Integrierende Stadtentwicklung mit dem Ziel, Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen herzustellen, braucht kleinräumige und institutionenscharfe Daten zur Diagnose von Nachteilen und zur Evaluation von Maßnahmen. Das Monitoring-Instrument „Wie geht’s dir? UWE“ (Umwelt, Wohlbefinden, Entwicklung) – eine Adaption und Weiterentwicklung des kanadischen Middle Years Development Instrument – erfasst die subjektive Sicht von Kindern und Jugendlichen auf ihr gegenwärtiges Leben. UWE untersucht die Einflüsse von stärkenden Ressourcen in Familie, Schule und Wohnumgebung auf das Wohlbefinden von Jugendlichen. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse einer Pilotstudie vor, die in Herne in NRW durchgeführt wurde. Im Rahmen der Studie wurden alle Schülerinnen und Schüler der siebten und neunten Klassen befragt. Die Verteilung des Wohlbefindens zeigt deutliches Potential für Verbesserungen. Für den Ergebnistransfer in die Praxis wurden die Ergebnisse in den Schulen vorgestellt und ein Stadtbericht veröffentlicht. UWE wirkt so als starker Impuls für eine weitere Vernetzung von Akteuren in Schulen und Sozialräumen, um das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen zu verbessern.
This article presents results of a pilot-study, which developed a monitoring-instrument for measuring well-being of children and young people in a municipal permanent observation and as evaluation tool. Integrated urban development faces the challenge to absorb negative consequences at the development of children by residential and educational segregation. At the same time, in cities there is a lack of systematic available small-scale data about children in the middle years. The instrument uses human resources as necessary potential for society and measures areas of children's development strongly linked to well-being and the influence by the socio-spatial contexts: family, school and living environment. A simultaneous testing of these contexts allows options of intervention, which can be used resource-specific.
Die soziale Integration und die Entwicklung des örtlichen Sozialstaats waren lange Zeit an Voraussetzungen geknüpft, die heute in dieser Form schlichtweg nicht mehr vorzufinden sind: Bevölkerungswachstum, Wachstum des Arbeitsmarkts, steigende Steuereinnahmen sowie der Ausbau sozialer Sicherungssysteme gehören längst der Vergangenheit an. Als die Städte noch durch eine positive Bevölkerungsdynamik gekennzeichnet waren, entwickelten sie mit der sogenannten „Simultanpolitik“ ein sowohl planerisches als auch sozialstaatliches Instrumentarium, dass der Stadtgesellschaft die Teilhabe an den ökonomischen Zuwächsen ermöglichen sollte (Häußermann/ Siebel 1987: 121). Mit der Förderung des städtischen Wirtschaftswachstums sollten die Finanzmittel aufgebracht werden, mit denen sich die Ausdehnung der Stadt in sozialstaatlichen Bahnen halten lassen und die soziale Infrastruktur ausgebaut werden sollte. Heute sind die sozialen Qualitäten des städtischen Lebens jedoch beschränkt und die Voraussetzungen für einen sozialen Ausgleich zwischen Gruppen mit unterschiedlichen Lebenschancen verschlechtern sich zunehmend – die „soziale Stadt“ ist heute längst nicht mehr als selbstverständliche Folge eines guten Wirtschaftsstandortes und einer guten Planung der „gebauten“ Stadt zu verstehen (Bartelheimer 2001: 64).
Erst seit den späten 1990er-Jahren erfährt der Geburtenrückgang in Deutschland öffentliches und mediales Interesse. Das lässt vermuten, dass es sich um ein neues Phänomen handelt, tatsächlich aber befinden wir uns in der späten Phase einer „säkularen Nachwuchsbeschränkung“ (Linde 1984), in deren Frühphase zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Frauen in Deutschland im Durchschnitt noch etwa fünf Kinder im Laufe ihres Lebens bekommen haben. Zwischen 1965 und 1975 hat sich dieser Prozess in der Bundesrepublik mit einer FastHalbierung der Geburtenzahlen dann rapide beschleunigt.
Viele Gesundheitsprobleme hängen eng mit der Lebenssituation benachteiligter Bevölkerungsgruppen zusammen (vgl. Badura, 2000). Übergewicht z. B. ist ein Problem der unteren sozialen Schichten. Der Bericht der Enquetekommission „Zukunft der Städte“ im nordrhein- westfälischen Landtag (2005) hat gezeigt, dass in den Städten die soziale Segregation der Bevölkerung, das heißt die räumliche Trennung von Arm und Reich, die demographische Segregation, das heißt die räumliche Trennung von Menschen mit und ohne Kinder, zugenommen haben und dass die ethnische Segregation, also die räumliche Konzentration von Einwanderern in bestimmten Stadtvierteln, nicht abgenommen (und die der türkischstämmigen Einwanderer eher zugenommen) hat. Diese drei Segregationsdimensionen sind heute hoch korreliert: Dort wo die meisten „Ausländer“ leben, wohnen die meisten armen Leute und hier wachsen die meisten Kinder in den Städten auf (vgl. ILS/ZEFIR: 2006).
In Deutschland hat der Geburtenrückgang der 1960er und 1970er Jahre erst Ende des letzten Jahrzehnts der staatlichen Familienpolitik Prominenz und neuen Schub gegeben. Familienpolitik in Deutsch¬land am Anfang des 21. Jahrhunderts versteht sich als Bevölkerungspolitik, die bezweckt, mit verbesserter Vereinbarkeit von Beruf und Familie das Ausmaß an Kinderlosigkeit zu senken und die Geburtenzahlen zu heben. Diese Ausrichtung orientiert sich an den Bedarfen von Mittelschichtfamilien, und sie fokussiert quantitative Aspekte der Leistung von Familien für die Gesellschaft. Tatsächlich gibt es in den Städten und Gemeinden aber eine Vielfalt von Lebenslagen der Familien mit unterschiedlichen Gefährdungen von Qualitäten der Entwicklung von Kindern, die nach differenzierten und integrativen örtlichen Politikansätzen unter Einbeziehung der Wirtschaft und zivilgesellschaftlicher Akteure verlangt. Örtliche Familienpolitik ist Investition in die nachwachsende Generation. Um passgenaue Lösungen für unterschiedliche Problemlagen entwickeln zu können, braucht es gute Informationsgrundlagen, die eine kommunale Familienberichterstattung schafft. Es braucht Zuständigkeiten für Familie in den Kommunen und die Beteiligung der Familien „vor Ort“. Wirksame örtliche Familienpolitik integriert Aktivitäten unterschiedlicher individueller und korporativer Akteure, die geeignet sind, die Leistungen der Familien umfassend zu unterstützen. „Mehr Kinder“ ist nicht genug.
"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder. Geh doch in die Oberstadt, mach's wie deine Brüder...", so beginnt das wohl berühmteste Lied des Liedermachers Franz-Josef Degenhardt.
Objective: North Rhine-Westphalia (NRW's) indicator set for health reporting activities comprises more than 70 regional health indicators, which means that these data are available for health reporting purposes for all 54 districts and urban districts. Morbidity and mortality indicators differ in part quite considerably and require further interpretation. With the help of selected indicators, the authors of the following article try to explain the relation between social status and health status.Methodology: Ten years ago, NRW, as part of its health reporting activities, started to carry out multivariate analyses to classify socio-demographically different types of regions, leading to the establishment of six types of regions which can be linked to health-related data. Social structure indicators are part of a first step submitted to a main component analysis and grouped together by a small number of features and/or factors which clearly reflect differences in living conditions. As a result, two factors were extracted: an economic prosperity factor which is mainly determined by the disposable income and a so-called A-factor which mainly describes the fact that poorer, elderly, unemployed and foreign population groups live concentrated in regions with a declining population but high population density. These factors are, in a second step, used for a cluster analysis aimed at classifying the 54 districts and urban districts and at establishing different types of regions. In a subsequent step, the cluster method is used to explain regional variations of selected health indicators.Results: It is a proven fact that morbidity and mortality are influenced by social status. With the help of selected indicators, six clusters with a different socio-economic structure influencing the health status of the population can be established for NRW. Special attention should be paid to the cluster of the Ruhr area with its below-average social situation. With 90% NRW's population primarily living within the other 5 clusters which are differently structured but increasingly adjusting their living conditions to each other. The authors of this publication assign four health status indicators to predefined clusters and analyse the relation between the social and health status: female and male life expectancy, the proportion of underweight live births, infant mortality and avoidable deaths. In regions with high A-factor values (poverty pole), i.e., in several ways socially deprived regions, male and female average life expectancy is significantly lower than in regions with a clearly less pronounced accumulation of problems. Moreover, a significantly higher life expectancy for male live births can be observed in regions with a high disposable income. The model fails to establish a convincing correlation between social status and infant mortality and breast cancer.Conclusions: Knowledge about socio-demographic differences in the health status of the population is particularly important for prevention measures in order to be able to react appropriately to health risks in districts and urban districts. The analysis shows that an intense regional accumulation of problems will have a negative influence on health status, an influence which is more significant than the positive influence of prosperous regions on the health status.