Neben der Produktion von Nahrungsmitteln gilt die landwirtschaftliche Nutzung oft als Treiber von Oberflächenabfluss sowie Sediment- und Nährstoffausträgen. Die Landwirtschaft ist zugleich außergewöhnlich anpassungsfähig und kann saisonweise neu ausgerichtet werden – auch um den Wasserrückhalt in der Landschaft zu steuern. Die landwirtschaftliche Nutzung ist großteils auf Niederschlag angewiesen; zu wenig oder zu viel Regen beeinträchtigt sowohl die Ernteerträge als auch die Bodengesundheit und dessen Funktionalität Wasser aufzunehmen, zu speichern und abzugeben. Oberflächenabfluss entsteht durch das Zusammenwirken von (Stark‑)Niederschlag, den Bodeneigenschaften und den sich verändernden Bodenzuständen, der Geländetopografie sowie – ebenfalls maßgeblich – der Bodenbedeckung und Bewirtschaftung. Starkniederschläge dominieren die direkte Abflussreaktion. Im Zuge des Klimawandels wird erwartet, dass kurze, konvektive Ereignisse tendenziell an Intensität zunehmen, da eine wärmere Atmosphäre mehr Wasser aufnehmen und wieder abgeben kann; auch die saisonalen Muster der Pflanzenbedeckung werden sich ändern – und damit die Zeitfenster ungeschützter Bodenoberflächen. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf in-situ-Ansätzen Wasser vor Ort und Stelle – im Feld – aufzunehmen und nicht erst im Unterlauf. In-situ-Retentionsmaßnahmen werden hierbei durch zwei ergänzende Ansätze angesteuert: (i) Verbesserung und Erhaltung der Bodengesundheit und -funktionalität, um Wasser aufzufangen, infiltrieren zu lassen, im Boden zu speichern und wieder abzugeben; und (ii) saisonale und kleinräumige in-situ-Wasserretentionsmaßnahmen, die Oberflächenabfluss zurückhalten und im Bodenprofil speichern. Langjährige Feldversuche unterstreichen den Erfolg dieser Landschaftswasserbaumaßnahmen, die in diversifizierten Kombinationen auf Einzugsgebietsebene ihr eindrucksvolles Rückhaltevermögen entfalten.
Die österreichischen Karpfenteiche erfüllen neben ihrer Bedeutung für die Biodiversität und die Lebensmittelproduktion wesentliche hydrologische Funktionen. Insbesondere der Wasserrückhalt gewinnt, sowohl in Trockenzeiten als auch während Starkregenereignissen an Bedeutung. Während des Hochwassers im September 2024, welches Teile Niederösterreichs stark beeinträchtigte, konnte regional beobachtet werden, dass Teiche erhebliche Wassermengen zurückhalten und dadurch Abflussspitzen mindern können. Der historische Jägerteich im Waldviertel, welcher einen überdurchschnittlich dimensionierten Damm aufweist, konnte durch einen Wasseranstieg von 0,6 m mehrere Hunderttausend Kubikmeter Wasser zurückhalten. Niederösterreich weist eine Teichfläche von ungefähr 2300 ha auf, wodurch ein rein rechnerisches Retentionsvolumen, in Abhängigkeit vom vorhandenen Freibord, von mehreren Millionen Kubikmetern zur Verfügung steht. Bei naturnah errichteten Teichen kommen noch Retentionsflächen im Uferbereich und auf angrenzenden Vegetationsflächen hinzu. Die Retentionswirkung der Teiche ist jedoch abhängig von ihrer Größe, Lage im Einzugsgebiet, Konstruktion und ihrem Management. Teiche besitzen ein erhebliches Potenzial im integrativen Hochwassermanagement, welches näher untersucht werden sollte. Voraussetzung für eine sichere und wirksame Wasserretention an Teichen sind eine regelmäßige Wartung und gute Instandhaltung der technischen Bestandteile, klare Betriebsvorschriften und abgestimmte Kommunikation zwischen Bewirtschaftenden, Behörden und Einsatzorganisationen.
Zusammenfassung Im Rahmen des Forschungsprojekts TeichFit wurden neun Fischteiche im Bezirk Gmünd hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Landschaftswasserhaushalt, die Wasserqualität, die Klimaregulation und die Biodiversität untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass ökologisch intakte Teiche hochwertige, gesunde Lebensmittel liefern, wenn Management, Fütterung und Zubereitung berücksichtigt werden. Die analysierten Herbizidkonzentrationen lagen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten, was auf wirksame Retentions- und Verdünnungsprozesse innerhalb der Teiche hinweist. Darüber hinaus liefern die nachhaltig bewirtschafteten Fischteiche hochwertige Nahrungsmittel und tragen durch die Produktion von Speisekarpfen zur Versorgung mit wertvollen Omega-3-Fettsäuren bei. Mittels stabiler Wasserisotope (δ 2 H, δ 18 O) konnten teichspezifische Verdunstungsmuster und lange Wasserverweilzeiten nachgewiesen werden. Die Teiche reagieren sensibel auf klimatische Veränderungen und eignen sich daher als Indikatoren für die Auswirkungen des Klimawandels. Langfristige Messungen zeigen zudem eine deutliche Erwärmung der Wassertemperaturen seit den 1960er-Jahren und prognostizieren weitere Temperaturanstiege im Verlauf des 21. Jahrhunderts. Die hohe strukturelle Vielfalt der Teichlandschaft fördert eine außergewöhnlich hohe Biodiversität. Die Artenvielfalt von Phyto- und Zooplankton ist etwa dreimal höher als in vergleichbaren alpinen Seen und unterstreicht die Bedeutung der Teiche als Hotspots biologischer Vielfalt und wichtiger Ökosystemleistungen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Teichlandschaft des Waldviertels weit über ihre fischereiwirtschaftliche Funktion hinausgeht und eine zentrale Rolle für Wasserhaushalt, Klimaresilienz, Biodiversitätsschutz und nachhaltige Regionalentwicklung spielt.
Extreme Wetterereignisse nehmen in Mitteleuropa an Häufigkeit und Intensität zu, was insbesondere kleinräumige Einzugsgebiete vor große Herausforderungen stellt. Das Interreg Central Europe-Projekt LOCALIENCE adressiert diese Problematik durch die Entwicklung partizipativer Ansätze zur Stärkung lokaler Resilienz. Ziel ist es, die Reaktionsfähigkeit gegenüber Hochwässern zu verbessern und die Zusammenarbeit zwischen professionellen Katastrophenmanager:innen und lokalen Akteur:innen zu fördern. Im österreichischen Pilotgebiet, dem Sulm-Einzugsgebiet in der Südsteiermark, wurde ein lokal konfiguriertes Hochwasser-Frühwarnsystem entwickelt. Es kombiniert Echtzeitmessungen mit einer hydrologisch-hydraulischen Modellkette aus einem flächendetaillierten Niederschlag-Abfluss-Modell und einem zweidimensionalen Strömungsmodell, die über eine operationelle Steuerungssoftware gekoppelt sind. Das System stellt räumlich differenzierte Prognosen und individualisierte Warnungen bereit. Die Anforderungen an Visualisierung, Warnlogik und Benutzerfreundlichkeit wurden in mehreren Stakeholder-Workshops erhoben und in die Systementwicklung integriert. Ergänzend unterstützten transnationale Peer-Reviews und Schulungen den methodischen Austausch. Im Projekt LOCALIENCE hat sich gezeigt, dass effektive Hochwasser-Frühwarnsysteme neben einem hohen technologischen Standard eine frühzeitige und kontinuierliche Einbindung lokaler Stakeholder erfordern, da nur so die Akzeptanz, Praxistauglichkeit und die Nachhaltigkeit des Systems gewährleistet werden kann. LOCALIENCE verdeutlicht zudem die Bedeutung des überregionalen Austauschs für die Skalierbarkeit und Interoperabilität solcher Ansätze. Zukünftige Schritte umfassen die Ausweitung des entwickelten Frühwarnsystems auf weitere Einzugsgebiete sowie die Integration von Nature-Based Solutions im Einzugsgebiet der Sulm.
Dieser Artikel stellt eine Zusammenfassung eines mehrjährigen Forschungsprojekts dar, das sich mit der Temperaturanpassung von Salmoniden befasst. Es wurde an zwei wichtigen Aquakulturfischen, der Regenbogenforelle und am Bachsaibling durchgeführt. Zusätzlich wurde auch die Bachforelle miteinbezogen. Wachstum, Sauerstoffverbrauch, Energiereserven, Blutzusammensetzung und Ausscheidungen der Fische wurden bei einer Akklimatisierungstemperatur von 10 °C und bei 20 °C untersucht. Bei langsamer Temperaturerhöhung und unter optimalen Haltungsbedingungen konnten sich alle untersuchten Arten an Temperaturen von 20 °C längerfristig anpassen. Der „normale“ diploide Bachsaibling zeigt das höchste Anpassungspotenzial, gefolgt von der Regenbogenforelle und der Bachforelle. Triploide Bachsaiblinge weisen die geringsten Anpassungsreaktionen auf. Die wichtigsten Anpassungsprozesse an erhöhte Wassertemperaturen betreffen die Stoffwechselrate und die Größe der roten Blutkörperchen, die die Sauerstoffaufnahme- und Kohlendioxidabgabekapazität bestimmt. Alle Anpassungsmechanismen sind längerfristige Prozesse, da die Fische mehrere Wochen benötigen, um sich auf die veränderten Temperaturbedingungen einzustellen. In der Anpassungsphase an erhöhte Wassertemperaturen haben die Fische einen sehr hohen Energiebedarf, was zu einer starken Abnahme der Energiespeicher führt. Der Verlust an Energiereserven macht die Fische für zusätzliche Stressfaktoren besonders empfindlich. Dieser Faktor wird als limitierend gesehen.