Die Akteur-Netzwerk-Theorie, kurz ANT, ist ein revolutionärer Ansatz, der die etablierte Subjekt-Objekt-Trennung aufzulösen versucht und die Handlungsnetzwerke von Akteuren und Objekten, sog. Aktanten, fokussiert. Ihre vor allem empirische Bedeutung für die Frauen- und Geschlechterforschung wurde bisher kaum aufgegriffen. Die Bedeutung von Objekten für stereotypisierte Geschlechtszuschreibungen ebenso wie die Vergeschlechtlichung von Dingen selbst sind Themen, die in der Akteur-Netzwerk-Theorie bisher wenig Beachtung gefunden haben, jedoch neue Sichtweisen auf Geschlechterverhältnisse ermöglichen. Die Diskussion über den aktuellen Forschungsstand zeigt, in welchen Bereichen sich das Potenzial der Akteur-Netzwerk-Theorie weiter ausschöpfen lassen kann. Neben vorhandenen Ansätzen in den feministischen „Science and Technology Studies“ (STS) und der Debatte um technologischen Fortschritt besteht die Möglichkeit, mithilfe der Akteur-Netzwerk-Theorie Erkenntnisse vor allem über die geschlechtsspezifizierte Segregation auf Erwerbsarbeitsmärkten als auch auf der familiären, sozialen und politischen Ebene zu generieren.
Eine Einladung zum Dialog zwischen Gesellschaftstheorien und Genderforschung sprechen Heike Kahlert und Christine Weinbach aus mit der Herausgabe von neun Rekonstruktionen, Integrationen und Revisionen soziologischer Theorien uber Entwicklung und Strukturmerkmale moderner Gesellschaften. Die Analysen zum Stellenwert von Geschlecht in klassischen Werken von Pierre Bourdieu uber Norbert Elias und Michel Foucault bis Luhmann zeigen schnorkellos die Leichtigkeit herrschaftlichen Denkens und was sie leisten konnten, wenn die ‚Superstruktur Geschlecht‘ berucksichtigt werden wurde. Die „Einladungstexte“ geben vielfaltige Anregungen fur weitere Forschungen zu allem „Gesamtgesellschaftlichen“ – auch wenn fast alles schon andernorts geschrieben steht.
NINA BAUR / HERMANN KORTE / MARTINA LÖW / MARKUS SCHROER (Hrsg.), Handbuch Soziologie. Wiesbaden: VS Verlag 2008, 505 S., br., 39,95€
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Only seldom in discussions on didactics in Germany curricula are researched as relevant documents for the theory and practice of civic education. Their influence is often wrongly estimated as insignificant. But it becomes clear, especially from a gender-theoretical perspective, how significant "curriculum work" is, even for the construction of social realities.