Die Entwicklung einer forschenden Haltung gilt als ein zentrales Ziel der Lehrer:innenbildung, da sie als Voraussetzung für reflektiertes, datenbasiertes und forschungsinformiertes professionelles Handeln verstanden wird. Zwar betonen bildungspolitische Programme und hochschulische Curricula die Bedeutung einer forschenden Grundhaltung, gleichzeitig weisen Studien jedoch darauf hin, dass Lehramtsstudierende Forschungswissen häufig als abstrakt, praxisfern oder zeitintensiv einschätzen und es daher als wenig vereinbar mit den Anforderungen schulischer Praxis betrachten. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag, wie Lehramtsstudierende eine forschenden Haltung selbst definieren, welche Bedeutung sie dieser für ihr Studium und ihr zukünftiges berufliches Handeln zuschreiben. Empirische Grundlage sind fünf Gruppeninterviews mit insgesamt 21 Lehramtsstudierenden, die explorativ-inhaltsanalytisch ausgewertet wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Studierende eine Forschende Haltung insbesondere mit kritischem Denken, Selbstreflexion und dem Anspruch, auf dem aktuellen Wissensstand zu bleiben, verbinden. Zugleich wird deutlich, dass Forschungsorientierung vor allem dann als bedeutsam erachtet wird, wenn sie eine unmittelbare praktische Relevanz entfaltet und schnelle Lösungen bietet. Diese ‚pragmatische Verwertbarkeitshaltung‘ hängt eng mit dem Handlungsdruck des schulischen Alltags sowie der hohen Wertschätzung kollegialen Erfahrungswissens zusammen. Die Begründung hierfür liegt in der Notwendigkeit zeitlicher Effizienz, die im Widerspruch zu den oft komplexen, zeitaufwendigen und ergebnisoffenen Prozessen wissenschaftlichen Arbeitens steht. Die Studie verdeutlicht somit ein Spannungsfeld zwischen bildungspolitischen Erwartungen, universitären Ausbildungszielen und den Bedingungen schulischer Praxis. Abschließend werden die Ergebnisse im Hinblick auf die Professionalisierung der Lehrer:innenbildung und die Bedeutung einer nachhaltigen Verankerung forschender Haltung in Schulentwicklungsprozessen kritisch diskutiert.
Seelische Gewalt von Lehrkräften gegenüber Schüler_innen in Form von Beleidigungen und Herabsetzungen scheint (inter-)nationalen Studien zufolge Teil des schulischen Alltags zu sein. Zugleich ist es häufig herausfordernd seelische Gewalt als Phänomen im konkreten Fall zu identifizieren. Dieser Herausforderung widmet sich der Beitrag, indem unterschiedliche theoretische Auseinandersetzungen dargestellt und zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. In der Adaption für den Kontext der pädagogischen Beziehungen lassen sich unterschiedliche Dimensionen identifizieren, die für die Bestimmung seelischer Gewalt relevant sind. Dabei zeigt sich, dass seelische Gewalt als relationales Phänomen zu denken ist, dass sich im Kontext von vier Dimensionen entfaltet: 1) epistemische Dimension; 2) strukturelle und kulturelle Dimension; 3) Beziehungsdimension und 4) personale Dimension.
Diese Festschrift ist eine Hommage an Theo Hug für seine vielen Verdienste innerhalb und weit über die Universität Innsbruck hinaus. Neben den theoretischen Fragestellungen im Spannungsfeld von Bildung, Medien, Kultur, Gesellschaft und Technologie geht es Theo Hug auch immer um die praktische Auseinandersetzung mit all diesen Fragen, insbesondere um die Wechselwirkung zwischen digitalen Medien und Individuum sowie Gesellschaft. Insofern stehen diese Streifzüge an den Nahtstellen von Medien, Bildung und Philosophie kursorisch auch stellvertretend für das umfangreiche wissenschaftliche und bildungspolitische Engagement und Wirken des des Menschen, Denkers und Pädagogen Theo Hugs. Ihm ist wesentlich die institutionelle Verankerung von Medien- und Kommunikationswissenschaft, sowie die der Medienbildung an der Universität Innsbruck zu verdanken.
Der Artikel analysiert die Auswirkungen der digitalen Medienwelt auf Bildung und Gesellschaft. Die mediale Evolution und die Flut an Informationen, verstärkt durch Social Media und Künstliche Intelligenz, stellen immer höhere Anforderungen an die Medienkompetenz der Menschen. Traditionelle Bildungsansätze greifen zu kurz. Stattdessen ist ein radikales Umdenken notwendig, um digitale Mündigkeit und kritische Medienkompetenz zu fördern. Dabei spielt die Fähigkeit zur Komplexitätsreduktion ebenso eine Rolle wie die Ambiguitätstoleranz – die Fähigkeit, mit Unsicherheiten und Mehrdeutigkeiten umzugehen. Die Auseinandersetzung mit Filterblasen, FoMO (Fear of Missing Out) und der Rolle sozialer Medien im Identitätsbildungsprozess von Jugendlichen verdeutlicht die Notwendigkeit einer umfassenden Medienbildung. Diese muss junge Menschen befähigen, sich kritisch und reflektiert in einer zunehmend komplexen digitalen Welt zu orientieren und aktiv an gesellschaftlichen Diskursen teilzunehmen. Bildung wird als eine der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben im digitalen Zeitalter positioniert, die nicht nur Wissen, sondern auch emotionale und kognitive Kompetenzen vermittelt.
Für längere schulfreie Zeiten wie die Sommerferien ist bekannt, dass vor allem Kinder und Jugendliche aus weniger privilegierten Haushalten überdurchschnittlich von Lernverlusten betroffen sind. Eine Gegenmaßnahme sind sogenannte Sommerschulen, die in Österreich nach den längeren Schulschließungen während der Pandemie Covid-19 im Jahr 2020 erstmals flächendeckend eingeführt wurden. Während in diesem Zusammenhang der Fokus der Forschung auf der Professionalisierung der unterrichtenden Lehramtsstudierenden lag, widmet sich dieser Beitrag den Erfahrungen der an der Sommerschule teilnehmenden Schüler:innen. Hierzu wurden vier Gruppeninterviews mit insgesamt 18 Schüler:innen aus Tirol durchgeführt. Die Auswertung der Daten erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schüler:innen die Sommerschule als eine positive Gelegenheit zur Wiederholung von bereits Gelerntem empfinden. Die Schüler:innen beschrieben den Unterricht als einen durch Arbeitsblätter gestützten Nachhilfeunterricht und dies trotz der methodischen Leitlinie des Ministeriums, dass sich die Sommerschule durch einen sprachsensiblen und/oder projektartigen Unterricht auszeichnen sollte. Abschließend werden die Ergebnisse vor dem Hintergrund der bildungspolitisch formulierten Bildungsziele der Sommerschule und der internationalen Forschung zur Wirksamkeit von Ferieninterventionen diskutiert, um Möglichkeiten für eine zukünftige Weiterentwicklung des Angebots zu erörtern.