
Wissensvermittlung basiert im deutschen Schulsystem oftmals auf Schriftsprache. Daher sind Sachtexte in Schulbüchern nach wie vor ein zentrales Medium zur Wissensvermittlung im Fachunterricht an (Grund-)Schulen. Oftmals übersteigt die Komplexität dieser Schulbuchtexte jedoch die Lesekompetenz der Lernenden, speziell derer mit gering ausgeprägter Lesekompetenz. Folglich führen Defizite im Lesevermögen potentiell zu Schwierigkeiten im Lernprozess. Eine Möglichkeit das Textverständnis in solchen Fällen zu unterstützen, ist die sprachliche Entlastung der Texte. Seit einigen Jahren wird in diesem Zusammenhang das Konzept Leichte Sprache als Möglichkeit zur Unterstützung von schwachen Leser:innen diskutiert. Für den vorliegenden Beitrag wurden daher empirisch fundierte Regeln Leichter Sprache zur Entlastung von Schulbuchtexten eingesetzt. Es wurde untersucht, wie sich diese Vereinfachung auf das Textverständnis von 436 Schüler:innen der dritten bis sechsten Jahrgangsstufe auswirkt. In den Ergebnissen zeigt sich, dass die nach empirisch fundierten Regeln Leichter Sprache entlasteten Schulbuchtexte von den Schüler:innen der Stichprobe signifikant besser verstanden wurden als die Originaltexte und dieser Entlastungseffekt in allen Jahrgangsstufen ähnlich stark ausfiel. Erwartungswidrig konnten keine differentiellen Effekte für unterschiedliche Lesekompetenzniveaus der Schüler:innen gefunden werden.
Lehramtsstudierende, die migrationsgeschichtlich bedingt mehrsprachig sind, werden in Schule und Studium mit unterschiedlichen Zuschreibungen konfrontiert. Zum einen sind sie selbst als Angehörige der im gesellschaftlichen Diskurs als problembelastet kategorisierten Gruppe der ‚DaZler:innen‘ durch die eigene Schulzeit gegangen, zum anderen werden von der Mehrheitsgesellschaft Erwartungen an sie herangetragen, die auf positive Effekte für mehrsprachige Schüler:innen fokussieren. Wie entwickelt sich das Rollenbild der betreffenden Studierenden in diesem Spannungsverhältnis? In sechs narrativen Interviews erzählen Studierende ihre Geschichte. Zentrale Aspekte des Rollenbildes sind Erfahrungen von Othering und Rassismus, aber auch von persönlichem Erfolg und Zugang zu Schüler:innen. Die Universität spielt hier eine wichtige Rolle beim Aufbrechen der erlernten Andersheit, doch gleichzeitig erweist es sich als umso dramatischer, wenn hier erneut negative Zuschreibungen passieren.
In heterogenen Lerngruppen, in denen ein individualisierter Unterricht umgesetzt wird, kann die Gemeinschaft möglicherweise in den Hintergrund geraten. In der vorliegenden Studie wird anhand von Interviews den Fragen nachgegangen, welches Gemeinschaftsverständnis Lehrkräfte haben, die individualisierten Unterricht in heterogenen Lerngruppen durchführen, und welche Handlungen sie im Unterricht umsetzten, um eine Gemeinschaft zu gestalten. Die inhaltsanalytische Auswertung identifizierte unterschiedliche Verständnisse von Gemeinschaft. Dabei spielte das Spannungsfeld zwischen Individualität, Heterogenität und Gemeinschaft für alle Lehrkräfte eine Rolle. Es konnten außerdem verschiedene Handlungen identifiziert werden, wie Lehrkräfte individualisiertes mit gemeinschaftlichem Lernen produktiv miteinander verbanden.
Im vorliegenden Beitrag wird die Wertschätzung von Bildung und Bildungsabschlüssen durch die Schweizer Bevölkerung in den deutschsprachigen Kantonen untersucht. Mittels einer Bevölkerungsumfrage, die im Frühjahr 2019 unter erwachsenen Bürgerinnen und Bürgern im deutschsprachigen Teil der Schweiz durchgeführt wurde, kann zunächst gezeigt werden, dass die berufliche Ausbildung ein höheres Prestige als die allgemeinbildende Ausbildung genießt. Die höchste Wertschätzung allerdings erfahren die akademischen Bildungsabschlüsse. Vor allem die jüngeren Geburtskohorten messen den universitären Abschlüssen ein hohes Prestige bei, während bei älteren Kohorten die schulische und berufliche Ausbildung ein hohes Ansehen genießen. Darüber hinaus wird aufgedeckt, dass das Ansehen von Bildungsabschlüssen mit der sozialen Herkunft, dem Bildungsniveau, dem Geschlecht und dem Bildungsverständnis korreliert. Ein besonders augenfälliger Unterschied in der Wertschätzung einer beruflichen oder akademischen Ausbildung besteht zwischen Personen mit einer akademischen und einer beruflichen Ausbildung.
Die Digitalisierung hat den Zugang zu rezeptiver kultureller Teilhabe für ein breites Publikum grundlegend verbessert und neue Möglichkeiten für Aktivitäten im Kontext von Videospielen oder Social Media geschaffen. Um einen umfassenden Überblick zu erhalten, haben wir in einem Tertiary Review veröffentlichte Forschungssynthesen zu den Effekten digitaler kultureller Aktivitäten zusammengefasst und nach ihren Themen sowie den angewandten Forschungsmethoden analysiert. Um dieses Ziel zu erreichen, sichteten wir n = 5880 Scopus-Treffer. Es resultierten n = 65 Forschungssynthesen, die unsere Einschlusskriterien erfüllten. Davon waren n = 22 systematische Literaturübersichten und n = 43 Metaanalysen. Die am häufigsten untersuchte kulturelle Facette war die der Videospiele, klassische Facetten wurden weniger häufig synthetisiert. Während sich die meisten Synthesen auf Online-Interaktionen konzentrierten, untersuchten einige Synthesen Aktivitäten wie VR, die spezielle Hardware erfordern. Die eingeschlossenen Synthesen konzentrierten sich stark auf die Themen „Lernen“ und „subjektives Wohlbefinden und psychische Gesundheit“. Die meisten eingeschlossenen Synthesen zu Videospielen und Social Media konzentrierten sich auf negative Effekte wie süchtiges oder aggressives Verhalten, positive Auswirkungen dieser Aktivitäten wurden seltener synthetisiert. Nur sehr wenige eingeschlossene Synthesen fassten qualitative Studien zusammen. Implikationen dieser Desiderate für systematische Übersichtsarbeiten und empirische Originalforschung zu Digitalisierung in der kulturellen Bildung werden diskutiert.