Die intellektuelle Verwandtschaft zwischen David Hume und Friedrich Nietzsche ist selten studiert worden/ Dieser Mangel ist äußerst bedauerlich, denn eine gründliche Kenntnis der Beziehung zwischen beiden Philosophen würde sicher ermöglichen, ihren jeweiligen Platz in der Ideengeschichte genauer und gerechter zu bestimmen. Wir wissen, dass Nietzsche zumindest Humes Dialoge über natürliche Religion besaß.^ Diese Tatsache ist nicht unwichtig: Margot Fleischer hat 1996 einen Aufsatz veröffentlicht, wo sie zeigt, dass der Text des schottischen Philosophen möglicherweise eine Quelle för Nietzsches Lehre der ewigen Wiederkehr gewesen ist.^ Nicht nur diese Kemlehre, sondern auch Nietzsches Moralund Religionskritik könnte in gewissem Maße von Humes Dialogen abhängen. Im 10. Teil derselben verkörpert eine der drei Hauptfiguren, der , Mystiker' Demea, das Gewicht des Hasses gegen das Leben im Erscheinen des religiösen Glaubens; und im 12. bringt der , Skeptiker' Philo ausdrücklich die Hypothese vor, Frömmigkeit habe ihren Ursprung in einer schwachen psychologischen Konstitution."^ Die Frage nach einem möglichen Einfluss Humes auf Nietzsche ist also sinnvoll, obgleich äußerst schwer zu beantworten. Doch will ich diese Frage beiseite lassen und nicht die historische, sondern die philosophische Verwandtschaft der Ideen beider Denker hinsichtlich der Moralund Religionskritik unterstreichen. Ist es richtig zu sagen, dass Nietzsche und Hume einen ähnlichen naturalistischen Entwurf teilen? Wenn es der Fall ist, worin liegt die Einzigartigkeit der kritischen Lehre Nietzsches, besonders seiner Analyse des Ressentiments als Ausdruck des Willens zur Macht? Ich möchte kurz den Gegensatz zwischen Heidentum und Christentum besprechen, den Hume wie Nietzsche