
Die Zulassung der Triptane gilt als Meilenstein der Migränebehandlung, aber verschiedene Untersuchungen legen nahe, dass die Substanzen immer noch zu selten verschrieben, aber auch zu selten bestimmungsgemäß eingenommen werden. Mediziner aus Innsbruck legen neue Daten dazu vor.
Der Einsatz von Opioiden erfolgt heute nicht mehr nur bei Tumorschmerzen, sondern auch bei einer ganzen Reihe anderer chronischer Schmerzsyndrome. Damit geht aber eine erhöhte Rate von Nebenwirkungen und Todesfällen einher. Einige Studien berichten von einer Verminderung von Opioidüberdosierungen, nachdem der medizinische Gebrauch von Cannabis gesetzlich erleichtert wurde. Forscher aus Ann Arbor sind dem jetzt nachgegangen.
auch dieses Jahr fand am ersten Dienstag im Juni der bundesweite „Aktionstag gegen den Schmerz“ statt. Schmerzpatienten und ihre Angehörigen konnten sich gezielt über Behandlungsmöglichkeiten informieren und beraten lassen: Schmerztherapeutische Einrichtungen in ganz Deutschland gaben Einblicke in die verschiedenen Methoden der Schmerzbehandlung, die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. stellte Informationsmaterialien, Patienten wurden aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten erklärt und eine Experten-Hotline beriet bei allen dringenden Fragen.
das Spektrum an verschreibungsfähigen Schmerzmitteln wird wohl demnächst um einen interessanten Kandidaten erweitert: Cannabis soll zukünftig im Einzelfall auf Kassenkosten erhältlich sein, u. a. bei verschiedenen therapierefraktären Schmerzzuständen. Ein Grund zur Freude z. B. für den Deutschen Hanfverband: Er hat schon eine Broschüre „Cannabis als Medizin“ erstellt und gibt Tipps, wo und wie man an Cannabinoid-Medikamente kommt. Die grundsätzliche Freude sollte aber auch den bisher eher bescheidenen Wirksamkeitsnachweis berücksichtigen (s. Meldung der Dt. Schmerzgesellschaft in der Rubrik „News aus der Medizin“).
im Februar 2013 erschien die erste Ausgabe des „Journal Club Schmerzmedizin“. Unser Ziel mit diesem Zeitschriften-Format war es, die neuesten wissenschaftlichen Studien des vergangenen Quartals im Bereich Schmerzmedizin zusammenzufassen, aufzubereiten und ausführlich zu kommentieren. Ergänzt wurde dies um jeweils eine aktuelle Leitlinie, die kompakt vorgestellt wurde. Gerade die Interdisziplinarität und der Blick über den Tellerrand, die die Schmerzmedizin auszeichnet und als Fach so erfolgreich macht, wollten wir im Journal Club Schmerzmedizin repräsentieren.
Der Einsatz von Opioiden bei chronischen Schmerzen wird wegen Nebenwirkungen, problematischer Medikamentenennahme und Abhängigkeitsrisiko bei Nichttumorpatienten zunehmend kritisch gesehen. Nur wenige Studien haben bisher Wirksamkeit und Verträglichkeit in der Langzeittherapie untersucht, dennoch steigt die Anzahl der Verschreibungen. Mehr Klarheit über Verschreibungsmuster und Nebenwirkungsprofil verspricht man sich von der australischen Kohortenstudie Pain and Opioid IN Treatment (POINT).
Rund 45 % der Bevölkerung > 60 Jahre leiden an einer Lumbalkanalstenose, die häufig einen invasiven chirurgischen Eingriff zur Folge hat. Dennoch weisen danach bis zu 40 % der Betroffenen eine physische und psychische Beeinträchtigung und eine geringere Lebensqualität auf als die Allgemeinbevölkerung. Die Arbeitsgruppe um Kristin R. Archer konnte bereits Angst vor Bewegung, Vermeidungsverhalten und depressive Symptomatik als unabhängige Risikofaktoren identifizieren.
A. Johansen ging der Frage nach, inwieweit eine Beziehung zwischen chronischen postoperativen Schmerzen und individuellen Symptomangaben von Patienten sowie psychophysiologischen Tests besteht.
Der Frage „Wie häufig müssen die Werte von Schmerzscores erhoben werden, damit sie eine verlässliche Basis für klinische Studien bilden?“ gingen die Ärzte um Mark P. Jensen von der Klinik für Rehabilitationsmedizin der Universität von Washington, USA, nach.
Auch wenn die mit einer Blutentnahme verbundenen Schmerzen gering erscheinen, können sie doch bei bis zu 10 % der Erwachsenen zu vasovagalen Symptome führen. Die vorherige Applikation eines Lokalanästhetikums könnte helfen, wenn sie nicht ebenfalls mit einem Nadelstich verbunden ist. Bei entsprechenden Pflasterzubereitungen dauert es relativ lange bis zum Wirkungseintritt – ein neues Applikationssystem bietet möglicherweise Vorteile.
Neuropathische Schmerzen treten bei 7–8 % der Bevölkerung auf. Die Schmerzen werden häufig chronisch und führen zu einer lang andauernden Einschränkung der Lebensqualität. Ein wesentlicher pathophysiologischer Mechanismus ist dabei die neuronale Übererregbarkeit sowohl im Axon und im Zellkörper als auch im peripheren Nozizeptor.
Glutamatantagonismus scheint eine Schlüsselaufgabe bei Migräneanfällen zu sein. Bisher in der Behandlung von moderaten bis schweren Demenz-Formen vom Alzheimer-Typ eingesetzt, könnte der NMDA-Antagonist Memantin eine besondere Rolle in der Migräneprophylaxe einnehmen.
Seit 1999 veröffentlicht das „Australian and New Zealand College of Anaesthesists“ (ANZCA) in Zusammenarbeit mit seiner Fakultät für Schmerzmedizin (Faculty of Pain Medicine der ANZCA, FPMANZCA) eine evidenzbasierte Leitlinie zur akuten Schmerztherapie mit dem Titel „Acute pain management: scientific evidence“ 1. Diese wird alle 5 Jahre aktualisiert 2, 3. Die letzte (vierte) Auflage wurde im Dezember 2015 vorgestellt. Sie ist auf der Website der FPMANZCA (http://fpm.anzca.edu.au/Resources/Publications) als frei verfügbares PDF und seit Mai 2016 auch als Buch erhältlich 4. Diese Reihe von Veröffentlichungen hat sich in den vergangenen 16 Jahren zu einer weltweit anerkannten Referenz zur akuten Schmerztherapie entwickelt. Auch die jetzt erschienene Ausgabe wurde von zahlreichen nationalen und internationalen Organisationen wie z. B. der IASP formal empfohlen 5.