Die vorangegangene Stellungnahme kritisiert das Fehlen einer Kontrollgruppe, eine zu geringe Ruecklaufquote der Befragung und zweifelt an der Repraesentativitaet der Antwortgruppe. Hierzu wird festgestellt, dass in der Literatur zur Wirkung verkehrstherapeutischer Intervention keine einzige Kontrollgruppenstudie zu finden ist, da sich ein klassisches experimentelles Versuchsdesign nicht realisieren laesst. Die Ruecklaufquote von 30 Prozent liegt fuer schriftliche Befragungen der vorliegenden Ausfuehrlichkeit durchaus im ueblichen Bereich, zumal die Befragung vier bis fuenf Jahre nach Abschluss der Massnahme stattfand. Die Repraesentativitaet der befragten Gruppe ist insofern gegeben, als sich hinsichtlich aller geprueften Merkmalsverteilungen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Antwortenden und der Gesamtgruppe der Befragten ergaben. Weiterhin wurde in der Stellungnahme bemaengelt, dass der Effekt der Therapie zu Therapieende nicht untersucht und beschrieben worden sei. Zudem sei der Therapieeffekt, sofern ueberhaupt vorhanden, moeglicherweise auf die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) zurueckzufuehren. Dazu ist zu sagen, dass ueblicherweise die Wirksamkeit einer Massnahme durch Daten der Legalbewaehrung oder Befragungen zur Rueckfaelligkeit nach einem laengeren Zeitraum (meist ein bis fuenf Jahre nach Abschluss der Massnahme) ueberprueft wird. Zu den Bedenken, ob im Rahmen verkehrstherapeutischer Interventionen ausreichend auf die Abstinenz als Voraussetzung einer erfolgreichen Begutachtung geachtet werde, wird auf die Begutachtungsleitlinien verwiesen: Danach ist dauerhafte Abstinenz nur erforderlich, wenn aufgrund der Lerngeschichte anzunehmen ist, dass sich konsequenter kontrollierter Umgang mit alkoholischen Getraenken nicht erreichen laesst beziehungsweise wenn ein Abhaengigkeitssyndrom nach ICD 10 vorliegt, was aber keineswegs immer der Fall ist. Nachgetragen wird, dass nach nunmehr 7 Jahren lediglich 9,15 Prozent der ehemaligen Teilnehmer erneut mit Alkohol aufgefallen sind.
Fuer alkoholauffaellige Kraftfahrer werden zahlreiche Massnahmen zur Foerderung und Wiederherstellung der Fahreignung angeboten. Im Mittelpunkt stehen, wie die Diskussionen auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar 2002 oder auch einzelne richterliche Entscheidungen zeigen, Nachschulungsmassnahmen fuer Gruppen. Individuelle Verkehrstherapien als therapeutisches Angebot fuer Personen mit einem kritischen Trink-Fahrverhalten haben jedoch inzwischen einen hohen Stellenwert bei der Wiederherstellung der Fahreignung bekommen. Gegenstand der vorliegenden Arbeit war daher, die Wirksamkeit einer individuellen verkehrstherapeutischen Massnahme zu ueberpruefen und darzustellen. Dazu wurden circa fuenf Jahre nach Abschluss der Therapie ehemalige Klienten schriftlich zu ihrem heutigen Verhalten im Umgang mit Alkohol und zu ihrem Verhalten im Strassenverkehr befragt. Die Ergebnisse bestaetigen in hohem Mass die Effektivitaet einer individuellen Verkehrstherapie: Die ueberwiegende Mehrheit der Teilnehmer hat dauerhaft ihr Trinkverhalten geaendert, trinkt wenig oder keinen Alkohol und zeigt ein bewusst kontrolliertes Trink-Fahrverhalten - alle Befragten geben an, bis heute in Besitz der Fahrerlaubnis zu sein. Es waere wuenschenswert, dass damit die erfolgreiche Teilnahme an einer individuellen Verkehrstherapie in juristischen Entscheidungen - auch in der Zuerkennung von Rechtsfolgen - in gleichem Masse beruecksichtigt wird, wie das bei Gruppenmassnahmen der Fall ist. (A)
In der vorliegenden Studie wurde die Wirksamkeit einer verkehrstherapeutischen Massnahme - einer individuellen Kurzzeittherapie - ueberprueft. Dazu wurden circa fuenf Jahre nach Abschluss der Gespraeche ehemalige Klienten schriftlich zu ihrem heutigen Verhalten im Umgang mit Alkohol und zu ihrem Verhalten im Strassenverkehr befragt. Diese Angaben wurden in Bezug gesetzt zu ihren eigenen Angaben hinsichtlich ihrer damaligen Vorsaetze sowie allgemein zu den entsprechenden Daten der Therapiedokumentation. Die Hauptfragestellung der Untersuchung lautete, in welchem Umfang durch die verkehrstherapeutische Intervention stabile Aenderungen im Umgang mit Alkohol und im Verhalten im Strassenverkehr erreicht wurden? Die Ergebnisse erlauben den Schluss, dass das Trinkverhalten der Befragten in Relation zur damaligen Entscheidung bei der ueberwiegenden Mehrheit stabil geblieben war, das heisst, sie sind heute noch abstinent beziehungsweise trinken kontrolliert Alkohol entsprechend dem damaligen Vorsatz. Ebenso gelingt es der Mehrheit der Befragten, Trinken und Fahren zu trennen. Die Befragten geben an, bis heute in Besitz ihrer Fahrerlaubnis zu sein. (A) ABSTRACT IN ENGLISH: The present study examines the long-term effects of an individual short-term driver improvement course. Approximately five years after the end of the course, former participants answered a questionnaire regarding their current coping with alcohol and their drinking behaviour. Their answers were compared with their intentions immediately after the course as well as with the corresponding specifications in the course documentation. The main question of the present study was to what extent there had been long-term changes in their drinking habits and their behaviour in road traffic resulting from the driver improvement course. The results show that the drinking habits of the large majority of the former participants had remained as stable as previously intended, i. e. they are still totally abstinent or control their drinking habits according to their former intentions. Moreover, most of the former participants are currently able to separate drinking from driving. The participants indicated that, to date, they are in possession of their valid driving licence. (A)
The present study examines the long-term effects of an individual short-term driver improvement course. Approximately five years after the end of the course, former participants answered a questionnaire regarding their current coping with alcohol and their drinking and driving behaviour. Their answers were compared with their intentions immediately after the course as well as with the corresponding specifications in the course documentation. The main question of the present study was to what extent there had been long-term changes in their drinking habits and their behaviour in road traffic resulting from the driver improvement course. The results show that the drinking habits of the large majority of the former participants had remained as stable as previously intended, i.e. they are still totally abstinent or control their drinking habits according to their former intentions. Moreover, most of the former participants are currently able to separate drinking from driving. The participants indicated that, to date, they are in possession of their valid driving licence.