Im Winter 2022 entwickelte sich um den börsennotierten italienischen Fußballclub Juventus Football Club S.p.A. ein Bilanzskandal, der sowohl rechtliche als auch sportökonomische Konsequenzen nach sich zog. Es folgte eine Diskussion um eine weitere Regulierung sowie um Bewertungsfragen speziell im professionellen europäischen Fußball. Der Artikel beleuchtet die zugrunde liegende Sachverhaltsgestaltung, nimmt eine bilanzanalytische Untersuchung vor und diskutiert dies vor dem Hintergrund der anzuwendenden Rechnungslegungsvorschriften sowie der rechtlichen und sportökonomischen Auswirkungen
Die Wirtschaftswissenschaften haben seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Pfad eingeschlagen, auf dem sie vor allem Modellen, Denkmustern und Vorgehensweisen der Physik und hier insbesondere der Mechanik gefolgt sind. Dies hat dazu geführt, dass sich mit der Neoklassik eine vorherrschende Denkrichtung entwickelte, die sich stark auf mathematisch-formalisierte Gleichgewichtsmodelle stützt. Alternativ dazu wäre es auch möglich gewesen, sich stärker an der biologischen Theorie zu orientieren. Gegenseitige Einflussnahmen zwischen der Biologie und Ökonomik gibt es, seitdem Darwin seine biologische Evolutionstheorie unter dem Einfluss der Schriften der klassischen Ökonomen Adam Smith und Thomas Robert Malthus entwickelte. Umgekehrt hat die Biologie die Ökonomik immer wieder inspiriert, vor allem in der evolutorischen Ökonomik und in jüngerer Zeit auch in der Neuroökonomik, einer Anwendung der Verhaltensökonomik. Da das herrschende neoklassische Paradigma vielfacher Kritik ausgesetzt ist, wird eine Arbeitsteilung vorgeschlagen, in welcher jede der ökonomischen Denkschulen dort Anwendung findet, wo sie ihre jeweiligen Stärken hat. Eine stärkere Berücksichtigung biologischer Theorien und Erfahrungen in den Wirtschaftswissenschaften würde diese lebensnäher machen.
The COVID-19 pandemic has, among other things, a significant impact on the economic situation of sports in general and professional soccer in particular. Our paper points out the main effects of the crisis on professional soccer. To this end, the general effects of the pandemic on sports will be briefly outlined, followed by a discussion of matches played behind closed doors. Based on the general conditions and particularities of the team sports industry, possible solutions for dealing with any problems arising from the pandemic will be discussed from the perspective of economics. As a result, we prefer intra-industry market-based solutions such as a solidarity fund or measures of self-regulation to possible state subsidies.
Die COVID-19-Pandemie hat unter anderem auch erheblichen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation des Sports im Allgemeinen und dem professionellen Fußball im Besonderen. Dieser Beitrag macht sich zur Aufgabe, die wesentlichen Auswirkungen der Pandemie auf den Profifußball in Deutschland zu beleuchten. Hierzu werden die allgemeinen Auswirkungen der Pandemie auf den Sport kurz umrissen, um anschließend die Konsequenzen für den deutschen Profifußball auszuleuchten. Dabei wird ausgehend von den Rahmenbedingungen und Besonderheiten der Teamsportindustrie auf mögliche Lösungswege, wie mit etwaig entstehenden Problemen aufgrund der Pandemie umgegangen werden kann, eingegangen. Im Ergebnis sehen die Autoren klare Vorteile für brancheninterne Lösungen wie einen Solidarfonds oder Maßnahmen der Selbstregulierung gegenüber möglicherweise angestrebten staatlichen Subventionierungen.
[Vorwort der Herausgeberinnen:] Mit dieser Veroffentlichung starten wir unsere Schriftenreihe des KCV KompetenzCentrum fur angewandte Volkswirtschaftslehre der FOM Hochschule. (...) Unser erster Band der KCV Schriftenreihe widmet sich der Corona-Krise. Die Autorinnen und Autoren dieses Bands, die grostenteils kooptierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KCV sind, beleuchten die Krise aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Im ersten Abschnitt werden einige grundlegende volkswirtschaftliche Modelle herangezogen, die den Verlauf der Krise - auf kurze, mittlere und lange Frist - modellieren. Der zweite Abschnitt beschaftigt sich mit der Wirtschaftspolitik, umschreibt die getroffenen fiskal- und geldpolitischen Masnahmen und hinterfragt diese kritisch. In Abschnitt III werden die Auswirkungen der Pandemie auf ausgewahlte Markte untersucht. Hierbei stehen besonders betroffene Branchen wie der Tourismus und der Profisport, international vernetzte Industrien und der Arbeitsmarkt im Fokus - aber auch der im Alltag zu beobachtende Engpass an Toilettenpapier wird hier aufgegriffen. Der Band schliest mit einem vierten Abschnitt, der die Corona-Pandemie aus institutionen- und verhaltensokonomischer Sicht naher beleuchtet. Neben dem Anlageverhalten auf den Finanzmarkten und gesundheitsokonomischen Aspekten wird hier auch die Politik der staatlichen Kontaktbeschrankungen aus spieltheoretischer Sicht thematisiert. Die Corona-Pandemie, als eine der grosten menschlichen und wirtschaftlichen Krisen unserer Zeit, bietet somit gerade aus ihrer Einzigartigkeit heraus auch eine Moglichkeit, menschliches Entscheidungsverhalten aus volkswirtschaftlicher Sicht zu erfassen und besser zu verstehen. Wir hoffen, mit diesem Band einen kleinen Beitrag zum besseren Verstandnis dieser Krise in all ihren Facetten zu leisten und wunschen Ihnen eine anregende Lekture!
In addition to significant global consequences, the COVID-19-Pandemia has also had massive impact on sports in general and professional soccer in particular This paper highlights the significant consequences the pandemic has had for professional soccer in Germany This is done by first briefly sketching the general effects of the pandemic before the consequences on German professional soccer are presented in more detail Based on the basic conditions and specifics of the team sports industry, possible solutions to the problems are discussed It is shown that specific support schemes from within the industry, such as solidarity funds and self-regulating measures, may have clear advantages over proposed state subsidies © 2020, List-Gesellschaft e V
Seit einigen Jahren steigt die Dominanz weniger Vereine im deutschen Fußball. Wiederholte Gewinne der Meisterschaften in der Fußball-Bundesliga und die Beteiligung an Spielen auf europäischer Ebene versetzen diese Vereine finanziell in die Lage, dauerhaft in ihre Spieler-Kader zu investieren. Eine bedeutende Einnahmequelle ist dabei die Vermarktung der Fernsehrechte. Dadurch, dass diese in der Bundesliga zentral durchgeführt wird, soll die finanzielle Ausstattung der Vereine angeglichen werden. Der Autor kommt allerdings zu dem Schluss, dass dies nicht gelingt und die Zentralvermarktung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sogar sportpolitisch schädlich ist. Zudem liegt eine wettbewerbsverfälschende Subventionierung vor.
Zusammenfassung In der sportökonomischen Literatur ist in den vergangenen Jahren eine Hinwendung zum ökonomischen Ansatz unter Verwendung der Modellannahmen des Homo Oeconomicus festzustellen. In diesem Aufsatz wird argumentiert, dass dies Ausdruck des ökonomischen Imperialismus ist, weil unter ökonomischem Imperialismus die Anwendung der ökonomischen Methode auf originär außerwirtschaftliche Lebensbereiche (z.B. Sport) zu verstehen ist. Darüber hinaus wird die Auffassung vertreten, dass diese Anwendung der ökonomischen Methode im Sport in den meisten Fällen zu fruchtbaren Ergebnissen und guten Erklärungen sozialer Situationen im Sport führt. Bei der Anwendung der ökonomischen Methode sind aber die Grenzen und Gefahren hinsichtlich der Rationalität und Motivation der Akteure sowie hinsichtlich des normativen Gehalts der Methode zu berücksichtigen.
The current labour dispute in the National Hockey League raises the question of why work stoppages in North American team sports happen frequently, while in European sports no serious labour disputes have been observed to date. The long history of work stoppages in major North American leagues such as Major League Baseball, the National Basketball Association, the National Football League and the National Hockey League is related to industrial organization in these leagues. The monopsonistic environment in North American professional sports leagues enables employers to restrict the mobility of players, while on the European sports labour market restrictions have largely been abolished since the Bosman ruling in 1995. Players in Europe therefore do not have to fight for their labour rights, while in North America professionals have to fight to prevent further restrictions. The industrial organization of leagues therefore plays a crucial role in the compensation of players and differs between Europe and North America, especially through the relegation system which governs most European leagues. It is concluded that industrial structure in European sports limits monopolistic power in the labour market. An “Americanization” of European sports would make labour disputes more likely than they are now.
The competitive situation of professional sports leagues and the clubs organised within has been one of the major concerns in the literature on sports economics. This article deals with competition in professional sports leagues in Europe and North America. It assumes that the relegation rule, which is in effect in most of the European professional sports leagues, forces clubs to manage more efficiently, because it is an additional element of competition at the club level.
Abstract: The,competitive situation of professional sports leagues and the clubs organized within has been one of the major concerns in the literature of sports economics.