
Zusammenfassung Kinderarmut hat langfristige negative Auswirkungen auf Bildungschancen, Arbeitsmarktintegration und gesellschaftliche Teilhabe. Vor diesem Hintergrund bedarf es einer vorbeugenden Sozialpolitik für Kinder, die präventive Lösungsbeiträge aus unterschiedlichen Politikfeldern im Sinne sozialpolitischer Zielsetzungen verknüpft. Da enge Zusammenhänge zwischen Gesundheit und sozialer Entwicklung von Kindern bestehen und Institutionen des Gesundheitswesens frühzeitig Kontakte zu Familien ermöglichen, analysiert der Artikel Lösungsbeiträge aus dem Gesundheitswesen (SGB V) und der Jugendhilfe (SGB VIII). Er zeigt auf, wie deren Verknüpfung die Förderung gelingenden Aufwachsens, insbesondere für teilhabegefährdete Kinder, unterstützen kann. Ausgehend von der Prämisse, dass universelle Leistungen zusammen mit zielgruppenorientierten Maßnahmen die Basis vorbeugender Sozialpolitik bilden, stellt der Beitrag zunächst entsprechende normative Leitbilder auf inter- und supranationaler Ebene vor. Anschließend untersucht er die deutschen Governance-Strukturen beider Politikfelder sowie deren Implikationen für kooperative Präventionsstrategien. Abschließend werden anhand von Beispielen Chancen und Hindernisse kooperativer Ansätze diskutiert. Auf dieser Grundlage werden Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung vorbeugender Sozialpolitik für Kinder in Armutslagen abgeleitet.
Zusammenfassung Der Beitrag beleuchtet die Rolle der Sozialen Arbeit als Akteur der Herstellung von (Un-)Zugänglichkeit in den Systemen sozialer Mindestsicherung. Dazu werden die Ergebnisse einer qualitativen empirischen Studie zur Allgemeinen Sozial- und Familienberatung vorgestellt. Darin wurde untersucht, wie Sozialarbeiter*innen zwischen Sozialverwaltung und Lebenswelten der Adressat*innen vermitteln, wie sie Wissens- und Machtasymmetrien bearbeiten, und inwieweit Sozialarbeiter*innen strukturelle Probleme vor Ort zum Gegenstand politischen Handelns machen. Die empirische Basis bilden 21 Expert*inneninterviews mit Fachkräften der Sozial- und Familienberatung. Konzeptionell wird Soziale Arbeit als Grenzbearbeitung verstanden, also als konstitutiv widersprüchliche Herstellungspraxis von Inklusion und Exklusion. Auf dieser Grundlage gibt der Beitrag empirische Einblicke in die praktische Herstellung von Zugänglichkeit und deren Ambivalenzen. Erstens wird dargelegt, dass die Dienstleistungsbeziehung in der Sozial- und Familienberatung durch ihre lebensweltliche Nähe eine herausgehobene Bedeutung für die Adressat*innen hat. Diese Beziehung wird jedoch durch Passungs- und Zugangsprobleme, wie bspw. fehlende Erreichbarkeiten der Behörden, überlastet und unterminiert. Fragen der unmittelbaren Existenzsicherung drohen professionelle Beratungsdienstleistungen in den Hintergrund zu drängen. Zweitens agieren die Sozialarbeiter*innen vermittelnd in sozialräumlichen, interorganisationalen und rechtskreisübergreifenden Hilfenetzwerken. Zum einen bilden diese Netzwerke soziale Arenen, in denen strukturelle Probleme vor Ort politisiert werden können. Soziale Arbeit kann dort auf Basis ihres Wissens aus der täglichen Arbeit Einfluss auf allgemeine Problemdefinitionen und -lösungen nehmen. Doch die Einflussmöglichkeiten im Zusammenspiel mit machtvollen Akteuren sind begrenzt. Zum anderen werden auch Tendenzen zur Deprofessionalisierung sichtbar. Insgesamt zeigt sich, dass die Adressierung von Sozialer Arbeit als Instanz der Herstellung von Zugänglichkeit im Sozialstaat als ambivalent, prekär und reflexionsbedürftig angesehen werden muss.
Zusammenfassung Die elektronische Patientenakte und die digitale Rentenübersicht sind zwei neuartige sozialpolitische Digitalisierungsprojekte. Sie sollen personalisierte Informationen bündeln und Bürger*innen dazu befähigen, souveräne Entscheidungen zu treffen. Der Beitrag untersucht empirisch, wie zugänglich diese Portale für die Bevölkerung sind. Auf theoretischer Ebene werden Stufenmodelle der Inanspruchnahmeforschung um die Herausforderungen digitaler Zugangsprozesse erweitert. Hierzu wird das Konzept der administrativen Hürden herangezogen. Die empirische Grundlage besteht aus einer bevölkerungsrepräsentativen Face-to-Face-Befragung (n = 1.077) sowie einer Ergänzungsstichprobe aktiver Portalnutzer*innen (n = 220), die Anfang 2026 erhoben wurde. Die Befunde zeigen, dass beide Portale bislang nur von einem kleinen, sozial selektiven Teil der Bevölkerung genutzt werden. Bei der ePA erweist sich der Registrierungsprozess als zentrale Barriere: Technisch-organisatorische Hürden, fehlende Identifizierungsmöglichkeiten und die wahrgenommene Komplexität sind zentrale Zugangsprobleme. Bei der digitalen Rentenübersicht liegen die Zugangsprobleme primär in geringer Bekanntheit und schwachem Nutzungsinteresse. Deskriptive und multivariate Analysen zeigen, dass Einkommen, Bildung und digitale Affinität – für die Zugänglichkeit zu den digitalen sozialpolitischen Angeboten von zentraler Bedeutung sind. Zudem lassen sich kumulative Lerneffekte erkennen. Nutzer*innen eines Portals verwenden mit höherer Wahrscheinlichkeit auch das andere. Der Beitrag zeigt, dass Zugänglichkeit als eigenständiger Gegenstand sozialstaatlicher Gestaltung betrachtet werden muss. Bislang sind die Portale für breite – insbesondere sozio-ökonomisch schlechter gestellte – Teile der Bevölkerung schwer zugänglich.
Zusammenfassung Die Leistungen für Bildung und Teilhabe (BuT) für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus einkommensschwachen Haushalten zielen auf die Verbesserung der Bildungschancen und der sozialen Teilhabe, werden jedoch vielerorts wenig in Anspruch genommen. Die BuT-Leistungen stehen dabei exemplarisch dafür, dass der Zugang zu den Leistungen des Sozialstaats häufig durch formale Hürden und Barrieren („Bürokratie“) gekennzeichnet ist. Diese ergeben sich aus Antragsverfahren, Nachweispflichten sowie komplexen und restriktiven Bewilligungspraktiken. Zugangshürden werden dabei durch Verwaltungen häufig unbeabsichtigt, teils aber auch intentional geschaffen. Der Artikel führt die Probleme der Inanspruchnahme von BuT-Leistungen auf Zugangshürden zurück, welche hauptsächlich durch die kommunale Sozialverwaltung in den Verwaltungsverfahren implementiert werden. Aufgezeigt wird eine sehr große Varianz in der Ausgestaltung von kommunalen BuT-Verwaltungsverfahren. Empirisch stützt sich die Analyse auf eine Verwaltungsumfrage unter allen BuT-Verwaltungen im Ruhrgebiet (Rücklauf 81,4 %) sowie auf intensive Fallstudien mit Experteninterviews in ausgewählten Fallkommunen. Aus einer akteurszentrierten und neoinstitutionalistischen Perspektive werden darüber hinaus die Gründe untersucht, warum kommunale Sozialverwaltungen Zugangshürden bei den Leistungen für Bildung und Teilhabe einführen.
Zusammenfassung „Die suchen sich ihre Schäfchen schon aus“ – mit dieser Formulierung bringt ein interviewter Jugendhilfeplaner ein zentrales Spannungsverhältnis der Kindertagesbetreuung auf den Punkt: Kommunen tragen die Gewährleistungsverantwortung für ein bedarfsgerechtes Angebot, haben im trägerpluralen System jedoch nur begrenzte Steuerungsmöglichkeiten gegenüber autonomen freien Trägern. Der Beitrag versteht Kita-Segregation daher nicht nur als ungleiche Verteilung von Kindern mit Benachteiligungsmerkmalen über Einrichtungen, sondern als sozialpolitisches Governance-Problem. Untersucht wird erstens, in welchem Ausmaß trägerspezifische Segregationsmuster auf kommunaler Ebene in Deutschland auftreten, und zweitens, wie Akteure der Jugendhilfeplanung diese Muster wahrnehmen sowie einordnen und welche Handlungsspielräume sie in ihrer Bearbeitung sehen. Empirisch basiert der Beitrag auf einem sequenziellen Mixed-Methods-Design: Eine Sekundäranalyse der Kinder- und Jugendhilfestatistik kartiert die Verteilung von Kindern mit Migrationshintergrund über Trägerarten in Jugendamtsbezirken. Darauf aufbauend werden sechs Expert*inneninterviews mit Jugendhilfeplaner*innen in Nordrhein-Westfalen (NRW) kontrastierend ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen deutliche regionale und trägerspezifische Unterschiede. In vielen Kommunen weisen öffentliche Einrichtungen die höchsten Anteile von Kindern mit Migrationshintergrund auf, während andere Träger weniger stark betroffen sind. Gleichzeitig variiert das Wissen kommunaler Akteure über diese Muster erheblich. Trägerautonomie, Platzmangel, begrenzte Datengrundlagen und unklare Verantwortlichkeiten schränken die Steuerungsfähigkeit der Kommunen trotz ihrer formalen Gewährleistungsverantwortung ein.
Zusammenfassung In Österreich ist Deinstitutionalisierung ein komplexer und fragmentierter Prozess, der zu subnationaler Heterogenität in der Wohnversorgung von Menschen mit Behinderungen geführt hat. Viele Menschen mit Behinderungen wohnen nach wie vor in institutionellen Wohnformen, die Fremdbestimmung, Segregation und eingeschränkte Wahlmöglichkeiten aufweisen. Nachfolgende Arbeit untersucht mithilfe von Bundesländerfallstudien und einem subnationalen Vergleich die Einflussfaktoren und Dynamiken, die den Wandel zu inklusiven, gemeindenahen Wohnkonzepten hemmen oder fördern. Dabei werden Policy Legacies und zentrale Akteure wie Behindertenorganisationen und Leistungsträger analysiert, um ihre Rollen, Interessen und Einflussmöglichkeiten zu verstehen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Umsetzungsstand der Deinstitutionalisierung umso höher ist, je schwächer die beharrenden Policy Legacies, je pluraler und innovationsfreudiger sich die Trägerlandschaft gestaltet und je strukturierter die Beteiligung von Behindertenorganisationen erfolgt.
Abstract The spread of platform work has provoked academic and policy debates about appropriate ways to embed this form of work into national and supranational institutions of labour regulation. A major instrument of such regulation is the re-classification of platform workers’ employment status, aiming at giving workers access to collective labour rights. While debates have been focused on appropriate regulatory approaches and criteria for status determination, little emphasis has been placed on the practical enforcement of platform workers’ status determination – although enforcement gaps are documented for other non-standard forms of employment and traditional enforcement mechanisms through supervision by unions are largely lacking in the platform economy. Against this background, we use Germany and Norway, two coordinated market economies characterized by institutional cooperation between the state and the social partners, to analyse the institutions, actors and mechanisms for status determination in both countries. We ask what the challenges are in applying existing enforcement mechanisms for status determination to platform work and whether these mechanisms meet the needs of the workers in the platform economy. The analysis draws on qualitative interviews and document analysis, and reveals three major findings: first, despite institutional differences, both countries face substantial enforcement gaps as platform-based employment models often remain undetected. Second, enforcement authorities follow a rather reactive ‘wait-and-see approach’ and shift responsibility to the legislators. Third, these gaps shift enforcement issues from politics to the courts. We discuss the ambivalent implications of this ‘judicialization’ of labour regulation and outline challenges for future enforcement of platform work regulation.
Abstract Workers, citizens, residents. Inclusion of people in social security programmes – keystones of the welfare state – is generally realized through legal texts which define groups that are eligible for social benefits. Through such group definitions, legislation does not just label groups, but it shapes or even constructs them. These legal group constructions can be unidimensional or multidimensional. Unidimensional groups are constructed by referring to one category, for example employment status. Multidimensional groups, in contrast, are constructed by combining different categories. Research has rarely explored the latter, i.e. how social rights are ascribed to groups in a way that brings together different criteria. Against this backdrop, we explore group constructions focusing on multidimensional groups. Relying on a novel analytical framework with ten categories, we analyse old-age protection legislation from 15 countries from the Global North and the Global South passed between 1880 and 2020. We find that multidimensional group constructions are highly relevant for social security inclusion. Across three types of old-age protection schemes – employment-based, need-based and behaviour-based schemes – citizenship and place of residence are highly salient categories in multidimensional group constructions. In contrast, multidimensional group constructions with gender and race are unexpectedly rare. Surprisingly, exclusions based on citizenship, residence and behaviour have weakened over time.
Abstract The growth of digital platform work has intensified debates about employment classification and social protection across Europe. Platform workers are typically classified as self-employed, excluding them from labour protection and social security schemes designed for employees. The EU Platform Work Directive (2024) addresses this through a rebuttable legal presumption of employment status, aiming to facilitate reclassification of platform workers as employees. However, we argue that reclassification alone may prove insufficient for adequate protection. Platform work predominantly functions as secondary employment for multiple jobholders with irregular earnings and fragmented work histories – patterns that challenge social security systems designed around standard, full-time, single-employer relationships. Even if they gain employee status, platform workers often cannot meet qualifying conditions for unemployment insurance, pension accrual and other benefits. Through a comparative institutional analysis of Germany and the Netherlands, we examine how different welfare state configurations mediate both the reclassification process and the relationship between employment status and effective protection access. Germany’s conservative-corporatist model creates sharp distinctions between employee and self-employed protection, while the Netherlands’ hybrid flexicurity approach accommodates non-standard work more flexibly. Our analysis reveals that neither model has resolved these tensions, suggesting EU-level reclassification initiatives require concurrent reforms to national social security architectures to provide meaningful protection for platform workers.
Abstract This article uses the case study of Lieferando, the market leader in Germany and Austria, to illustrate how host country effects influence the organization of work mediated through online food delivery platforms. Contrary to expectations that platform companies would disseminate standardized, global models of gig work organization, Lieferando initially employed its couriers under standard employment contracts in both countries. However, more recently, the company has adopted divergent employment strategies: in Germany, deliveries have been shifted to subcontractors, while in Austria, riders are now offered free service contracts ( freie Dienstverträge ) instead of employment contracts. These developments originate from host country effects and reflect the influence of distinct national legal frameworks, institutional traditions and platform strategies, which have been redirected in the context of Prosus’s acquisition of Lieferando’s parent company, Just Eat Takeaway. Despite strong traditions of employee representation and collective bargaining in both countries, recent developments highlight the vulnerability of platform work to regulatory loopholes, capital-driven restructuring and declining labour standards.
Abstract Long-term unemployment remains a pressing issue. In Germany – the case we analyse in this study – the overwhelming majority of the long-term unemployed receive welfare benefits, and thus, are often economically and socially disadvantaged. This paper provides first evidence on the effects of a novel and generous wage subsidy programme for long-term unemployed welfare recipients up to 14 months after the expiry of the subsidy. Using rich administrative data on the total population of programme participants from May to October 2019 along with a sample of comparison individuals without the subsidy, we employ ridge kernel propensity score matching to compare participants with nearly identical comparison individuals in terms of observed characteristics. Our results show large positive effects on employment and negative effects on welfare dependency. Particularly large effects are found for older individuals and those with an especially sparse employment history. Using worst-case bounds and simulations, we show that unobserved confounding is highly unlikely to drive our conclusions.
Die Zusammenarbeit zwischen Organisationen ist im Gesundheits- und Sozialwesen im Hinblick auf das Ziel der Optimierung gesundheitlicher und sozialer personenbezogener Dienstleistungen von besonderer Bedeutung. Interorganisationale Projekte stellen mit ihren spezifischen Rahmenbedingungen für die beteiligten organisationalen Akteur*innen besondere Handlungskontexte dar. In diesem Zusammenhang weisen empirische Befunde auf die Bedeutung von Vertrauen für eine erfolgreiche interorganisationale Zusammenarbeit hin. Der Artikel untersucht daher auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstands die Relevanz von Vertrauen für die verschiedenen Ebenen (die Struktur-, Prozess- und Ergebnisebene) der interorganisationalen Projektarbeit im Gesundheits- und Sozialwesen. Dabei wird ein systematischer und regelbasierter Ansatz mittels eines systematischen Reviews verwendet. Der Artikel schließt mit Implikationen für Disziplinen, für die Handlungspraxis und für Akteur*innen aus Gesundheits- und Sozialpolitik.
Fluchtbedingte Einwanderung wirkt sich auf die Street-Level-Organizations in Aufnahmeländern aus. Dieser Beitrag richtet den Fokus auf die Jobcenter in Deutschland. Im Zentrum stehen die Erfahrungen von Fach- und Führungskräften in Jobcentern mit der psychischen Gesundheit von geflüchteten Klient*innen und ihr institutioneller Umgang damit. Eine standardisierte Onlinebefragung unter diesen Beschäftigten zeigt, dass diese häufig eine relative psychische Stabilität bei Klient*innen beobachten und mental Health eher selten als große Herausforderung wahrnehmen. Die Prävalenz psychischer Erkrankungen schätzen sie bei geflüchteten Klient*innen ähnlich hoch ein wie bei nicht geflüchteten. Es scheinen nur wenige Strategien der Street-Level-Organizations zum Umgang mit psychischer Erkrankung bei geflüchteten Klient*innen zu existieren, vielmehr gibt es eine Verantwortungsverlagerung auf die Fachkräfte als Street-Level-Bureaucrats. Fachliche Vorgaben sollten unter Einbezug gesundheitswissenschaftlicher Expertise weiterentwickelt und Fachkräfte stärker qualifiziert werden.
Did home help workers during the first lockdown in France have no choice but to continue working, and did they do so against their will? Sociological analyses which consider that the health crisis merely reproduced previous inequalities in working conditions and relations of domination suggest as much. However, by reconstructing the context in which the continuity of work was implemented in France, based on interviews and written sources, this article shows that home help workers continued to work, sometimes with an explicit sense of ‘choosing’ to do so, sometimes more with a sense of inner obligation, but always of their own free will and in a more thoughtful way than usual. Their dedication at the start of the pandemic is the result of a difficult decision taken in a situation where they could legally and factually stop working, and where they were in fear of Covid-19 infection.
Die Weiterentwicklung der Forschung zur beruflichen Rehabilitation erfordert einen disziplinübergreifenden Austausch über die inhaltliche Ausrichtung, methodische Weiterentwicklung und strukturellen Rahmenbedingungen des Forschungsfeldes. Ziel ist es, Entwicklungsbedarfe sichtbar zu machen und Perspektiven für eine zukunftsorientierte und anschlussfähige Forschung zu formulieren. Grundlage ist ein dreitägiger Scoping Workshop mit 14 Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen. Der Inhalt der Diskussionen wird auf strukturierende Weise analysiert mit dem Ziel, zentrale Positionen zur Weiterentwicklung des Forschungsfeldes abzuleiten. Die Forschung zur beruflichen Rehabilitation entwickelt sich als multi- und interdisziplinäres Feld, das individuelle, betriebliche, institutionelle und gesellschaftliche Bedingungen zur Teilhabe am Arbeitsleben über den Lebensverlauf hinweg adressiert. Eine stärkere Profilschärfung und internationale Anbindung sind zentrale Entwicklungsschritte. Methodisch wird ein vielfältiges, kontextsensibles Vorgehen als notwendig erachtet, das auch partizipative und transdisziplinäre Herangehensweisen berücksichtigt. Als zentrale Voraussetzungen für eine systematisch anschlussfähige Forschung werden der Aufbau feldspezifischer Evidenzstandards sowie trägerübergreifender, längsschnittlicher Datengrundlagen benannt. Strukturell liegt Entwicklungspotenzial im Ausbau institutioneller Verankerung, langfristiger Förderung und gezielter Nachwuchsentwicklung. Für eine zukunftsfähige Forschung zur beruflichen Rehabilitation braucht es eine klare Profilschärfung, eine stärkere institutionelle Verankerung sowie langfristige, sektorenübergreifende Förderstrukturen. Methodische Vielfalt, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Sichtbarkeit sind zentrale Voraussetzungen, um das Potenzial der Forschung zur beruflichen Rehabilitation auszuschöpfen und gesellschaftlich sichtbar werden zu lassen.
For more than a decade, a global race to recruit nurses from middle-income countries to work in aging, high-income nations has been underway. But very soon, middle-income countries will also face shortages in healthcare personnel. Germany, a country where, by 2040, 9 % of the population will be over 80 years of age and 28 % over 65, has reacted relatively quickly to these developments by establishing, in 2010, a specialized approach for the fair recruitment of nurses from Vietnam and the Philippines called Triple Win. Meanwhile, Indonesia has been actively pursuing new international cooperations beyond its established migration circuits involving several Asian and Arab countries. In 2021, when Indonesia was no longer part of the World Health Organisation safeguard list for healthcare personnel, Germany and Indonesia signed a government to government agreement on nurse recruitment. It contains clear elements of the migration pathways adopted for other Asian countries under this approach. This article analyses the Indonesian case as a relative latecomer in nurse migration towards Europe. It analyses ongoing recruitment under the Triple Win scheme as part of an attempt to formalize Indonesian migration dynamics through bilateral agreements. Although much is known about the functioning of global care chains in general, there is relatively little research on the “making” and design of the care chains themselves, on how institutional dynamics and spatial arrangements shape the migratory process and on how migrant agency shapes the process.
Die Deutsche Rentenversicherung verzeichnet jährlich rund 165 000 Neuzugänge in die Erwerbsminderungsrente. Das Risiko einer Erwerbsminderung hängt von verschiedenen, nicht nur individuellen Faktoren ab. Vor dem Hintergrund der Bedeutung von Partnerschaften für die Gesundheit, der Herausforderungen bei der Beantragung einer Erwerbsminderungsrente und des wachsenden Anteils von Personen, die nicht in Partnerschaften leben, untersuchen wir, wie der Partnerschaftsstatus und Partnercharakteristika mit dem Zugangsrisiko in die Erwerbsminderungsrente zusammenhängen. Anhand von SOEP-RV-Daten zeigen ereignisanalytische Auswertungen, dass Personen, die mit dem/der Partner*in zusammenleben, ein geringeres Zugangsrisiko haben. Zudem stehen sowohl ein hohes Bildungsniveau als auch eine Erwerbstätigkeit des/der Partner*in im Zusammenhang mit einem geringeren Zugangsrisiko, während für dessen/deren Gesundheitsstatus kein signifikanter Zusammenhang festgestellt wird.
Sozialwissenschaftliche Studien zeigen, dass die Biografien wohnungsloser Frauen häufig von Gewalt und traumatischen Erfahrungen geprägt sind, während ihre individuell organisierten Bewältigungsstrategien mit erheblichem Anpassungsdruck und weitreichenden Abhängigkeitsverhältnissen einhergehen. Weniger umfassend untersucht wurde hingegen, warum der deutsche Sozialstaat trotz seiner im internationalen Vergleich guten Ausstattung diesen Frauen nicht oder nur begrenzt bei der Überwindung ihrer Notlage helfen kann. Dieser Aufsatz zeigt anhand einer kritischen, geschlechtsspezifischen Analyse des (kommunalen) Sozialstaats bzw. des Wohnungslosenhilfesystems systematisch auf, warum bestehende Unterstützungsangebote manche hilfebedürftigen Frauen entweder gar nicht, nur zum Teil oder ausschließlich unter großen Anstrengungen erreichen. Die empirische Basis der Argumentation bilden über 90 Interviews mit von Wohnungslosigkeit betroffenen Personen sowie mit Expert*innen aus dem Hilfesystem, die zwischen 2020 und 2024 geführt wurden.