Zusammenfassung Die berufliche Ausbildung in Deutschland wird auch heute noch häufig mit der dualen Ausbildung gleichgesetzt. Schulische Berufsausbildungen können im doppelten Sinn als Ausbildungen zweiter Klasse gesehen werden: Sie werden in Öffentlichkeit und Wissenschaft seltener wahrgenommen; geraten sie aber in den Blick, so wird oftmals angenommen, dass die (überwiegend weiblichen) Personen, die solche Ausbildungen absolvieren, im Vergleich zu dual Ausgebildeten schlechtere Arbeitsmarktchancen haben. Der Beitrag skizziert zunächst duale Ausbildungen, Ausbildungen an Schulen des Gesundheitswesens sowie Ausbildungen an Berufsfachschulen (unter gesonderter Betrachtung der Erzieher:innen) im gesellschaftlich-historischen Kontext und zeigt, wie dieser Kontext letztlich auch mit unzureichender Forschung zu den schulischen Ausbildungen einhergeht. Mit Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) werden anschließend die Chancen von Absolvent:innen der verschiedenen Ausbildungssegmente beim Übergang in den Arbeitsmarkt analysiert (Dauer bis zur ersten Beschäftigung, Merkmale des ersten Beschäftigungsverhältnisses sowie Arbeitslosigkeit nach der ersten Beschäftigung). Im Ergebnis zeigt sich, dass die (nicht bundesweit, sondern per Ländergesetzgebung geregelten) Ausbildungen an Berufsfachschulen tatsächlich mit etwas schlechteren Arbeitsmarktchancen verknüpft sind. Auffällig ist das Profil der Erzieher:innen, die besonders häufig befristet beschäftigt sind. Mit Blick auf den Beschäftigungsbedarf der Zukunft sind mehr öffentliche Aufmerksamkeit und mehr staatliches Engagement für die schulische Berufsbildung dringend erforderlich.
ZusammenfassungSeit Mitte der 2000er Jahre hat sich die öffentliche Thematisierung von Arbeitslosigkeit in Deutschland entschieden gewandelt. Über 30 Jahre hinweg war der Diskurs über Arbeitslosigkeit ein Dramatisierungsdiskurs gewesen. Dieser hatte Mitte der 1970er Jahre eingesetzt, als die Zahl der Arbeitslosen (in der damaligen Bundesrepublik) auf über 1 Million Betroffene stieg; dies wurde als gravierender Einschnitt in das „Wirtschaftswunder“ – die anhaltende Zunahme von Beschäftigung und Wohlstand nach Überwindung der Folgen des Zweiten Weltkriegs – wahrgenommen und rief Reaktionen hervor, die bis zu Warnungen vor Erschütterungen der politischen und sozialen Ordnung der Bundesrepublik reichten, die an die Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise ab Ende der 1920er Jahre und den sich anschließenden Aufstiegs Hitlers erinnerten.
Die Familienkonstellation, in der Kinder und Jugendliche aufwachsen, hängt deutlich mit deren Bildungserfolg zusammen. Dieser Zusammenhang ist jedoch zu beträchtlichen Teilen über die Ressourcenausstattung unterschiedlicher Familienkonstellationen vermittelt. Genaue Analysen dieser Zusammenhänge stehen jedoch noch aus, auch deshalb, weil die Familienkonstellation häufig nicht ausreichend differenziert erfasst wird. Dieser Beitrag untersucht anhand von Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS), wie sich Familien mit zwei leiblichen Eltern, Stieffamilien sowie Familien mit allein erziehenden Müttern bzw. Vätern hinsichtlich der Ausstattung mit (sozio-)ökonomischem, kulturellem und Sozialkapital unterscheiden, und welchen Einfluss dies auf die Lese- und Mathematikkompetenzen von Jugendlichen in der 9. Klassenstufe hat. Unsere Analysen zeigen, dass vor allem das kulturelle Kapital und in geringerem Ausmaß das (sozio‑)ökonomische und das Sozialkapital für den Bildungserfolg verantwortlich sind. Familien mit zwei leiblichen Eltern verfügen über die meisten, solche mit allein erziehenden Eltern über die geringsten Ressourcen, wobei Unterschiede zwischen allein erziehenden Müttern und Vätern beobachtet werden können. Dennoch können nicht alle Unterschiede im Bildungserfolg zwischen den Kindern in verschiedenen Familienkonstellationen auf Ressourcenunterschiede zurückgeführt werden: Vor allem die Kinder, die mit allein erziehenden Vätern zusammenleben, schneiden auch nach Kontrolle der Ressourcen deutlich schlechter in den Kompetenztests ab.
The family structure in which children and adolescents grow up is related to their educational achievement. However, this relationship is mediated to a significant degree by the resource allocation of different family constellations. A detailed analysis of these relationships is still lacking, partly because the family structure is often not recorded in a sufficiently differentiated manner. Using data from the National Educational Panel Study (NEPS), this article examines how families with two biological parents, stepfamilies, and families with single mothers or fathers differ in terms of endowment with (socio-)economic, cultural, and social capital, and how this affects the reading and math skills of their children in the 9th grade. Our analyses show that mainly cultural capital, and to a lesser extent (socio-)economic and social capital, are responsible for the reading and math skills in the 9th grade. Families with both biological parents have the highest resources, whereas single-parent families command significantly fewer resources, with differences observed between single fathers and single mothers. Nevertheless, not all differences in educational achievement between children in different family structures can be attributed to resource differences: especially children who live together with single fathers perform significantly worse in the competence tests, even after controlling for resources.
Einige Vorbemerkungen. Erstens: Ich könnte den Leser*innen undmir die Besprechung des vorliegenden Werkes leicht machen: Ein Methodenhandbuch ohne Stichwortverzeichnis ist ein (schlechter) Witz – jedenfalls solange Bücher noch auf Papier gedruckt, verkauft und möglicherweise gelesen werden – und insofern könnte die Rezension an dieser Stelle bereits enden. Da es aber auch eine PDFVersion des Buches gibt, kann man sich als Rezensent (und als Leser mit Zugang zu besagter Version) mit der Suchfunktion behelfen, korrekte Schreibung der gesuchten Zeichenfolge vorausgesetzt. Und das hier präsentierte Vorhaben des „Versuch[s] einer Systematisierung der sozialwissenschaftlichen Erhebungsmethoden“ (so Herausgeberin und Herausgeber in ihrer Danksagung [37]) ist nun doch wichtig genug, um es einer kritischenWürdigung zu unterziehen. Zweitens: Ein Handbuch mit fast 90 Beiträgen zu besprechen, bedeutet unweigerlich Selektivität. Daher sei versichert, dass unter den im Folgenden nicht
This article fills a gap in the existing literature by investigating how public employment service (PES) staff actually deal with their clients under a continental regime of activation. The results reported here are based on interviews both with PES staff and their unemployed clients in Germany. We argue that due to its Bismarckian origins as an insurance-based system of 'unemployment protection', Germany's system of unemployment compensation is attractive not only for the marginalized, but also for core workers. As a result, PES staff deal with clients from very heterogeneous class backgrounds. We demonstrate that social class is a significant factor in client outcomes, and that earlier research has perhaps overemphasized the role of frontline staff as 'street-level bureaucrats'. While staff do have considerable power, the result of the encounters between the administration and clients also depends on the capabilities of the clients, which, in turn, are strongly related to social class.
In this paper we examine young Germans’ occupational aspirations and the significance of neighborhoods and schools in explaining these aspirations. We aim to show (i) which of the two contexts is more significant in this regard and (ii) by which mechanisms characteristics of these contexts become relevant for youths’ actions or, more precisely, anticipated actions. We conduct our analyses by means of multilevel models. Merging data from Germany’s National Educational Panel Study on 9th grade students with micro-geographic data on residential quarters allows us to consider characteristics of the micro- as well as the meso- and macro-levels. The results show that the school context is considerably more influential on young people’s aspirations than the neighborhoods where they live. This probably reflects the selection of young people into different school types that is characteristic of Germany, a country with a highly stratified school system. Schools do not only shape youths’ career expectations; they are also important places of secondary socialization in that they have an impact on youths’ preferences for particular occupations. Furthermore, we found evidence that the social pressure to aspire high status occupations varies by social composition of the school as well as of the neighborhood context; the effect of neighborhoods, however, is rather weak.
Spatial mobility is rarely investigated with a view on social policy and welfare administrations. Yet, recent activation and workfare policies have increased pressures on the unemployed, with one of these pressures concerning spatial mobility, i.e. the requirement to accept jobs that entail long commuting hours or even relocation. This paper investigates the shift towards activation in Germany, focusing on increased demands on job-seekers' mobility, and uses a governmentality perspective, supplemented by the concept of symbolic violence, to gain insight into the strategies and practices deployed by Public Employment Service (PES) staff to produce 'mobile selves'. It demonstrates that perceptions of (im)mobility figure prominently in the assessment not only of job-seekers' labour market prospects but also of their character and motivation to seek work. Thus, the personal and familial implications of mobility are considered as mitigating circumstances mainly in the case of older jobless with poor labour market prospects. The majority of job-seekers, and particularly those living in regions with high unemployment, are subject to efforts on the part of PES staff to make them understand the necessity of being as mobile as possible; if such insight is found wanting, pedagogical devices are deployed to enhance job-seekers' mobility.
Abstract Spätestens im Zuge des New Public Management haben sich die normativen Vorgaben für ‚gutes‘ Verwaltungshandeln grundlegend verändert: Gemäß der Modernisierungssemantik sollen Bürger/- innen zu Kundinnen und Kunden werden und in der Verwaltung auf effiziente Dienstleister/-innen treffen. Was diese Neuausrichtung jedoch für Frontline-Beschäftigte der öffentlichen Verwaltung und ihren Berufsalltag bedeutet, ist empirisch kaum untersucht. Anhand qualitativer Interviews geht dieser Beitrag der Frage nach, welche subjektiven und handlungspraktischen Folgen das entstandene Spannungsfeld aus Hoheitlichkeit, Kunden- und Effizienzorientierung für die Beschäftigten hat. Es können differierende Umgangsmuster mit den neuen Verwaltungsvorgaben beobachtet werden. Sie werden als Chance der beruflichen Bewährung oder als Gefährdung eigener Werthaltungen wahrgenommen, was mit dem jeweiligen beruflichen Selbstverständnis der Mitarbeiter/- innen zusammenhängt.
In diesem Text gehe ich meistens explizit, gelegentlich implizit davon aus, dass die LeserInnen die am meisten verbreitete Textverarbeitungssoftware verwenden, Microsoft Word. Ich tue dies nicht aus der Überzeugung, dass man diese Software verwenden sollte – es gibt brauchbare Programme, die z. T. wesentlich günstiger sind und weitaus weniger nerven, und es gibt kostenlose und herausragende Alternativen –, sondern ausschließlich deshalb, weil nun einmal die meisten Menschen mit Word arbeiten. Soweit ich detaillierte Angaben mache („So geht’s“), beziehe ich mich auf MS-Word 2010 bzw. 2013. Ältere Versionen hatten eine teilweise stark abweichende Menüführung und ein anderes Aussehen, aber die Funktionen bzw. Gestaltungshinweise, die ich hier vorstelle, gibt es dort auch.
Building on the notion of the ‘social nature’ of money, this article investigates how dual-earner couples in Germany, Spain, Sweden and the US handle money in their everyday lives. We analysed in-depth, open-ended interviews conducted with 45 couples in these four countries to determine whether they define money as ‘joint’ or ‘separate’ and to investigate the consequences such definitions have for couple relationships. The concept of the convertibility of money helped us to spell out these consequences in detail. In addition, we explore whether the meaning of ‘joint’ or ‘separate’ money might relate to institutionalized cultural frameworks embodied in welfare policies that vary between countries. Couples in Spain and in Sweden seem to practise a low degree of convertibility of money into other resources, but they do so for different reasons: in Spain, money tends to be considered ‘joint money’ from the outset, whereas in Sweden it is often kept ‘separate’ and outside the relationship. In contrast, in the US and Germany, money, while often classified as ‘joint’ by the couples, is more likely to be seen as each partner’s individual contribution to the relationship. Thus it can be, and often is, converted into resources such as domestic work or recognition.