
Zusammenfassend wird im ESC-Konsensuspapier die Bedeutung von Impfungen als essenzieller Bestandteil der kardiovaskulären Prävention überzeugend dargestellt. Dennoch bleiben zahlreiche Fragen offen, insbesondere hinsichtlich der Wahl des optimalen Impfstoffs, der Mechanismen der Impfstoffwirkung sowie spezifischer Strategien für besondere Risikogruppen. Weiterführende Forschung ist notwendig, um diese Evidenzlücken zu schließen und die Grundlage für evidenzbasierte Empfehlungen zu erweitern. Trotz dieser Einschränkungen basieren die aktuellen Empfehlungen für bestimmte Impfstoffe, insbesondere für Influenza‑, Pneumokokken- und SARS-CoV-2-Impfstoffe, auf einer soliden Studienlage. Für andere Indikationen und spezielle Patientengruppen ist jedoch künftig spezifische klinische und experimentelle Forschung notwendig, um die kardiovaskuläre Prävention durch Impfstrategien weiter zu verbessern [1]. Eine interdisziplinäre, translational ausgerichtete Forschungsagenda für Impfstoffe und Impfstrategien ist notwendig, die klinisch-immunologische, epidemiologische und gesundheitsökonomische Aspekte verbindet. Ziel muss es sein, das volle Potenzial der Impfprävention in der Kardiologie auszuschöpfen und dadurch die Versorgung sowie die Prognose kardiovaskulärer Erkrankungen zu verbessern. Die konsequente Anwendung evidenzbasierter Impfstrategien unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten, vulnerablen Gruppen, praktischen Zeitplänen, Impfstoffvielfalt und immunologischen Wirkmechanismen, ist entscheidend für die moderne kardiovaskuläre Prävention und ein integraler Bestandteil der klinischen Versorgung.
Das European Society of Cardiology(ESC)-Statement stellt einen Meilenstein für die Weiterentwicklung der psychokardiologischen Versorgung in Europa dar. Die verfügbare Evidenz für die Bedeutung psychosozialer Faktoren in der Herzmedizin wird umfassend dargestellt, und praxisnahe Handlungsempfehlungen werden abgeleitet. Das Konsensuspapier hebt das enge bidirektionale Zusammenspiel zwischen psychischer Gesundheit und kardiovaskulärer Erkrankungen hervor und formuliert Empfehlungen für eine interdisziplinäre und interprofessionelle Regelversorgung mit einem Psycho-Kardio-Team als Schlüsselbestandteil. Gefordert wird ein psychosoziales Screening sowohl im Erstkontakt als auch im Verlauf sowie eine stärkere Fokussierung auf betreuende An- und Zugehörige, die in die Versorgung der Patienten mit einbezogen werden sollten. Besondere Aufmerksamkeit widmet das Statement der erheblich reduzierten Lebenserwartung von Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen (z. B. Psychosen, bipolare Störungen) und fordert hier verstärkte Anstrengungen in Prävention und Therapie. Auch wird auf die besonderen Anforderungen der psychokardiologischen Versorgung verschiedener vulnerabler Patientengruppen wie ältere und gebrechliche Menschen, onkologische Patienten als auch Migranten und Flüchtlinge eingegangen. Das ESC-Statement verortet psychische Gesundheit von einem „additiven“ Aspekt der Herzmedizin zu einem integralen Bestandteil kardiovaskulärer Versorgung.
Die Versorgung von Patient:innen mit valvulären Herzerkrankungen wird durch den demografischen Wandel und zunehmende interventionelle Therapieoptionen immer vielschichtiger. Die Herzklappenkoordination gilt dabei als wichtiger Bestandteil einer optimierten und strukturierten Versorgung. Nationale Daten zur aktuellen Implementierung an Herzzentren fehlen. Der Einsatz von Herzklappenkoordinator:innen wurde über eine strukturierte Befragung an 78 deutschen Herzzentren untersucht. Es erfolgte eine getrennte anonymisierte digitale Befragung von Leiter:innen des jeweiligen Klappenprogrammes und von Koordinator:innen. Es gingen Rückmeldungen von 43 Leiter:innen und 44 Herzklappenkoordinator:innen ein. Die Antworten der jeweiligen Umfragen wurden statistisch deskriptiv ausgewertet. Die Akzeptanz des Berufsbildes ist hoch; 86
Chest Pain Units (CPU) sind spezialisierte, interprofessionelle Versorgungseinheiten für Patient:innen mit akutem Thoraxschmerz und kardiologischen Notfällen. Das vorliegende Curriculum beschreibt eine berufsbegleitende, modular aufgebaute Weiterbildung zur/zum „Pflegeexpert:in Chest Pain Unit“, die die pflegerische Handlungskompetenz in diesem komplexen und zeitkritischen Akutsetting systematisch entwickelt, fördert und prüft. Grundlagen sind ein kompetenzorientiertes Bildungsverständnis, das Lernfeldkonzept und handlungsorientierte Didaktik. Inhaltlich verbindet die Weiterbildung medizinische Grundlagen und Akutkardiologie mit akutem Koronarsyndrom, Elektrokardiogramm (EKG)-Diagnostik, Differenzialdiagnostik des Thoraxschmerzes, Rhythmusstörungen, kardiogenem Schock, Pharmakotherapie und Notfallmanagement. Ergänzend werden pflegewissenschaftliche, ethische, kommunikative, rechtliche und methodische Kompetenzen vermittelt. Praktische Übungen, Theorie-Praxis-Transfer, wissenschaftliches Arbeiten und ein Fachdiskurs sichern die Anwendung im klinischen Alltag. Die Abschlussprüfung besteht aus schriftlichem Test, Fachdiskurs und Präsentation. Ziel ist ein von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) anerkannter Qualitätsstandard für die Qualifizierung von Personen aus Gesundheitsfachberufen in zertifizierten CPUs.
Die antithrombotische Therapie spielt eine zentrale Rolle in der Prävention und Behandlung thromboembolischer Ereignisse. Eine individuelle Anpassung der Therapie ist häufig notwendig, um den spezifischen Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden und Risiken zu minimieren. Dabei ist entscheidend, verschiedene klinische Faktoren wie Alter, das Vorliegen von Begleiterkrankungen sowie die Begleitmedikation zu berücksichtigen. Zu den gängigen Therapieoptionen gehören neben Acetylsalicylsäure (ASS) die oralen und intravenösen P2Y12-Inhibitoren. Indikation für eine De- oder Eskalation der antithrombozytären Therapie umfassen unter anderem unerwünschte Arzneimittelwirkungen, Kontraindikationen und ein erhöhtes Ischämie- oder Blutungsrisiko. Zudem kann eine Umstellung notwendig werden, wenn die Therapie aufgrund eines chirurgischen Eingriffes oder einer anderen Intervention unterbrochen werden muss. Eine sorgfältige Risikoabschätzung unter Berücksichtigung der Pharmakokinetik und -dynamik der jeweiligen Substanzen ist erforderlich, um die optimale Therapieentscheidung zu treffen und Komplikationen zu vermeiden. Diese Empfehlung soll die pharmakologischen Interaktionen für die praktischen Aspekte der Umstellung der antithrombotischen Therapie zusammenfassen.
Im Oktober 2025 wurden die neuen Reanimationsleitlinien des European Resuscitation Council (ERC) veröffentlicht. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung (GRC) hat die Kurzversion dieser Leitlinien ins Deutsche übersetzt. Ziel der Leitlinien ist es, durch strukturierte und evidenzbasierte Versorgungssysteme die Überlebensquote nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand nachhaltig zu verbessern. Das Update stellt darüber hinaus im Kapitel zur Postreanimationsbehandlung insbesondere Änderungen zum Temperaturmanagement, die Prognostizierung von neurologischem Outcome und die Rehabilitation/Nachsorge sowie eine eingehende Analyse ursächlich ungeklärter Herz-Kreislauf-Stillstände in den Fokus. Im Kapitel zu lebensrettenden Systemen wird u. a. die Relevanz der Schulung aller, insbesondere auch der Schüler, in Wiederbelebungsmaßnahmen, betont.
Die kardiovaskuläre Bildgebung liefert wichtige Informationen für die Diagnostik kardiovaskulärer Erkrankungen, für Therapieentscheidungen sowie zur individuellen Prognoseabschätzung. Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt dabei eine wachsende Rolle. Sie gibt Informationen zur kardialen Anatomie, zur kardialen Funktion, Perfusion, Vitalität und Inflammation sowie zum Blutfluss. Häufige Indikationen für eine kardiovaskuläre MRT sind die Beurteilung bei koronarer Herzkrankheit, Kardiomyopathien, entzündlichen Herzkrankheiten, Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen und angeborenen Herzfehlern. Dieser 2‑teilige Beitrag liefert einen praxisnahen Überblick.
Die kardiovaskuläre Intensivmedizin ist ein zentraler Pfeiler in der Versorgung kritisch erkrankter Patienten. Während sich die frühen Koronarstationen der 1960er-Jahre im Wesentlichen auf das Monitoring von Rhythmusstörungen konzentrierten, erfordert die gegenwärtige medizinische Versorgung den Umgang mit einer Patientendemografie, die zunehmend durch fortgeschrittenes Alter, multiple Komorbiditäten sowie eine gesteigerte Prävalenz von Multiorganversagen geprägt ist [1, 2]. Mit den Fortschritten in interventionellen Verfahren haben sich die therapeutischen Möglichkeiten zwar erheblich erweitert; zugleich wächst jedoch der Bedarf an strukturierten Vorgaben und Standards, wie es die G‑BA-Zentrumsregelungen sowie die Empfehlungen der Fachgesellschaften und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) verdeutlichen [3–6]. Für Hochrisikopatienten in der kardiovaskulären Intensivmedizin jedoch – insbesondere bei kardiogenem Schock, schwerer Herzinsuffizienz, ausgeprägter hämodynamischer Instabilität, drohendem Multiorganversagen, Hochrisikolungenembolie, septischer Kardiomyopathie oder im Rahmen des Post-Cardiac-Arrest-Syndroms (PCAS) – reichen derartige, allgemein formulierte Standards nicht aus, da ihre Versorgung ein durchgängiges strukturiertes Behandlungskontinuum von der klinischen Akut- und Notfallmedizin über die intensivmedizinische Stabilisierung bis zur Organunterstützung und Netzwerksteuerung erfordert. Es braucht spezialisierte Strukturen, optimierte Prozesse und Outcome-Messungen für eine funktionierende multidisziplinäre Versorgung. Zudem sind zentrale Strukturvorgaben obligat, inklusive der Definition besonderer Anforderungen – von der 24/7-Katheterbereitschaft über die Integration von Shock-Teams bis hin zur Indikationsstellung mechanischer Organunterstützung und dem Einsatz einer mobilen extrakorporalen Membranoxygenierung(ECMO)-Therapie. Darüber hinaus muss eine interdisziplinäre Roadmap für Ausbildung, Netzwerkbildung und Integration innovativer Versorgungsstrukturen (inklusive Telemedizin und Artificial Intelligence) die Weiterentwicklung der kardiovaskulären Intensivmedizin ergänzen und zukunftsorientiert ausrichten. Nur so kann auch perspektivisch eine multidisziplinäre hoch spezialisierte Versorgung jener zunehmend kritisch erkrankten Patienten unter Einhaltung einer bestmöglichen Versorgungsqualität gelingen.
Die vorliegende zweite Aktualisierung des „Curriculum Kardiologie“ erfolgte während der laufenden Vorbereitungen für eine neue (Muster‑)Weiterbildungsordnung ([M-]WBO) der Bundesärztekammer (BÄK), welche die 2018 veröffentlichte letzte Novellierung der (M-)WBO ersetzen wird. Die Kardiologie hat sich zwischenzeitlich in all ihren Bereichen erheblich weiterentwickelt, zahlreiche Zertifizierungen für Spezialisierungen werden von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) erteilt. Ziel dieses Curriculums ist es, aus Sicht der Fachgesellschaft aufzuzeigen, welche Kompetenzen Kardiologen heute beherrschen sollten. Neben der zunehmenden Spezialisierung innerhalb der Kardiologie muss es weiterhin ein gemeinsames Fundament der Kardiologie geben, eingebettet in das Fach „Innere Medizin“. Dieses Fundament beinhaltet den Grundstock an theoretischen Kenntnissen, an praktischen Fähigkeiten (Kompetenzlevel I–III) und an beruflich-professioneller Einstellung der (angehenden) Kardiologen. Den Weiterzubildenden soll das Curriculum die Möglichkeit geben, die Weiterbildungszeit so effizient wie möglich zu strukturieren und das Erlernte anschließend im Sinne eines „Berufslebens-langen“ Qualifizierens zu bewahren und auszubauen. Die einzelnen Blöcke der Weiterbildung sind dabei 1) „Kardiologische Basisuntersuchung“; 2) „Allgemeine Kardiologie“; 3) „Kardiale Bildgebung (Echokardiographie, Magnetresonanztomographie, Computertomographie, Nuklearkardiologie)“; 4) „Rhythmologie“; 5) „Kathetergestützte Diagnostik und Therapie angeborener und erworbener Erkrankungen des Herzens und der Gefäße“ (Herzkatheterdiagnostik und -intervention); 6) „Kardiovaskuläre Intensiv- und Notfallmedizin“, 7) „Digitale Kardiologie“. Das Curriculum möchte aber nicht nur die Weiterzubildenden, sondern auch die Weiterbildenden und die Ärztekammern erreichen und aufzeigen, welche Inhalte und Fertigkeiten nach Ansicht der DGK in der Weiterbildung Kardiologie vermittelt werden sollen. In der Weiterbildung ist seit dem Update des Curriculum 2020 insbesondere ein eigenes Kapitel „Digitale Kardiologie“ hinzugekommen, welches die stürmische Entwicklung in diesen Bereichen abbildet. Weiterhin ist die Kompetenz der Kardiologen in der kardialen Bildgebung essenziell. Nur die „multimodale“ Vernetzung der kardialen Bildgebung mit den Säulen „Echokardiographie“, „Magnetresonanztomographie“, „Computertomographie“ und „Nuklearkardiologie“ mit der klinischen Kompetenz erlaubt eine optimale Behandlung der Herzpatienten.
Die Prävalenz der Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer Ejektionsfraktion (HFpEF) nimmt kontinuierlich zu und macht einen wesentlichen Teil aller Herzinsuffizienzfälle aus. Pathophysiologisch ist diese v. a. durch eine diastolische Dysfunktion gekennzeichnet, deren Entstehungsfaktoren noch Gegenstand aktueller Forschung sind. Erfolg versprechende Therapieansätze mit nachgewiesenem klinischem Nutzen bei HFpEF sind bislang begrenzt verfügbar. Es wurde eine selektive Literaturrecherche in PubMed mit den Stichworten „HFpEF“, „Herzinsuffizienz“, „HFA-PEFF“ und „kardiale Resynchronisationstherapie“ durchgeführt. Der Suchzeitraum umfasste Publikationen von 2000 bis 2025. Zur Reduzierung methodischer Verzerrung wurden vorrangig Leitlinien, randomisierte kontrollierte Studien, Metaanalysen und klinische Registerstudien berücksichtigt. Ausgeschlossen wurden Studien mit ausschließlicher Population von Patienten mit reduzierter bzw. leichtgradig reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF- bzw. HFmrEF) sowie Publikationen ohne definierte HFpEF-Kriterien. Eine Vielzahl von randomisierten kontrollierten Studien zu unterschiedlichen pharmakologischen Therapieansätzen verfehlten bei HFpEF-Patienten ihre primären Endpunkte, insbesondere in Bezug auf Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse. Moderne Sodium-Glukose-Linked Transporter 2 Hemmer (SGLT-2-Inhibitoren) haben sich in Studien als ein vielversprechender Therapieansatz dargestellt und werden daher seit 2023 von der European Society of Cardiology (ESC) zur Therapie von HFpEF empfohlen (Evidenzgrad A). Weitere Studien mit Glucagon-like peptide-1 Rezeptoragonisten (GLP-1-Agonisten) und Finerenon konnten ebenfalls eine signifikante Verbesserung einiger klinischer Endpunkte, wie beispielsweise eine geringere Hospitalisierungsrate, dokumentieren. Die pathophysiologische Ursachenabklärung und Therapie von HFpEF bedarf einer intensiven Forschung. Zukünftige Behandlungsstrategien sollten stärker an die Komorbiditäten der Patienten angepasst werden, um den heterogenen Krankheitsmechanismen der HFpEF gerecht zu werden.