Bei der Nationalen Kohorte (NAKO) handelt es sich um die größte bevölkerungsbezogene Kohortenstudie in Deutschland. Ab dem Jahr 2014 werden insgesamt 200.000 Frauen und Männer im Alter von 20 bis 69 Jahren in 18 Studienzentren untersucht. Ziel der Studie ist die Erforschung der Ursachen chronischer Krankheiten im Zusammenhang mit Lebensgewohnheiten, genetischen, sozioökonomischen und umweltbedingten Faktoren und die Entwicklung von geeigneten Maßnahmen zur Früherkennung und Vorbeugung dieser Erkrankungen. Im Fokus stehen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Atemwege, Krebs, Diabetes, neurodegenerative/-psychiatrische und muskuloskelettale Erkrankungen und Infektionskrankheiten. Im Rahmen von Pretest-Studien (Phasen 1 und 2) wurden Messmethoden und -instrumente ausgewählt, SOPs erstellt und ein Untersuchungsprogramm zusammengestellt, das hinsichtlich Akzeptanz, Zeitaufwand und Durchführbarkeit erprobt und geprüft wurde. Die Pretests umfassten Interviews und Fragebogenerhebungen, anthropometrische Messungen, eine Reihe medizinischer Untersuchungen und die Sammlung verschiedener Bioproben. Zudem konnte die für die Hauptstudie benötigte personelle, logistische und technische Infrastruktur aufgebaut werden, wie z. B. die Etablierung der Studienzentren, die zentrale Infrastruktur für das Datenmanagement und Prozesse zur Steuerung der Gesamtstudie, zur Sicherung des Datenschutzes und zur Qualitätssicherung. Auf Basis der Pretests wurde das Untersuchungsprogramm der Hauptphase der NAKO zusammengestellt und optimiert. Die NAKO ist eine bevölkerungsbezogene, hoch standardisierte und umfangreich phänotypisch charakterisierte Kohorte, die eine Basis für neue Strategien zur Risikoerfassung, Früherkennung und Prävention multifaktorieller Erkrankungen bietet.
The German National Cohort (GNC) is the largest population-based cohort study in Germany. Beginning in 2014, a total of 200,000 women and men aged 20-69 years will be examined in 18 study centers. The aim of the study is to investigate the etiology of chronic diseases in relation to lifestyle, genetic, socioeconomic, and environmental factors and to develop appropriate methods for early diagnosis and prevention of diseases such as cardiovascular and respiratory diseases, cancer, diabetes, neurodegenerative/psychiatric diseases, as well as musculoskeletal and infectious diseases. Pretest studies (phase 1 and 2) were conducted to select methods, instruments, and procedures for the main study, to develop standard operating procedures, and to design and test the examination program according to acceptance, expected duration, and feasibility. The pretest studies included testing of interviews, questionnaires, anthropometric measurements, several medical examinations, and the collection of biosamples. In addition, the logistic, technical, and personnel infrastructure for the main study could be established including the study centers, the central infrastructure for data management, processes to coordinate the study, and data protection and quality management concepts. The examination program for the main phase of the GNC was designed and optimized based on the results of the pretest studies. The GNC is a population-based, highly standardized and excellently phenotyped cohort that will be the basis for new strategies for risk assessment and identification, early diagnosis, and prevention of multifactorial diseases.
Zusammenfassung Ziel: Für eine komplex geplante Langzeituntersuchung (Nationale Kohorte) soll zunächst eine einfache und effektive Methodik mit orientierender Visusbestimmung und nichtmydriatischer Fundusfotografie – das sogenannte Augenscreening – entwickelt werden. Methode: Im Zeitraum 2011 und 2012 wurde an 3 epidemiologischen Untersuchungszentren eine orientierende Sehschärfenbestimmung mittels Siebblende unter Verwendung von einfachen Optotypentafeln durchgeführt. Weiterhin wurde das vollautomatische nicht-mydriatische Kamerasystem DRS (CenterVue S. p. a., Padua, Italien) zur Anfertigung von Fundusaufnahmen installiert, welches durch Änderung der Einstellungen auch Vorderabschnittsaufnahmen erstellen konnte. Standardarbeitsanweisungen (SOP) für den Teilbereich des Augenscreenings wurden für die einzelnen Untersuchungsschritte erstellt. Zielkriterien waren die Durchführbarkeit der Methoden im Rahmen der Vorgaben und die Bewertung der Ergebnisqualität. Ergebnisse: Insgesamt wurden 457 Studienteilnehmer (914 Augen) im Rahmen des Augenscreening untersucht. Eine orientierende Visusbestimmung erfolgte im Rahmen eines ersten Vortests und wurde daher nur bei 125 Studienteilnehmern durchgeführt. Der Median des Fernvisus (249 Augen) war für rechte und linke Augen vergleichbar (jeweils 0,8, p > 0,42). 909 Fundusaufnahmen wurden ausgewertet. Die Bildqualität war gut in 491 Fällen (54 %), mittelmäßig in 239 Fällen (26 %) und schlecht in 179 Aufnahmen (20 %). Die Auswertbarkeit der Aufnahmen war uneingeschränkt gegeben in 686 Fällen (75 %), eingeschränkt gegeben in 152 Fällen (17 %) und nicht gegeben in 71 Fällen (8 %). Mit zunehmendem Patientenalter verringerten sich die mittlere Bildqualität (r = 0,26) und die mittlere Auswertbarkeit (r = 0,2). Eine Auswertbarkeit der Vorderabschnittsaufnahmen war bei 176 Augen (56 %) gegeben. Schlussfolgerung: Das Augenscreening erfüllte die Anforderungen der Nationalen Kohorte. Die orientierende Visusbestimmung war schnell und kostengünstig durchführbar. Eine Verbesserung von Qualität und Verwertbarkeit der Fundusaufnahmen wäre durch eine längere Dunkelphase zwischen den Aufnahmen vermutlich zu erreichen. Die Qualität der Vorderabschnitttsaufnahmen erfüllt die Qualitätsanforderungen nicht. Dieser Untersuchungsteil findet daher keine weitere Berücksichtigung im Ablauf des Augenscreening. Die erstellten SOP bewährten sich im Studienalltag. Durch das Augenscreening im Rahmen der Nationalen Kohorte besteht die Möglichkeit eines wichtigen Informationsgewinnes (vaskuläre und retinale Pathologien) nicht nur für die Augenheilkunde.
Background: Several studies show an association of childhood socio-economic status (SES) with adult smoking; however, mostly paternal occupation only or aggregated indices are used. We investigated the role of different childhood SES indicators for adult smoking behaviour. Methods: Cross-sectional data of the CARLA Study (Cardiovascular disease, Living and Ageing in Halle) including 1779 men and women aged 45–83 were analysed. The four indicators of childhood SES were school education and occupational position of each parent. We used logistic regression models to calculate sex-stratified age-adjusted odds ratios (OR) with 95% confidence intervals (CI) of current smoking by the individual childhood SES indicators, the highest SES category being the reference. Results: Twenty-three percent of men and 14.4% of women were current smokers. In men, school education of both parents was statistically significantly associated with smoking. Men with unknown paternal education had the highest risk (OR 2.3, CI 1.1–4.6). With increasing paternal education, ORs decreased. For men whose mother had a low or medium education, ORs were lower compared to those with highly educated mothers. After adjustment for the three other childhood SES indicators and adult SES, social differences partly increased. Small differences were observed by father's occupation, while men with a blue collar mother had a nearly 2fold risk of being a smoker than men with white collar mothers. In women, none of the childhood SES indicators was statistically significantly associated with adult smoking, although there was a strong social gradient for maternal education. Women with unknown maternal education had a 2.4fold risk of smoking; the lowest risk was found in women whose parent was self-employed or farmer. Conclusions: For men, parental education was associated with adult smoking; however, different patterns emerged for father's and mother's education. No statistically significant relation of childhood socio-economic indicators with smoking was observed in women.