Es ist unbestreitbar, dass seit einigen Jahrzehnten narratologische Untersuchungen in den internationalen literatur- und kulturwissenschaftlichen Diskussionen Konjunktur haben, wie im Klappentext dieses Bandes zu lesen ist, aber erst in den letzten Jahren entwickeln diese sich hin auf eine einheitlicher werdende Terminologie ihrer theoretischen Modelle. Der Begriff Narratologie ist in der deutschsprachigen Tradition noch keineswegs dominierend, sondern setzt sich erst langsam gegen Erzähltheorie durch, und kurioserweise findet sich auf Wikipedia etwa auch noch ein Artikel zu Erzählforschung, als Zweig der Ethnologie.
Die Beziehungen zwischen deutschsprachiger Literatur und jüdischer Kultur haben eine reiche und komplexe Geschichte, die tief in die kulturelle und literarische Entwicklung Deutschlands eingewoben ist. Das vorliegende Rahmenthema ,,Deutsch-jüdische Literaturbeziehungen“ will den Raum bieten, diese faszinierende und bedeutende Bindung, die Jahrhunderte gemeinsamer Geschichte, kultureller Einflüsse aber auch verheerender Ereignisse umfasst, in ihren literarischen Ausformungen auszuloten.