Zusammenfassung Hintergrund Die hohe Fallzahl von intensivpflichtigen COVID-19-Patienten konfrontierte Krankenhäuser weltweit mit unerwarteten Herausforderungen. Dadurch gewann die strukturierte Vernetzung von Krankenhäusern eine besondere Bedeutung. Die teleintensivmedizinische Konsil- und Austauschplattform TeleCOVID wurde entwickelt, um die intensivmedizinische Versorgungsqualität zu verbessern. Fragestellung Ziel der vorliegenden Studie war die Erhebung des Nutzungsverhaltens und der Nutzererfahrung der Anwender von TeleCOVID. Zusätzlich wurde untersucht, welche Implikationen sich für die Weiterentwicklung der telemedizinischen Anwendung ergeben. Material und Methoden Im Mai 2022 wurde eine Anwenderbefragung mittels eines Online-Fragebogens durchgeführt. Die Distribution erfolgte über das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI). Dabei wurden alle 135 Krankenhäuser Hessens per E‑Mail angeschrieben und zur Teilnahme an der Studie eingeladen. Ergebnisse Die Studie hat gezeigt, dass TeleCOVID hauptsächlich für Verlegungsanfragen genutzt wurde, gefolgt vom Bedarf einer Therapiebesprechung ohne Verlegungsanfrage. Zudem zeigte sich, dass die Anwender besonders die Möglichkeit einer datenschutzkonformen und strukturierten Übermittlung von Patientendaten als vorteilhaft bewerten. Die fehlende Anbindung an das Krankenhausinformationssystem (KIS), der erhöhte Zeitaufwand durch den Log-in-Prozess sowie die eingeschränkte Primärerreichbarkeit der Ansprechpartner wurden kritisiert. Diskussion Bei einer Weiterentwicklung der App sollten die Anbindung an das Krankenhausinformationssystem sowie eine Reduktion des Zeitaufwands bei der Anwendung erfolgen. Weiterhin sollten eine interoperable Dateninfrastruktur und die Einführung eines Webclient angestrebt werden. Eine Weiterführung und Ausweitung der App auf andere Indikationsbereiche ist empfehlenswert.
Im Justizvollzug wird eine Vielzahl an wissenschaftlich evaluierten Behandlungsmaßnahmen angeboten. Häufiges Ziel der Maßnahmen ist die Verhinderung von Rückfällen. Bei einem evidenzbasierten Behandlungsprogramm können jedoch die gewünschten Wirkungen ausbleiben, wenn die Maßnahme nicht korrekt implementiert wird. Wichtige Implementationsfaktoren sind z.B. die geeignete Auswahl und Schulung der Trainer, die Auswahl der Teilnehmer (z.B. geringe Motivation, kognitive Beeinträchtigungen), die Veränderungen von Trainingsinhalten aufgrund von Störungen (z.B. innerhalb der Organisation) oder die vorzeitige Beendigung der Maßnahme (z.B. wegen Nicht-Eignung oder Entlassung). Während in Deutschland geeignete Messinstrumente zur Erfassung der Implementationsqualität fehlen, gibt es bereits englischsprachige Instrumente wie das Correctional Program Assessment Inventory (CPAI) oder die Evidence-Based Correctional Program Checklist (CPC). Die Erfassung der Implementationsqualität und die Erfassung des Behandlungserfolgs im Routinebetrieb können dazu beitragen, dass die erwünschten Wirkungen der Behandlungsmaßnahme auch eintreten. Die Messung des Erfolgs einer Maßnahme kann u.a. dazu dienen, innerhalb einer Anstalt die angebotenen Maßnahmen stärker auf die Bedarfe der jeweiligen Klientel anzupassen. Die personenbezogene Erfolgsmessung wiederum ermöglicht bereits während der Durchführung einer Maßnahme eine Anpassung der Trainingsinhalte an die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer. So kann rechtszeitig eine zusätzliche Wiederholungseinheit oder weiteres Übungsmaterial eingefügt werden. Als Praxisbeispiel wird die Basis-, Verlaufs- und Behandlungsdokumentation im niedersächsischen Strafvollzug dargestellt. Insgesamt betrachtet wird in Bezug auf die Sicherung und die Erfassung der Implementationsqualität von Behandlungsmaßnahmen sowie die Messung des Behandlungserfolgs ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf im deutschen Strafvollzug festgestellt.
Unipolare Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Nach Schätzungen der WHO leidet jeder Zehnte im Laufe seines Lebens an Depressionen. Depressive Störungen werden bei älteren Menschen nur selten erkannt und adäquat behandelt. Die Gründe hierfür liegen einerseits in den Besonderheiten des Symptombildes, wodurch die Diagnosestellung erschwert wird. Andererseits werden niedergedrückte Stimmung und Rückzugstendenzen häufig fälschlicherweise als altersbedingt angesehen. Diese Fehleinschätzung kann massive Konsequenzen haben. Gerade Männer über sechzig Jahre tragen ein besonders hohes Suizidrisiko. Das Nichterkennen depressiver Störungen im Alter hat außerdem negative Auswirkungen auf die Bewältigung möglicher körperlicher Erkrankungen. Eine wirksame psychotherapeutische und/oder antidepressive Therapie muss an die Bedingungen der älteren Patientengruppe angepasst sein.