Trotz guter Daten für die Langzeitstabilität wird der Nutzen alloplastischer Materialien in der Deszensuschirurgie wegen der netzinduzierten Risiken kontrovers diskutiert. Profitieren die Patientinnen tatsächlich von der Deszensuskorrektur mit einem alloplastischen Implantat oder überwiegen die Risiken? Um dies an einer großen Patientinnenanzahl zu überprüfen, wurden in einer prospektiven Studie 289 Patientinnen operiert und nun im 36 Monats-Follow-up untersucht.
Es wurden 289 Patientinnen behandelt. Nach 36 Monaten konnten bislang 260 Patientinnen ausgewertet werden.
Fragestellung: Neben dem vaginalen Druckgefühl haben viele Frauen mit einem Genitalprolaps Blasenfunktionsstörungen. Je nach Art des Descensus kann dies z.B. eine Blasenentleerungsstörung oder eine Drangsymptomatik sein. Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss der Einlage eines vorderen Netzes bei Zystozele mit oder ohne zentralen Defekt auf die Blasenfunktion zu untersuchen.
Fragestellung: Eines der Risiken für einen Genitaldescensus ist das zunehmende Alter. Da die Lebenserwartung zunimmt, werden Urogynäkologen immer mehr mit älteren Frauen konfrontiert, die eine Descensustherapie benötigen. Dasselbe gilt für Patientinnen mit einer chronischen, z.B. onkologischen, Erkrankung. Die Pessartherapie ist eine Alternative, allerdings nicht für alle Frauen geeignet oder nicht gewünscht. Die Therapie ist zwingend erforderlich, wenn eine Blasenentleerungsstörung und im Maximalfall eine Hydronephrose bestehen. Daher wurde in der vorliegenden Studie die Sicherheit einer Operation bei Frauen ≥80 Jahre oder mit relevanten Komorbiditäten untersucht.
Fragestellung: Inhalt der Studie war den Einfluss der Implantation eines titanbeschichteten Netzes bei Genitalprolaps auf die beckenbodenspezifische Lebensqualität zu untersuchen. Eine Prolapsoperation sollte nicht nur die anatomische Situation, sondern vor allem die Lebensqualität verbessern. Die Besonderheit des verwendeten Netzes ist eine Titanbeschichtung mit guter Biokompatibilität, die zu wenig Schrumpfungen und Infektionen führt (Tiloop-6®; Sponsor pfm medical, Köln).
Einführung: In dieser geplanten Subgruppenanalyse der Tiloop Total 6 Studie wurden die Rezidivsenkungen in allen Kompartimenten untersucht. (NCT01084889)
Fragestellung: Die netzgestützte Descensustherapie hat ein niedrigeres Rezidivrisiko als die konventionellen Operationen, dafür aber spezifische Risiken, wie die Netzerosion. Diese verursacht zwar in den meisten Fällen wenig Beschwerden, erfordert aber lokale Maßnahmen und evtl. die Teilexzision des Netzes. Die Risiken für Erosionen sind nicht abschließend geklärt, aber eine simultane Hysterektomie scheint eine Rolle zu spielen. In der vorliegenden Studie wurden u.a. zytologische und histologische Parameter der Vaginalwand daraufhin untersucht, ob eine Korrelation mit Netzerosionen bestand.
Fragestellung: Bei der Beratung von Patientinnen vor einer Descensusoperation müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. Einer davon ist die Frage der Hysterektomie bzw. des uteruserhaltenden Vorgehens. Während die Hysterektomie traditionell eine große Rolle bei Prolapsoperationen gespielt hat, gibt es wenig wissenschaftliche Daten zum Benefit. Eine zunehmende Anzahl an Frauen wünscht eine uteruserhaltende Operation.
INTRODUCTION AND HYPOTHESIS:In surgery for pelvic organ prolapse (POP) the use of alloplastic meshes has become common. Among possible complications, mesh exposure is the most frequent problem. It is hypothesized that exposure rates are correlated to mesh weight and the amount of foreign material. Therefore, we conducted a prospective open-label randomized multicenter trial comparing a conventional polypropylene mesh (PP) with a partially absorbable polypropylene mesh (PA) for cystocele treatment.METHODS:A total of 200 patients with POP > stage I were randomized either to a conventional or a partially absorbable mesh. Exposure rates were observed after 3, 12, and 36 months and correlated to mesh material, patient characteristics, intraoperative data, and treatment centers. Furthermore, management of mesh exposure, satisfaction with surgery, and postoperative pain were evaluated.RESULTS:At all follow-up intervals mesh exposure rate was smaller in the group of the partially absorbable mesh (3 months PP 11.3 % vs PA 3.2 %, p=0.0492; 12 months 6.6 % vs 6.3 %; 36 months 7.5 % vs 3.4 %). Over the course of time, mesh exposure was observed in 27 patients, with surgical intervention necessary in 11 patients. The rate of recurrent POP was higher (p>0.05) in patients with the partially absorbable mesh. The majority of patients were fully satisfied with the operation (52.8 %) and had no pelvic floor pain (67.5 %).CONCLUSION:In this prospective, randomized trial with a long-term follow-up there was a low exposure rate in both treatment groups with a trend toward fewer exposures in the group of the partially absorbable mesh.
Die Studie untersucht Management und Outcome der pathologischen Mamillensekretion und duktaler Papillome bei Patientinnen der Universitätsfrauenklinik Freiburg, wo zunehmend die Duktoskopie eingesetzt wurde. Erste Ergebnisse und Erfahrungen mit dieser Methode werden dargestellt.
Harnweginfektionen (HWI) sind häufige Infektionen sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich. Im allgemeinen können HWI therapieorientiert in unkomplizierte und komplizierte / nosokomiale HWI unterteilt werden. Zu den unkomplizierten, einfachen HWI zählen die unkomplizierte Zystitis und die unkomplizierte Pyelonephritis. Beide Entitäten werden hauptsächlich durch E. coli verursacht. Allerdings finden sich auch bei den unkomplizierten HWI heutzutage zunehmende Resistenzraten, z. B. gegenüber Aminopenicillinen, Cotrimoxazol und teilweise auch Fluorchinolonen. Diese Entwicklung hat eine Neubewertung der Therapieempfehlungen bei unkomplizierten HWI notwendig gemacht. Bei der unkomplizerten Zystitis wird für die empirische Therapie an erster Stelleß Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin oder Pivmecillinam empfohlen. Für die orale Erstlinientherapie der akuten unkomplizierten Pyelonephritis werden Fluorchinolone in hoher Dosierung empfohlen. Die häufigen asymptomatischen Bakteriurien (ASB) müssen mit wenigen Ausnahmen nicht therapiert werden. Aufgrund der zunehmenden Antibiotikaresistenz und des Auftretens multiresistenter Erreger gestaltet sich eine empirische Antibiotikatherapie zunehmend schwieriger. Aus diesen Gründen sollte, wenn immer möglich, die Resistenztestung abgewartet werden.
In einer prospektiven Monocenter-Studie wurde die intraoperative Applikation des Tumorbett-Boostes mit Elektronenstrahlung (IOERT) bei frühem Mammakarzinom in Kombination mit anschließender perkutaner Strahlentherapie der gesamten Mamma untersucht.
Background. Urinary tract infections (UTI) belong to the most frequent bacterial infections in outpatients. Increasing antibiotic resistance rates and a new appreciation of the epidemiological side effects of antibiotics ("collateral damage") have warranted an update of the guidelines on uncomplicated UTI as an S3 clinical guideline.Methods. The guideline was developed by the Deutsche Gesellschaft fur Urologie (DGU) in collaboration with the Deutsche Gesellschaft fur Allgemein- and Familienmedizin (DE-GAM), Deutsche Gesellschaft fur Gynakologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Gesellschaft fur Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), Deutsche Gesellschaft fur Infektiologie (DGI), Deutsche Gesellschaft fur Nephrologie (DGfN), Paul-Ehrlich-Gesellschaft fur Chemotherapie (PEG) and a patient representative. The systematic review of the literature on the topics of the guideline was performed for the time period of 1 January 1993 to 30 April 2008 in the databases of the Cochrane Library and MEDLINE. International guidelines of the years 1999-2007 were included.Results. Uncomplicated UTI comprise uncomplicated cystitis and uncomplicated pyelonephritis. The leading uropathogen is Escherichia coli. The choice of the antbiotic substance follows the five primary aspects: (1) individual patient risk and antibiotic pretreatment; (2) bacterial spectrum and antibiotic susceptibility; (3) effectivity of the antimicrobial substance demonstrated in clinical studies; (4) epidemiological effects ("collateral damage"); and (5) adverse effects. If antibiotics such as trimethoprim/sulfamethoxazole or fluoroquinolones have previously been given, the risk for pathogens to become resistant against these substances is increased. Because of increasing resistance rates of E. coli against trimethoprim/sulfamethoxazole also in uncomplicated UTI, trimethoprim alone or in combination with sulfamethoxazole is no longer regarded as the first-line agent in the empiric treatment of uncomplicated cystitis, unless the regional resistance rate is below 20%. The antibiotic resistance rates of fluoroquinolones in uncomplicated UTI are still below 10% in Germany, but there is a significant emergence of resistance compared to earlier years. Moreover, fluoroquinolones and group 3 cephalosporins exhibit negative epidemiological effects resulting in selection of multi-resistant pathogens. Because these antibiotic classes are needed in therapy of life-threatening infections, such effects should be taken seriously. For substances like fosfomycin, nitrofurantoin or mecillinam"collateral damage" has not been documented or only to a lesser degree. Therefore, for empiric therapy of frequent uncomplicated cystitis fosfomycin-trometamol, nitrofurantoin or pivmecillinam (not listed in Germany) are recommended as first-line antibiotics. For oral first-line treatment of uncomplicated pyelonephritis, fluoroquinolones are still recommended in sufficiently high dosage due to the resistance rates of E. coli still being below 10% and the superior effectivity compared to other antibiotics. Asymptomatic bacteriuria (ASB) should only be treated in exceptional coves such as pregnant women or prior to expected mucocutaneous traumatising interventions of the urinary tract.Conclusion. The S3 guideline on uncomplicated urinary tract infections is a comprehensive set of evidence- and consensus-based recommendations dealing with epidemiology, diagnosis, therapy and management of uncomplicated bacterial UTI of adult outpatients. A broad implementation in all disciplines taking care of patients with UTI is necessary in order to ensure a prudent antibiotic policy in these frequent infections and thus improve patient care.