Kohäsive Feinpartikel sind wesentlicher Bestandteil aquatischer Systeme. Sie sind potenzielle Träger von anorganischen und organischen Schadstoffen und spielen eine entscheidende Rolle beim Stoffaustausch zwischen Wasserkörper, Schwebstoff und Sediment. Trotz zahlreichen, fachübergreifenden Untersuchungen und Erkenntnissen zu den Prozessen und mathematischen Beschreibungen der Feinpartikeldynamiken in fluvialen Systemen existieren immer noch ungeklärte Fragen zu den Transport-, Sedimentations- und Mobilisierungsprozessen, gerade auch unter realen Feldbedingungen. Hierzu besteht sicherlich disziplinär noch Forschungsbedarf. Darüber hinaus ist die interdisziplinäre Verbindung sedimenthydraulischer, stoffbezogener und an konkreten Wirkungen ausgelegter Untersuchungen dringend geboten.
Feinpartikel bedeuten fur die Wasserwirtschaft und Hydrologie eine standige Herausforderung, denn sie storen die Wassernutzung, sind aber untrennbar mit unseren Gewassern verbunden. Den Wissenschaftlern ist es bisher nicht gelungen, Verhalten und Eigenschaften von Feinpartikeln so gut zu verstehen, dass dieses Thema von der internationalen Forschungsagenda verschwinden konnte. Uber 60 Teilnehmer aus Universitaten, Fachhochschulen, Forschungseinrichtungen, Behorden, Umweltamtern, Firmen und Ingenieurburos fanden sich daher am 8. Oktober 2009 zu einem Fachseminar in Trier ein, in dem ein internationales Forschungsthema und regionale wasserwirtschaftliche Probleme aufeinandertrafen. Es war das siebte Treffen der Seminarreihe „Regionale Wasserwirtschaft in Theorie und Praxis“, deren Veranstaltungen seit 2002 an wechselnden Standorten in Trier und Luxemburg durchgefuhrt werden. In vertiefender Ruckund Zusammenschau des Fachseminars wurde die in dieser Ausgabe erscheinende Beitragsreihe „Relevanz von Feinpartikeln in Hydrologie und Wasserwirtschaft“ entwickelt. Die Autoren dieses Editorials sind als Organisationskomitee der Tagung die mitverantwortlichen Herausgeber der einzelnen Beitrage. Im Beitragsblock „Naturliche Systeme“ werden die Interaktionen von physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen betont, welche die Feinpartikeldynamiken steuern. Der Analyse des Transportverhaltens und der Identifikation von Feinpartikelquellen und -senken kommt im Kontext eines einzugsgebietsweiten Sedimentmanagements besondere Bedeutung zu und wird zukunftig bei gewasserschutzrelevanten Masnahmen in der europaischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) an Einfluss gewinnen. Kurtenbach et al. von der Universitat Trier stellen in ihrem Beitrag die wichtigsten Erkenntnisse und Forschungsdefizite heraus. Durch kleinraumige Strukturen im Bachbett laufen Erosion und Sedimentationsprozesse gleichzeitig ab, was jedoch schwer zu modellieren ist. Ungeklart sind die kurzzeitige Zwischenspeicherung und die Rolle des hyporheischen Interstitials sowohl fur den Transport des Feinmaterials selbst als auch fur den Schadund Nahrstofftransport und die gesamte okologisch-toxikologische Bewertung. Breitung und Keller von der Bundesanstalt fur Gewasserkunde in Koblenz gehen das Problem des Baggergutes an. Abgelagerte Feinsedimente storen unter anderem den Schiffsverkehr und mussen beseitigt werden. Das allein ist schon aufwendig genug, aber wenn das Baggergut zusatzlich kontaminiert ist – eine typische Situation in Flussha10.1007/s12302-010-0169-7
Cohesive sediments play an important role in river ecosystem quality both as pollutant carriers and as clogging material in river channels. However, experimental studies with cohesive sediments in natural river systems are rather scarce due to the lack of convenient tracers and detection methods. As a result, current modelling approaches insufficiently describe the transport dynamics and depositional behaviour of fine sediments. We adopted an approach combining artificial floods with kaolinite as a fine sediment tracer in a mid mountain gravel bed river. The generation of artificial floods allows for the isolated investigation of in- stream processes. The use of Diffuse Reflectance Infrared Fourier Transform (DRIFT) spectrometry as a means for kaolinite quantification provides the necessary analytical sensitivity to monitor fine sediment transport processes. The mass balance of the injected kaolinite in an artificial flood experiment showed that, in spite of the very fine material, over 50 percent of the tracer was retained over a flow length of only 500 m. By combining fine particulate and natural dissolved tracers we were able to identify the hyporheic zone as a potential transient storage zone for the introduced kaolinite. Thus, hyporheic exchange and/or deposition losses in riverine dead and channel periphery zones are significant terms in the mass balance of cohesive particles during floods.