Ziel des Aufsatzes ist es, anhand der Diskussion des Zusammenhangs dreier Filme exemplarisch deutlich zu machen, dass eine Theorie der Bedeutung des Vampirs als Filmgestalt von einem breiteren Verständnis des Vampirfilms ausgehen sollte. Wird in dem vielleicht bedeutensten (klassischen) Vampirfilm, *Murnaus Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens (1922), mit dem in der Filmhandlung 'realem' Vampir, dem Grafen Orlok, eine Figur eingeführt, deren Dechiffrierung bzw. zunächst deren Einbettung in die Filmhandlung eine Tür zum Verständnis der eigentlichen Darstellungsleistung des Kunstwerks, somit auch zu seinem zeitdiagnostischen Gehalt, öffnet, so gilt analoges auch für zwei Filme, die für gewöhnlich nicht als Vampirfilme gelten: Sowohl in Rudolf Thomes Rote Sonne (1969) als auch in Ridley Scotts The counselor (2013) dienen vampireske Handlungselemente unter ästhetischem Verweis auf klassische Vampirfilme in einer Weise, die der Funktion des Grafen Orlok in Murnaus Film durchaus analog ist, als Momente einer komplexen Deutung.