Das demografisch bedingte Auseinanderdriften von Pflegenachfrage und professionellem Pflegeangebot in den nächsten Jahrzehnten scheint in der Fachwelt keiner mehr ernsthaft anzuzweifeln. Insofern macht der vorliegende Beitrag anhand einer repräsentativen Stichprobe von Pflegekräften im Landkreis Reutlingen deutlich, welche Stellschrauben den relevanten Entscheidungsträgern in der Pflege zur Verfügung stehen, um einen Fachkräftemangel letztlich doch noch abzuwehren. Der Beitrag unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen berufsspezifischen Faktoren, die betriebsübergreifend zu diskutieren sind sowie betriebsbezogenen Einflussgrößen, die direkt von den einzelnen Einrichtungen zu beeinflussen sind. Als Zielgröße wird hierbei der Berufsausstieg der befragten Pflegekräfte analysiert, da sich durch diese Herangehensweise wichtige Erkenntnisse für eine Steigerung des Arbeitskräfteangebots gewinnen lassen. Darüber hinaus werden neue Erkenntnisse im Ausbildungsbereich der Altenpflegekräfte generiert, da insbesondere Auszubildende in jungen Jahren häufig vorzeitig den Beruf verlassen. Des Weiteren macht die Analyse deutlich, dass neben dem Alter die berufsbegleitende Ausbildung einen positiven Einfluss auf die Berufsverweildauer hat.
Das vorliegende funfte Update der 2006 begonnenen Generationenbilanzierung der Stiftung Marktwirtschaft und des Forschungszentrums Generationenvertrage der Universitat Freiburg wirft einen ungeschminkten Blick auf die langfristige Nachhaltigkeit der offentlichen Finanzen. Vor dem Hintergrund der Diskussion zur Reform der Sozialen Pflegeversicherung werden dabei die Absichtserklarungen des Koalitionsvertrages sowie das Konzept der Karenzzeit als ein mogliches Reformmodell auf den Prufstand der Nachhaltigkeit gestellt.
Das im Jahr 2012 zu erwartende Defizit in der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) sowie die durch die geplante Neufassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs zusätzlich entstehenden Mehrausgaben machen einschneidende Reformmaßnahmen der SPV dringend erforderlich. Ist es das erklärte Ziel der Politik, die bereits bestehende intergenerative Ungleichheit nicht weiter auszudehnen und die im Koalitionsvertrag vereinbarte Ergänzung der SPV um kapitalgedeckte Elemente umzusetzen, so zeigt der vorliegende Beitrag mit dem Vorschlag einer Karenzzeit – im Sinne einer Wartezeit bis zur Leistungsgewährung – eine Möglichkeit auf, die SPV in ein nachhaltiges System zu überführen. Die Karenzzeit findet hierbei ihre Rechtfertigung durch die genaue Analyse der Verweildauer in Pflege.
Using microdata, that is, representative samples of 114,403 German long-term care dependants (LTCDs) observed from 2000 to 2009, we give a comprehensive insight into the length of stay (LOS) in long-term care (LTC). Furthermore, this paper evaluates the effects of longevity on the LOS, thus revisiting the debate on the validity of the competing theories of compression or expansion of morbidity in LTC. The analysis finds significant effects on the LOS when AGE is controlled for, albeit do not confirm the time-to-death hypothesis. However, controlling for ASSESSMENT LEVEL suggests an improved health status of LTCDs over time, thus supporting the time-to-death hypothesis. An analysis of the mortality rates of LTCDs is to give insight into the opposing results. But the regression of mortality shows a divergence in the development of mortality rates for different disability levels. This is evidence to suggest that the 'improved' health status in LTC is not only due to actual changes in the health status, but also a consequence of political intervention.
ZusammenfassungVon den heute ca. 2 Mio. Pflegefällen wird etwa die Hälfte durch Angehörige (informell) in den eigenen vier Wänden versorgt. Unter Berücksichtigung der demografischen Alterung der Gesellschaft, einer steigenden Erwerbsbeteiligung der Frauen sowie einem zunehmendem Anteil allein lebender Personen im Alter stellt sich die Frage, welche Rolle die informelle Pflege in Zukunft noch leisten im Stande ist. Vor dem Hintergrund einer Verdopplung der Pflegefälle bis zum Jahr 2050 zeigt der vorliegende Beitrag auf dass der Anteil an informeller Pflege in Zukunft immer weiter zurückgedrängt wird. Demgegenüber werden professionelle Pflegeleistungen durch ambulante sowie stationäre Anbieter künftig deutlich an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung wird zu einem Nachfrageanstieg an professionellen Pflegekräften führen, weshalb sich der Pflegesektor zu einem der „Beschäftigungsmotoren“ in Deutschland entwickeln könnte.
Im Vergleich zu den anderen von Professor Dr. Simon kritisierten Pflegepersonalberechnungen weist der vorliegende Beitrag bislang als einziger ein umfassendes Arbeitsmarktmodell mit einer Angebots- sowie einer Nachfragefunktion auf, welches empirisch im Sinne eines Zeitreihenansatzes auf dessen Güte überprüft wurde. Eine vergleichbare Modellierung der Angebotsfunktion wie im hier gewählten Modellansatz und deren empirische Überprüfung lassen sich in der bisherigen Forschungsliteratur hingegen nicht finden. Insofern sollten künftige Prognosen zum Personalbedarf verstärkt darauf hinarbeiten, den hier gewählten Ansatz methodisch weiter zu entwickeln und die Qualität der Prognosen durch immer hochwertigere Datensätze weiter zu verbessern. Bei einer entsprechenden Datenlage wäre dann auch eine Erweiterung des Modellansatzes auf weitere relevante Gesundheitsmärkte, wie von Simon vorgeschlagen, denkbar. Durch diese Erweiterung ließe sich letztlich auch das Problem der Substituierbarkeit der verschiedenen Pflegeberufe aus unterschiedlichen Gesundheitsmärkten in den Griff bekommen. Zum heutigen Zeitpunkt bietet der Beitrag aber auf Grund der Qualität der Ergebnisse eine solide Projektion für den künftigen Personalbedarf. Labour Market of Care: Calculating the Headcount in Long-Term Care and Job Tenure Compared to all other approaches for calculating the headcount in long-term care that are criticized by Professor Simon, the present article is the only one that presents a comprehensive labour market model that includes both a supply- and a demand-side function. A time-series approach is used and is tested for validity by standard empirical tests. A comparable approach to model the supply side of the long-term care labour market, using the same quality standards as in the present article, cannot be found in the existing literature. Future projections of personnel requirements should focus on refining the method of the presented model and on improving the quality by including other high comprehensive data sets. As Simon suggests, the existing approach could usefully be extended to cover other health care sectors, if the available data improve accordingly. By enlarging the focus, the substitution of other care jobs from different health-care sectors could be considered in the model as well. From today's perspective the presented model can be seen as a suitable concept for modelling future labour demand as it leads to highly significant results.
One major aspect of the recent reform of the German statutory long-term care insurance (“Gesetz zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung”) was the implementation of additional benefits for dementia patients. This reform was the outcome of a tedious debate concerning the question whether long-term care patients suffering from dementia were discriminated by the old regulations of the statutory long-term care insurance compared to non-dementia patients as benefits only applied to physical disabilities. Taking into account the differences in remaining life expectancy and costs of (different forms) of long-term care, this paper discloses the funding gaps of the two groups of benefit recipients. Using the concept of the absolute and relative equal burden, the paper analyzes the magnitude of the additional benefits equalizing relative and absolute costs in long-term care. Due to population aging and the resulting (financial) non-sustainability of the statutory long-term care insurance, the paper adopts a neutral expenditure approach by redistributing the existing transfers between these two groups thus making them equally well-off. Zusammenfassung Auf die Forderung zur Ausweitung der Pflegeleistungen für den Personenkreis der Demenzkranken hat die Politik kürzlich mit dem “Gesetz zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung“ reagiert. In diesem Kontext stellt sich die Frage, inwieweit Demenzkranke nach dem gegenwärtigen Leistungskatalog der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) benachteiligt werden. Unter Berücksichtigung der Unterschiede in der Lebenserwartung sowie den Pflegekosten werden im Rahmen des vorliegenden Beitrags die Deckungslücken eines dementen und nicht-dementen Pflegebedürftigen berechnet. Gemessen am tatsächlichen Pflegebedarf wird unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Gerechtigkeitsprinzipien bestimmt, welche Maßnahmen zur Beseitigung bestehender Ungleichheiten bei der Zuteilung von Pflegeleistungen der SPV erforderlich sind. Unter der Prämisse, die Finanzierungsschieflage des Systems der SPV zu begrenzen, gleichzeitig aber die Unterschiede in der Finanzierungslast von dementen und nicht-dementen Pflegebedürftigen zu beseitigen, ermittelt dieser Beitrag die notwendige Umverteilung zwischen den beiden Personenkreisen. JEL Classification: I18, J10 Received: January 25, 2008 Accepted: November 26, 2008
Bei bisherigen Vorausberechnungen der zukünftigen Anzahl an Pflegefällen wurde meist vereinfachend unterstellt, dass die altersspezifische Pflegewahrscheinlichkeit (Prävalenz) in Zukunft konstant bleibt. Diese in der Wissenschaft als Status quo Hypothese bezeichnete Annahme ist allerdings nicht unumstritten. So ist bis heute nicht abschließend geklärt, wie sich der zu erwartende Zugewinn an Lebenserwartung auf die Pflegewahrscheinlichkeit im Alter auswirkt. Im folgenden Beitrag wird dem Leser durch die Analyse bisheriger empirischer Befunde zunächst ein Anhaltspunkt gegeben, ob in Zukunft eher mit einer Ab- oder Zunahme der Pflegewahrscheinlichkeit zu rechnen ist. Anschließend wird anhand eines Stromgrößenmodells aufgezeigt welche Bedingungen vorliegen müssen, damit es zu einem Anstieg oder Absinken der Pflegewahrscheinlichkeit kommt. Hierauf aufbauend wird ein Korridor bestimmt, in dem sich die zukünftige Anzahl an Pflegefällen bewegt.
Im Pflegefall werden Beamte und Angestellte von unterschiedlichen Versorgungseinrichtungen unterstützt. Wie sind die Regelungen für diese beiden Beschäftigungsgruppen ausgestaltet? Wo liegen die Unterschiede? Schneiden Beamte bei einem Leistungsvergleich besser ab?
Bei bisherigen Vorausberechnungen der zukunftigen Anzahl an Pflegefallen wurde meist vereinfachend unterstellt, dass die altersspezifische Pflegewahrscheinlichkeit (Pravalenz) in Zukunft konstant bleibt. Diese in der Wissenschaft als Status quo Hypothese bezeichnete Annahme ist allerdings nicht unumstritten. So ist bis heute nicht abschliesend geklart, wie sich der zu erwartende Zugewinn an Lebenserwartung auf die Pflegewahrscheinlichkeit im Alter auswirkt. Im folgenden Beitrag wird dem Leser durch die Analyse bisheriger empirischer Befunde zunachst ein Anhaltspunkt gegeben, ob in Zukunft eher mit einer Ab- oder Zunahme der Pflegewahrscheinlichkeit zu rechnen ist. Anschliesend wird anhand eines Stromgrosenmodells aufgezeigt welche Bedingungen vorliegen mussen, damit es zu einem Anstieg oder Absinken der Pflegewahrscheinlichkeit kommt. Hierauf aufbauend wird ein Korridor bestimmt, in dem sich die zukunftige Anzahl an Pflegefallen bewegt.