nationale und internationale Trenddaten verweisen auf substanzielle Lernrückstände, insbesondere bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien mit geringem kulturellen Kapital und aus zugewanderten Familien, wobei die oft ungünstigeren Lernbedingungen und eingeschränkten Unterstützungsmöglichkeiten in diesen Familien vielfach ausschlaggebend waren. Zudem entfielen im Lockdown außerschulische Erfahrungsräume. In der Post-COVID-Bildungsstrategie sollte stärkeres Gewicht auf das ganzheitliche Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen gelegt werden, um den erfahrenen Einschränkungen und Belastungen gerecht zu werden.
Die COVID-19-Pandemie stellte besondere Herausforderungen an die in Deutschland existierenden Strukturen zur Impfprävention bezüglich (1) des Verständnisses der Rolle und Ziele der Akteure und des Interesses der Kinder; (2) der Definition adäquater Kriterien zur Beurteilung des Risikos für schwere Erkrankungen bei Kindern. Unterscheiden sich die Prioritäten unterschiedlicher Interessengruppen bei Empfehlungen zur COVID-19-Impfung? Welche Daten zur Pathogenität unterschiedlicher Varianten des „severe acute respiratory syndrome coronavirus 2“ (SARS-CoV‑2) sind nötig, und wie veränderten sich diese im Verlauf der Pandemie? Die Perspektiven von Public Health sowie der Kinder und ihrer Eltern werden anhand von Daten und Veröffentlichungen zum Verlauf der COVID-19-Pandemie in Deutschland analysiert. Die Perspektiven von Politik und Kindern unterscheiden sich, sind aber legitim, wenn sie klar benannt werden. Das für Impfentscheidungen aus Perspektive der Kinder entscheidende Risiko für schwere Verläufe oder das „paediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with SARS-CoV‑2“ (PIMS-TS) pro 10.000 SARS-CoV‑2-Infektionen, nahm im Verlauf der Pandemie mit Dominanz der Omikron-Varianten ab. Schwere Verläufe bei COVID-19 betreffen weiterhin überwiegend Kinder mit Grundkrankheiten. Die altersstratifizierte Analyse von geimpften und ungeimpften Kindern zeigt, dass sich die Veränderungen in der Viruspathogenität im Verlauf der Pandemie insbesondere in dem abnehmenden PIMS-TS-Risiko widerspiegeln. Die allgemeine Reduktion der schweren COVID-19-Verläufe wiederum lässt sich durch die „Variants-of-concern“(VOC)-Eigenschaften, zunehmende Impfrate und Immunität nach einer SARS-CoV‑2-Infektion erklären. Das Hauptziel der COVID-19-Impfung für Kinder und Jugendliche ist die Verminderung von schweren Krankheitsverläufen. In pädiatrischen Risikogruppen sollte eine bestmögliche Immunität/Immunprotektion durch eine Impfung angestrebt werden. Ob eine Impfung nachwachsender gesunder Kinderkohorten oder Nachimpfung bei bereits infizierten/geimpften Kinderkohorten – mit dem Ziel einer hybriden Immunität – nötig ist, kann derzeit nicht beurteilt werden.
According to the annual global reports from the Word Health Organization (WHO), children under 15 years of age represent 11% of all cases of tuberculosis (TB) globally. Nearly 50% of these cases are children below 5 years old. This continuing medical education (CME) article provides an overview of the current recommendations and innovations based on the revised WHO guidelines on TB management in children and adolescents published in 2022.
Background: The COVID-19 pandemic has had a substantial impact on the daily life of children and adolescents due to lockdowns, contact restrictions, closings of childcare, schools and leisure facilities. Objective: This article examines the impact of the pandemic on the mental health of children and adolescents in Germany. Material and methods: In the population-based longitudinal COPSY study (COVID19 and Psychological Health) 1600 parents of children aged 7-17 years old and 1000 children and adolescents aged 11-17 years old completed established questionnaires at 5 online survey points (t1: May and June 2020 to t5: September and October 2022). For comparison, pre-pandemic data were obtained from the representative BELLA study. Results: During the pandemic the portion of children and adolescents, who reported a low health-related quality of life, increased frompre-pandemic 15% to 48% in the first year of the pandemic and improved in year 3 to 27%. This is still substantially above pre-pandemic levels. Similar trajectories were found formental health problems which rose from 18% (pre-pandemic) to 31% and improved in year 3 to 23%. For anxiety and depression, the changes were similar except that depressive symptoms returned to pre-pandemic levels in year 3. The physical activity of almost one third of the youth was still very low in year 3. Conclusion: The mental health of children and adolescents was ignored during the pandemic for a long time. Now support and allocation of funding is urgently needed to mitigate the negative mental health effects and prevent further impairment by new crises.
International travels with children need special planning and preparation. Besides considering general aspects, such as the age of the child, physical fitness, pre-existing illnesses, type and extent of the journey, climatic conditions at the destination and previous travel experiences, it is important to discuss relevant travel-associated risks in the context of travel consulting. This includes extensive advice concerning mosquito protection and malaria prophylaxis and counselling and implementation of travel vaccinations. Depending on the situation of the family, an individualized travel concept can be prepared, creating the foundation for a possible problem-free international travel.
Chronic pain in children and adolescents is often of multifactorial origin. The psychological stress of the patients is extremely high and is often influenced by excessive diagnostics. A pain diary as well as specific questionnaires concerning pain and depression can help to diagnose a chronic pain syndrome in the outpatient care.The treatment of chronic pain is based on a multimodal concept, which needs a multiprofessional team. The structure of outpatient treatment for this group of patients is sometimes still insufficient in Germany, which is why the treatment is nearly exclusively carried out in hospital. This is closely correlated with the success of treatment because otherwise the acquired strategies cannot be implemented into the routine use.
Zusammenfassung Schwere kutane Arzneimittelreaktionen kommen auch bei Kindern vor und reichen von blasenbildenden Reaktionsformen der Haut und Schleimhaut bis zu ausgedehnten Exanthemen mit Blutbildveränderungen und Beteiligung innerer Organe. Zu den erstgenannten gehören das Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und die toxische epidermale Nekrolyse (TEN), die als eine Krankheitsentität mit verschiedenen Schweregraden angesehen und auch als „epidermale“ oder „epitheliale Nekrolyse“ (EN) zusammengefasst werden. Die Gruppe der Arzneimittelreaktionen mit primär systemischen Veränderungen wird durch eine als „drug reaction with eosinophilia and systemic symptoms“ (DRESS) bezeichnete Reaktionsform repräsentiert. Obwohl die EN allgemein als Arzneimittelreaktion gilt, lässt sich bei Kindern nur in der Hälfte der Fälle ein medikamentöser Auslöser ausmachen. Erst nach einer klaren Diagnosestellung sollten spezifische therapeutische Maßnahmen folgen, wobei das Absetzen des auslösenden Agens bei arzneimittelinduzierten Fällen die entscheidende Rolle spielt. Um das verursachende Arzneimittel identifizieren und absetzen zu können, muss eine sehr detaillierte Arzneimittelanamnese erhoben werden. Zu den hochverdächtigen Auslösern von EN und DRESS bei Kindern gehören bestimmte Antiepileptika, Sulfonamide und Sulfasalazin. Die supportive Therapie mit entsprechenden Lokalmaßnahmen, Schmerztherapie, augenärztlicher Mitbetreuung etc. ist bei EN unersetzlich, doch hat sich eine kurzzeitige immunmodulierende Therapie mit Cyclosporin A als hilfreich erwiesen. Bei DRESS hingegen wird eine mittel- bis längerfristige systemische Therapie mit Glukokortikosteroiden empfohlen.
Refugee children and adolescents with chronic diseases and disabilities are among the most vulnerable persons as their health and developmental chances are considerably at risk. This article describes the challenges and opportunities in the care of this group of patients from the perspective of different care sectors: initial reception center, public health service, pediatricians in private practice, social pediatric centers and patient organizations. The starting point is a presentation of the rights to optimal healthcare that can be derived from the United Nations (UN) Convention on the Rights of Persons with Disabilities and the UN Convention on the Rights of the Child. It becomes clear that for children and adolescents in the status of asylum seekers there are systematic gaps in the recognition and care of chronic diseases, disabilities and support needs. An expansion of the health examination after arrival, which has so far focused on the detection of communicable diseases, is important and necessary in order to identify individual needs and improve the data situation for this group. A strengthening of the school entry screening by the public health service, especially for older children entering school as lateral entrants, could also significantly improve the nationwide coverage. In contrast to these deficits, which require changes at the political level, there are innovative models of care, especially in local contexts, such as pediatric consultation clinics in initial reception centers, diverse examples of voluntary commitment or the use of social media in patient organizations, which are presented as examples.
Zusammenfassung Das vorliegende Konsensuspapier bietet in Ergänzung zur AWMF-S1-Leitlinie eine Übersicht über die verschiedenen klinischen Aspekte von Long COVID im Kindes- und Jugendalter. Es wurde von Vertreter:innen aus 19 Fachgesellschaften des DGKJ-Konvents und kooperierenden Fachgesellschaften erstellt und bietet Expertenempfehlungen für die Praxis auf Grundlage der bisherigen, noch geringen studienbasierten Evidenz zu Long COVID im Kindes- und Jugendalter. Es enthält Screeningfragen zu Long COVID sowie einen Vorschlag zur strukturierten, standardisierten pädiatrischen Anamnese und zur diagnostischen Evaluation bei V. a. Long COVID . Dazu werden ein zeit- und ressourcensparender Erfassungsbogen, der die Komplexität des Krankheitsbildes berücksichtigt, über die Internetseiten der DGKJ und DGPI zur Verfügung gestellt und weitere Fragebögen zur Abklärung von spezifischen neurokognitiven und/oder psychischen Störungen sowie post-exertioneller Malaise (PEM) und myalgischer Enzephalomyelitis/chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) benannt. Anhand der jeweiligen anamnestisch und klinisch ermittelten Hauptsymptome werden ein gestuftes, diagnostisches Vorgehen und eine multidisziplinäre Betreuung empfohlen.
Meningokokkenerkrankungen sind selten, führen jedoch zu einer hohen Morbidität und Mortalität. Das Risiko, sich erneut mit einem anderen oder dem gleichen Serotyp zu infizieren, ist nach durchgemachter Infektion und bei bestimmten Vorerkrankungen wie Komplementdefekten deutlich erhöht. Die Kommission hält folgendes Vorgehen für sinnvoll: Kinder und Jugendliche ohne vollständigen Meningokokkenimpfstatus sollten unmittelbar nach Ausheilung einer invasiven Meningokokkenerkrankung eine Impfung mit 4CMenB (Bexero®, Trumenba®) und/oder eine Impfung gegen die Serogruppen A, C, W und Y (Menveo®, Nimenrix®, MenQuadfi®) nach Vorgabe der Fachinformationen erhalten. Ein vorheriges isoliertes Screening auf Komplementdefekte ist für die Impfentscheidung bei diesen Patienten nicht erforderlich.
Malaria is one of the most dangerous infectious diseases in the world. It occurs in tropical and subtropical regions and affects about 40% of the world´s population. In endemic regions, an estimated 200 million people contract malaria each year. Three-quarters of all global deaths (about 600 per year) are children under 5 years of age. Thus, malaria is one of the most relevant tropical and also childhood diseases in the world. Thanks to various public health measures such as vector control through mosquito nets or the targeted use of insecticides as well as the use of antimalarial prophylaxis drugs, the incidence has already been successfully reduced in recent years. However, to reduce the risk of malaria and to protect children effectively, further measures are necessary. An important part of these measures is an effective vaccination against malaria. However, the history of research shows that the development of an effective malaria vaccine is not an easy undertaking and is associated with some complications. Research into possible vaccines began as early as the 1960s. However, the results achieved were rather sobering and the various vaccines fell short of their expectations. It was not until 2015 that the vaccine RTS,S/AS01 received a positive evaluation from the European Medicines Agency. Since then, the vaccine has been tested in Africa. However, with the COVID-19 pandemic, there are new developments in vaccine research that could also benefit malaria research. These include, among others, the so-called mRNA vaccines. Already in the early 1990s, an immune response triggered by an mRNA vaccine was described for the first time. Since then, mRNA vaccines have been researched and discussed for possible prophylaxis. However, it was not until the COVID-19 pandemic that these vaccines experienced a veritable progress. mRNA vaccines against SARS-CoV-2 were rapidly developed and achieved high efficacy in studies. Based on this success, it is not surprising that companies are also focusing on other diseases and pathogens. Besides viral diseases, such as influenza or AIDS, malaria is high on this list. Many pharmaceutical companies (including the German companies BioNTech and CureVac) have already confirmed that they are researching mRNA vaccines against malaria. However, this is not an easy task. The aim of this article is to describe and discuss possible antigens that could be considered for mRNA vaccination. However, this topic is currently still very speculative.