
Die Schweizer Wälder verändern sich infolge des Klimawandels und der Anpassung der Waldbewirtschaftung. Diese Veränderungen betreffen nicht nur Vorrat, Baumartenzusammensetzung und Nutzungsmengen, sondern auch die künftig verfügbaren Holzsortimente. Damit verändern sich auch die Möglichkeiten der Schweizer Holzindustrie, aus einheimischem Rundholz traditionelle und moderne Holzwerkstoffe für tragende Anwendungen herzustellen. In dieser Studie wurde untersucht, wie die Waldbewirtschaftung das künftige Holzangebot und das Potenzial für Holzwerkstoffe beeinflusst. Dafür wurden Waldentwicklungen bis ins Jahr 2150 für zwei unterschiedliche Schweizer Regionen modelliert: die Tieflagen der Waadt im Schweizer Mittelland und das voralpine Entlebuch. Gerechnet wurde mit einem starken Klimawandelszenario (RCP8.5), das von weiterhin hohen Treibhausgasemissionen ausgeht. Für beide Regionen wurden zwei Varianten verglichen: die Fortführung der heutigen Bewirtschaftung («business as usual») und eine stärker auf Holzproduktion ausgerichtete Bewirtschaftung. In der zweiten Variante wird mehr Holz genutzt, klimaangepasste Baumarten werden gefördert und zudem kleinflächige gepflanzte Nadelholzflächen angelegt – wohl wissend, dass das rechtlich kaum möglich ist. Die mit dem Waldwachstumsmodell ForClim simulierten Waldbestände wurden mit dem Sortimentssimulator SorSim in Holzsortimente überführt. Anschliessend wurde abgeschätzt, welche Mengen verschiedener Holzwerkstoffe daraus potenziell hergestellt werden könnten, darunter Brettschichtholz, Brettsperrholz, Furnierschichtholz, Sperrholz, Langspanholz und Grobspanplatte. Die Resultate zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Regionen und Szenarien: So nehmen Sortimentsvolumen und Holzwerkstoffpotenziale unter «business as usual» langfristig tendenziell ab. Das zweite Szenario kann diese Entwicklung teilweise abfedern, indem es die Verfügbarkeit von Nadelholzsortimenten erhöht, mehr kleine und mittlere Durchmesser bereitstellt und langfristig stabilere Produktionsniveaus ermöglicht. Die Studie zeigt, dass Waldbewirtschaftung die künftige Rohstoffbasis der Holzindustrie wesentlich mitprägt und dass Anforderungen der Verarbeitung bei der langfristigen Waldplanung stärker berücksichtigt werden sollten.
Die 2024 von der Europäischen Union verabschiedete Verordnung «Carbon Removals and Carbon Farming» ist der Rahmen für die EU-weite freiwillige Zertifizierung von dauerhaften CO2-Entnahmen, kohlenstoffspeichernder Landbewirtschaftung und der CO2-Speicherung in Produkten. Die Verordnung stellt dazu gewisse Bedingungen auf. Primär sind dies die Überprüfung durch eine unabhängige Stelle und die Einhaltung von Qualitätskriterien entlang des QU.A.L.ITY-Prinzips, also QUantification (Quantifizierung), Additionality (Zusätzlichkeit), Liability (Speicherung, Überwachung und Haftung) und SustainabilITY (Nachhaltigkeit). Die Verordnung «Carbon Removals and Carbon Farming» könnte attraktive Chancen für den Holzbau in der Schweiz bieten. Dafür müssten auf politischer Ebene offene Fragen zum Umgang mit importiertem Holz gelöst und Möglichkeiten zur Zertifizierung von Projekten in der Schweiz ausgelotet werden.
Der Schweizer Wald erfüllt zentrale Nutz-, Schutz- und Wohlfahrtsfunktionen, steht jedoch angesichts des Klimawandels vor erheblichen Herausforderungen und Zielkonflikten zwischen verschiedenen Waldleistungen. Im Rahmen des Projekts MainWood wurden vier Waldbewirtschaftungsszenarien untersucht, um deren Auswirkungen auf die Holzproduktion und weitere Waldleistungen zu analysieren. Dieser Artikel soll die Voraussetzungen für die mögliche Umsetzung der Szenarien auf einer übergeordneten politischen und institutionellen Ebene eruieren. Deshalb richtet er den Fokus auf Bund und Kantone, welche die rechtlichen, finanziellen und programmatischen Rahmenbedingungen der Waldpolitik festlegen. Dementsprechend wurden die politischen Implikationen der Szenarien anhand von Gesetzes- und Strategiedokumenten sowie qualitativen Interviews mit Verwaltungsakteurinnen und -akteuren auf Bundes- und Kantonsebene analysiert. Ziel der Analyse war es, die Grundlagen für künftige waldpolitische Programme und Rahmenbedingungen von Bund und Kantonen weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse zeigen, dass eine moderate Intensivierung der Nutzung mit einem begrenzten Anteil kleinflächiger Nadelholzpflanzungen die Holzproduktion steigern kann, ohne die Biodiversität wesentlich zu beeinträchtigen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Umsetzung produktionsorientierter Ansätze stark von der Nutzung rechtlicher Spielräume, von förderpolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie von der gesellschaftlichen Akzeptanz abhängt. Sie erfordert somit eine breite politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Zielkonflikten zwischen Ökologie, Wirtschaft und globalen ökologischen Auswirkungen.
Eine stärkere Verwendung von Schweizer Holz im Bauwesen setzt voraus, dass Angebot, Verarbeitung und Nachfrage langfristig aufeinander abgestimmt werden können. In dieser Studie haben wir Holzmarktmodellierungen mit Umfragen zum Entscheidungsverhalten von Forstbetrieben und Planungsbüros kombiniert. Die Ergebnisse zeigen ein heterogenes Angebotsverhalten der Forstbetriebe. Eine Umlenkung bisher energetisch genutzter Holzsortimente in stoffliche Anwendungen ist grundsätzlich möglich, wird jedoch durch bestehende Vertragsbindungen und ökonomische Anreize bestimmt. Die befragten Akteure bewerten Holzbauweisen grundsätzlich positiv, wobei insbesondere die Kosten die Materialwahl beeinflussen. Erste Simulationen zeigen, dass sich der gesamte Holzvorrat in den nächsten rund 50 Jahren vergleichsweise wenig verändert, räumlich jedoch deutliche Unterschiede auftreten werden. Das Modell ermöglicht darauf aufbauend Wenn-dann-Analysen zu zukünftigen Angebots-, Nachfrage- und Marktbedingungen und somit zum Beispiel die Erkennung von Versorgungsengpässen.
Die Dekarbonisierung des Schweizer Bausektors eröffnet Chancen für eine verstärkte stoffliche Nutzung von Holz. Gleichzeitig verschärft sie aber den Wettbewerb zwischen Holz als Baustoff und Holz als Energieträger. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und einer zunehmend unsicheren Kohlenstoffsenke im Wald stellt sich die Frage, wie Holz künftig möglichst klimawirksam und ressourceneffizient genutzt werden kann. Dieser Perspektivenbeitrag ordnet die aktuellen Entwicklungen ein und diskutiert drei zentrale Handlungsfelder: die Förderung von Holz im Bausektor, die Steigerung der Ressourceneffizienz und die Begrenzung der energetischen Nutzung von Holz. Im Fokus stehen dabei die Wechselwirkungen zwischen Waldbewirtschaftung, Holzverarbeitung, Energieversorgung und Bauwesen sowie mögliche politische und wirtschaftliche Ansatzpunkte. Wir argumentieren, dass eine stärkere Ausrichtung auf hochwertige stoffliche Nutzungen einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung leisten kann. Dazu braucht es eine Kombination aus nachfrageseitigen Massnahmen, ressourceneffizienten Bauweisen und einer gezielteren Steuerung der Energieholznutzung. Für die Praxis bedeutet dies, den Übergang von einem «Fuel-first»- zu einem «Construction-first»-Ansatz stärker sektorenübergreifend zu gestalten und gleichzeitig die zukünftige Holzproduktion durch klimaangepasste Waldbewirtschaftung zu sichern.