Die Rekrutierung von medizinischem Personal aus Versorgungseinrichtungen ist in Studien häufig eine Herausforderung, zu der bislang nur begrenzte Evidenz vorliegt. Um diese zu erweitern, berichten wir die im Rahmen der Interventionsstudie zur Steigerung der HPV-Impfquoten in Deutschland (InveSt HPV) angewandte Rekrutierungsstrategie und diskutieren diese. Pädiatrische Praxen in Bremen und ausgewählten Landkreisen in Bayern wurden postalisch und über Kanäle des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ) kontaktiert. Jede:r Teilnehmende wurde mit bis zu 200 € incentiviert. In Bremen konnten 14 von 39 (35,9
INTRODUCTION:Recruiting healthcare facilities for intervention studies is a well-documented challenge, yet evidence on effective strategies remains limited. To strengthen this evidence base, we report and discuss the recruitment approach applied in the Intervention Study to Increase HPV Vaccination Coverage in Germany (InveSt HPV). METHODS:Pediatric practices in Bremen and selected districts in Bavaria were contacted by mail and through the German Professional Association of Pediatricians (BVKJ). Each participant received incentives of up to € 200. RESULTS:In Bremen, 14 of 39 practices (35.9%) and in Bavaria 25 of 100 practices (25.0%) agreed to participate, resulting in an overall recruitment rate of 28.1%. Within participating practices, engagement exceeded 90% among both physicians and non-physician staff. The most frequently reported recruitment channels at registration were personal and written communication via the BVKJ. Reported motivations for participation included contributing to improved vaccination coverage, interest in the training sessions, and financial incentives. Telephone follow-up calls generated very few additional registrations despite considerable effort. For inquiries, practices preferred direct contact options over fixed consultation hours. DISCUSSION:The experiences from InveSt HPV indicate that leveraging existing professional networks in combination with incentives commensurate with the required time investment facilitates the recruitment of pediatric practices. In addition, a recruitment period scheduled outside the infection season and school holidays, as well as the early planning of supplementary measures in case recruitment proves unsuccessful, appear to be essential.
Impfungen finden in Deutschland fast ausschließlich in Arztpraxen statt. Somit stellt jeder Praxis- bzw. Arztkontakt eine wichtige Chance für die Durchführung einer empfohlenen Impfung dar. Die Wirksamkeit von Einladungs- und Erinnerungssystemen für die Wahrnehmung von empfohlenen Impfungen wurde bereits durch Studien belegt, trotzdem werden solche Systeme in Deutschland – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – nicht flächendeckend genutzt. Die „Interventionsstudie zur Steigerung der HPV-Impfquoten in Deutschland“ (InveSt HPV) widmet sich daher u. a. der Frage, welche Hürden für den Einsatz bzw. die Verbreitung von Einladungs- und Impferinnerungssystemen bestehen. Dafür wurden 2 bundesweite quantitative Befragungen von (i) 345 niedergelassenen, kinderärztlich tätigen Ärzt:innen und (ii) 1805 Eltern mit Kindern im Alter von 9 bis 14 Jahren sowie eine Bestandsaufnahme bei 46 gesetzlichen Krankenkassen mit etwa 51 Mio. Versicherten durchgeführt. Die Befragungsergebnisse sowie weitere, durch das Projektteam zusammengetragene Evidenz waren Grundlage für einen Workshop mit impfrelevanten Akteur:innen aus der Gesundheitsversorgung. Ziel des Workshops war es, gemeinsam an Konzepten für ein zukünftiges Einladungs- und Impferinnerungssystem in Deutschland am konkreten Beispiel der Impfung gegen HPV (humane Papillomaviren) zu arbeiten. In dem vorliegenden Bericht werden Kernergebnisse der durchgeführten Befragungen und ausgewählte weitere, vom Projektteam für den Workshop zusammengetragene Evidenz vorgestellt. Schließlich werden der Workshop und die von den Teilnehmenden erarbeiteten zentralen Elemente für ein HPV-bezogenes Einladungs- und Impferinnerungssystem 2.0 beschrieben.
Zusammenfassung Für einen stets aktuellen Überblick über Veränderungen der psychischen Gesundheit der Bevölkerung während der COVID-19-Pandemie wurde ein kontinuierliches Literaturreview durchgeführt. Auf Basis eines Rapid Reviews wurden Veröffentlichungen bis 31.12.2022 monatlich systematisch und händisch recherchiert. Je Datenerhebung wurden Beobachtungszeiträume, Verzerrungsanfälligkeit und untersuchte Merkmale ausgewertet. Trends depressiver Symptomatik bei Erwachsenen wurden mit Vote Counting zusammengefasst. 102 Veröffentlichungen aus 62 Datenerhebungen in der erwachsenen Bevölkerung wurden eingeschlossen. Datenerhebungen nahmen im Pandemieverlauf ab. 37% der Erhebungen und 56% der Veröffentlichungen können bevölkerungsbezogene Trends verlässlich abbilden. Unter Trends depressiver Symptomatik überwogen zuletzt Verschlechterungen. Der bis Ende 2022 publizierte heterogene Forschungsstand limitiert Evidenzsynthesen. Hinweise auf Verschlechterungen erfordern weitere Beobachtung. Eine kontinuierliche Recherche kann frühzeitig auf Evidenzlücken hinweisen.
In order to provide an up-to-date overview on changes in population's mental health during the COVID-19 pandemic, a continuous literature review was conducted. Building on a rapid review, systematic and hand searches were conducted monthly until December 31, 2022. Studies were assessed for observation periods, risk of bias and outcomes. Trends in depressive symptoms in adults were summarized by vote counting. 102 publications were included from 62 studies in the adult population. Studies declined over the course of the pandemic. Overall, 37% of the studies and 56% of the publications can assess trends in the population reliably. Among evidence for changes in depressive symptoms deteriorations predominated at last. The heterogeneity of results published by the end of 2022 limits evidence syntheses. Evidence of deterioration requires further surveillance. A continuous review can indicate evidence gaps at an early stage.
Zusammenfassung Die fortlaufende und systematische Beobachtung der Bevölkerungsgesundheit ist grundlegend für eine effektive Public-Health-Praxis. Angesichts der wachsenden Bedeutung psychischer Gesundheit für die Bevölkerungsgesundheit wird am Robert Koch-Institut eine Mental Health Surveillance für Deutschland aufgebaut. Deren Ziel ist es, kontinuierlich verlässliche Einschätzungen zur psychischen Gesundheit der Bevölkerung und ihrer Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Aktuell werden 3 Surveillance-Strategien verfolgt: 1) Regelmäßige Bestandsaufnahmen sollen den psychischen Gesundheitszustand der Bevölkerung über eine Vielfalt an Indikatoren und Datengrundlagen umfassend beschreiben und langfristige Veränderungen aufzeigen. Sie knüpfen an bereits vorliegende Arbeiten aus Epidemiologie und Versorgungsforschung an. 2) Die hochfrequente Beobachtung einer Auswahl an Indikatoren dient der frühen Erkennung von Trends. 3) Das kontinuierliche Literaturreview erfasst monatlich die aktuelle Evidenzlage zur Entwicklung der psychischen Gesundheit in der COVID-19-Pandemie. Die beiden letzten Strategien entstanden in Reaktion auf veränderte Informationsbedarfe während der Pandemie. In diesem Beitrag werden die 3 Strategien, ihre Funktionen, Grenzen und Entwicklungspotenziale beschrieben und diskutiert. Vermittelt über verschiedene Formate der Berichterstattung können sie Handlungs- und Forschungsbedarfe im Bereich Public Mental Health aufzeigen. Bei weiterem Aufbau und Betrieb hat Mental Health Surveillance insgesamt das Potenzial, die Erreichung von Zielsetzungen im Bereich Public Mental Health zu unterstützen und auf verschiedenen Ebenen zur Verbesserung der gesundheitlichen Lage beizutragen.